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Ministerrat in Toulouse:Deutschland und Frankreich - ein Duett der Gegensätze

Merkel und Macron treffen sich am Airbus-Standort Toulouse

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich

(Foto: dpa)

Das Verhältnis der Verbündeten wird derzeit von Enttäuschungen geprägt. Das liegt auch daran, dass Merkel und Macron bei Inhalt, Stil und Interessen so schlecht zusammenpassen.

Wenn die Kabinette diesen Mittwoch in Toulouse zu den deutsch-französischen Regierungskonsultationen aufmarschieren, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Staatenbeziehung von Problemen geplagt ist. Der neue Élysée-Vertrag, unterzeichnet im Januar, hat unterschiedliche Erwartungen geweckt, die bisher nicht erfüllt wurden. Und weil Angela Merkel und Emmanuel Macron als Unterzeichner immer stärker ihre unterschiedlichen Charaktere zeigen, entwickelten sich die vergangenen Monate so enttäuschend.

Macron hat - in seiner Wahrnehmung - seit der programmatischen Europarede vom September 2017 an der Sorbonne einen Tiefschlag erlebt. Die Ablehnung der französischen EU-Kommissionskandidatin Sylvie Goulard, betrieben auch von deutschen Europaabgeordneten, sieht er als frustrierenden Höhepunkt einer deutschen Lähmungskampagne an.

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Merkel nimmt hingegen nur noch einen sprunghaften, aktionistischen Präsidenten wahr, der Grundsatzreden in immer kürzerer Frequenz, aber dafür wachsender Länge hält. Einen Höhepunkt muss Macron demnach auf der Botschafterkonferenz seines Landes Ende August geliefert haben, als er in knapp zwei Stunden das Bild von Frankreich als Balance-Macht in der Welt entwarf. Was er darunter versteht, hatte er im Spiel mit Russlands Präsidenten und mit Iran gezeigt. Die Iran-Krise wollte er mit einem 15-Milliarden-Kredit für Teheran entschärfen, ehe ihm offenbar klar wurde, dass es dafür keine Sicherheiten und Verfahrenswege gab. Der Plan starb schnell wieder.

Wladimir Putin stellte er die G-7-Mitgliedschaft in Aussicht und später eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa - getragen von dem Gedanken, dass man Russland nicht "an China" verlieren dürfe. Das Argument teilt Merkel zwar, aber niemals würde sie in große Gesten verfallen, ohne das Kleingedruckte zu kennen: Wie, bitteschön, steht es dann um die Ostukraine oder die Krim? Wo bitte ist der erste Schritt Putins in Richtung Befriedung? Der von Macron versprochene Ukraine-Gipfel der Normandie-Gruppe kam jedenfalls nicht zustande.

Macron sagt, er glaube nur an eine Sache: "eine Strategie der Kühnheit und der Risikobereitschaft". Merkel würden solche Sätze kaum über die Lippen kommen, geschweige denn würde sie danach handeln, weil sie vor allem die Kleinteiligkeit und Mühsal der Außenpolitik sieht.