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Emir von Katar in Deutschland:Undurchschaubarer Besucher

***BESTPIX*** Emir Of Qatar Visits Germany

Weltoffen und kritikfähig? Der junge Emir von Katar zu Besuch bei Angela Merkel.

(Foto: Getty Images)

Kritikfähig, weltoffen, dialogbereit - der Emir von Katar wirkt in Berlin wie der Vertreter einer neuen Generation. Doch so ähnlich hat man einst auch über Syriens Präsident Assad gesprochen. Dass Katar politisch ein so enger Partner werden könnte wie wirtschaftlich, ist bislang kaum mehr als ein Wunsch.

Angela Merkel pickte unter den diplomatischen Floskeln die positiven heraus: Intensiv, offen, konstruktiv seien die Gespräche mit dem Emir von Katar gewesen; an einer Stelle prämierte die Kanzlerin die Erläuterungen Tamim Al Thanis mit dem Etikett "glaubwürdig". Über das Gespräch Seiner Hoheit mit dem Bundespräsidenten drangen ähnlich zufriedene Bewertungen nach draußen. Der junge Emir, in Großbritannien ausgebildet und vor einem Jahr seinem Vater auf den Thron gefolgt, hat in Berlin den Eindruck eines kritikfähigen, dialogbereiten und weltoffenen Mannes hinterlassen - der Vertreter einer neuen Generation. Aber so ähnlich hat man über Baschar al-Assad in Syrien auch mal gesprochen.

Vor vier Jahren hat Merkel Katar besucht. In Doha hielt sie damals eine Grundsatzrede über das Verhältnis Deutschlands zu den Golf-Staaten, die voll war mit Lobpreis für die fortschrittliche Ausrichtung des Emirats. Die Kanzlerin betonte die Chancen gemeinsamer Projekte in Wirtschaft, Technologie, Bildung und Umweltschutz. Die Krisenherde des Nahen Ostens erwähnte sie im Mai 2010 zwar auch. Doch unterstrich das eher die Position Katars als eines zuverlässigen und vor allem stabilen Partnerstaates.

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Seither aber hat sich die Lage im Irak und in der ganzen Region dramatisch verschlechtert. Katar hat dabei eine äußerst zweifelhafte Rolle gespielt. Das Emirat unterstützt die Muslimbruderschaft in Ägypten und beherbergt die Führung der palästinensischen Hamas. Einzelne Finanziers im schwerreichen Emirat stehen im Verdacht, die Terroristen des Islamischen Staates (IS) aufgerüstet zu haben. Der Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft ist für das Image des Landes zum Fluch geworden, weil das Emirat beim Bau seiner Stadien über Leichen zu gehen scheint.

Merkel hat den Besuch des Emirs in Berlin als einen guten Anfang bezeichnet. Der Emir gehört jetzt zur von den USA angeführten Koalition gegen den IS, die Bedingungen für die Gastarbeiter in seinem Land sollen verbessert werden. Das sind aber vorerst nur Ankündigungen. Wie weit manche politischen Vorstellungen noch auseinander liegen, zeigt die Aussage Al Thanis, Katar unterstütze keine Terrorgruppen, während gleichzeitig die Exil-Regierung der Hamas vom Emirat aus wochenlang die Angriffe auf Israel befahl.

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Der Emir von Katar steht im Verdacht, die Dschihadisten des IS zu finanzieren. Gerade ist er zu Besuch in Berlin - das freut die Wirtschaft, für die Kanzlerin ist der Besuch heikel. Sowohl Merkel als auch Bundespräsident Gauck sprechen den Scheich auf Menschenrechtsfragen an.

Deshalb ist bislang wenig mehr als der Wunsch der Vater des Gedankens, dass Katar politisch ein so enger Partner sein könnte wie wirtschaftlich. Das Emirat besitzt Anteile an ersten Adressen unter Deutschlands Konzernen. Da wäre es für die Firmen schon unangenehm, wenn Renditen aus diesen Investitionen von rund 14 Milliarden Euro womöglich nicht nur in Zivilflugzeuge von Airbus, sondern auch in die Finanzierung islamistischer Terrorgruppen flössen. Und für die Bundesregierung wäre es peinlich, wenn sie dabei erwischt würde, dass sie wegen dieser Investitionen und manchem Dollar, der noch in Aussicht steht, bei politischen Verfehlungen des Emirs nicht so genau hinsehen würde.