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Extremismus - Berlin:Thüringen: Direktor Holocaust-Mahnmal fordert "klare Kante"

Berlin
Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, steht vor dem Holocaust-Mahnmal. Foto: Jörg Carstensen/dpa (Foto: dpa)

Berlin (dpa) - Der Direktor des Holocaust-Denkmals, Uwe Neumärker, hat die Politik nach der Wahl in Thüringen zu "klarer Kante" aufgefordert, um sich damit "zu den Werten unserer Demokratie zu bekennen". Damit sollten die Grundlagen geschaffen werden, "dass wir unsere politische Aufklärungsarbeit weiter leisten können", sagte er am Donnerstag in Berlin.

"Es war ein Konsens in dieser Republik, dass wir uns dazu bekennen, welche Verbrechen in deutschem Namen von Deutschen verübt worden sind. Dieser Konsens ist brüchig geworden", sagte Neumärker. Er berichtete von verändertem Besucherverhalten auch in dieser zentralen Gedenkstätte. "Die Gewissheiten, die wir noch vor fünf Jahren hatten, sind keine Gewissheiten mehr. Das vor fünf Jahren noch vermeintlich Unsagbare ist wieder salonfähig geworden", sagte der Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. "Ich glaube nicht, dass Antisemitismus, Antiziganismus, Homophobie oder Rassismus jemals weg waren. Aber man äußert es wieder offen."

Das Holocaust-Mahnmal gehört zu den kulturellen Einrichtungen und Gedenkstätten, die sich im Umgang mit den zunehmenden Phänomenen Unterstützung der Initiative Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin geholt haben. Projektleiterin Bianca Klose legte am Donnerstag die Handreichung "Nur Schnee von gestern? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Gedenkstätten und Museen" vor. Darin enthalten sind Hinweise und Hilfestellungen für den Umgang mit rechten Störern, Angriffen auf kulturelle Freiheiten oder Zweifeln an historischen Ereignissen. "Der Kulturkampf von rechts ist in vollem Gange", heißt es in der Broschüre, "und mit ihm der massive Angriff auf die kritische Geschichtskultur und die demokratischen Werte der Gesellschaft."

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