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Evangelischer Kirchentag:Obama: Tiefe Religiosität hat "nicht nur positive Seiten"

  • Der ehemalige US-Präsident Obama hat bei einer Podiumsdiskussion auf dem Eangelischen Kirchentag Verständnis für Merkels Flüchtlingspolitik geäußert.
  • Das "Ringen" zwischen humanitärer Verpflichtung und staatspolitischer Verantwortung kenne er aus seiner eigenen Amtszeit.
  • Teile der Opposition hatten im Vorfeld kritisiert, Obama leiste mit seinem Auftritt Wahlkampfhilfe für Merkel.

Barack Obama hat beim Kirchentag in Berlin um Verständnis für die Entscheidungen geworben, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingspolitik zu treffen hat. Jenes "Ringen" zwischen humanitärer Verpflichtung und staatspolitischer Verantwortung kenne er aus seiner eigenen Amtszeit, sagte der ehemalige US-Präsident vor Zehntausenden Menschen bei einer Diskussionsrunde mit der Kanzlerin vor dem Brandenburger Tor. "In den Augen Gottes verdient das Kind auf der anderen Seite der Grenze nicht weniger Liebe und Mitgefühl als mein eigenes Kind", sagte Obama weiter.

Staats- und Regierungschefs von Nationalstaaten müssten aber auch rechtliche Zwänge, die Verantwortung für die Bürger und begrenzte Ressourcen berücksichtigen. Merkel war zuvor von Teilen des Publikums ausgebuht worden, weil sie erklärt hatte, dass bisweilen auch Abschiebungen von gut integrierten Flüchtlingen notwendig seien, wenn diese keinen Schutzstatus erhielten. Wichtig, so die Kanzlerin, seien zügige Asylentscheidungen, bevor die Flüchtlinge in die Städte und Gemeinde kommen. Migranten ohne Asylanspruch müssten "schneller nach Hause" geschickt werden.

"Kompromisslosigkeit in Glaubensfragen" sind ein Problem

Der Besuch Obamas ist der erste Höhepunkt des diesjährigen Kirchentages. Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten sprach in der Diskussion mit dem Titel "Engagiert Demokratie gestalten" auch über die Ambivalenz von Glaube. Demnach sieht er in der tiefen Religiosität vieler Amerikaner nicht nur positive Seiten: "Das Problem ist, dass wir manchmal Kompromisslosigkeit in Glaubensfragen in die Politik tragen." In der Demokratie seien Kompromisse allerdings "unumgänglich", betonte er.

Obama unterstrich außerdem, dass in den USA viele Religionen ihren Platz hätten. Aber niemand sei im Besitz der absoluten Wahrheit, auch er nicht. "Jeder von uns sieht nur einen Teil der Wahrheit", sagte er. Daher sei es wichtig, auch andere Meinungen zuzulassen. Das sei die wahre Stärke des Glaubens. "Ich denke, dass es immer gut ist, auch ein bisschen zu zweifeln", so Obama.

Bedenken vor dem Auftritt

Weiter betonte er, die Welt wachse immer enger zusammen. Wenn es zu Kriegen und Konflikten komme, "können wir uns nicht hinter einer Wand verstecken". Daher sei es wichtig, etwa in Konfliktprävention, Entwicklung und Klimaschutz zu investieren, um den Menschen in ärmeren Ländern Perspektiven zu bieten, betonte der frühere US-Präsident.

Während seiner Amtszeit war der 44. Präsident der Vereinigten Staaten insgesamt sechs Mal nach Deutschland gekommen - zuletzt zu seinem Abschiedsbesuch Mitte November. Der aktuelle Auftritt hatte im Vorfeld vereinzelt Kritik hervorgerufen. Aus der politischen Opposition hieß es, der charismatische Ex-Präsident leiste rund vier Monate vor der Bundestagswahl Wahlkampfhilfe für Merkel. In Kirchenkreisen gab es Bedenken, dass der Auftritt Obamas das vielfältige Angebot des Kirchentages mit fast 2 500 Veranstaltungen überstrahlen könnte.

Der 36. Evangelische Kirchentag dauert vom 24. bis 28. Mai und zählt zu den Höhepunkten des 500-jährigen Reformationsjubiläums, das in diesem Jahr begangen wird. Außer in Berlin findet das Christentreffen auch in der Lutherstadt Wittenberg statt. Zusätzlich zu den angemeldeten mehr als 100 000 Dauerteilnehmern werden jeden Tag mehrere Zehntausend Tagesgäste erwartet.

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