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Elfenbeinküste: Gbagbo gibt nicht auf:Geflüster im Bunker

Laurent Gbagbo harrt in seinem letzten Refugium aus. Bei dem geächteten Herrscher der Elfenbeinküste zeigt sich, wie entscheidend der Einfluss von Beratern und Günstlingen auf Despoten sein kann - und dass ihre Ehefrauen viel zu oft unterschätzt werden.

Arne Perras

Laurent Gbagbo harrt im Bunker aus. Warum gibt der Mann nicht auf? Die Franzosen sprechen von "absurder Sturheit", aber wie erklärt man, dass sich dieser Mann auch unter größtem Druck nicht beugen will? Einer, der die Psyche solcher Männer studiert, ist Jerrold Post, Professor für Psychiatrie, Politische Psychologie und Internationale Politik an der George Washington University in den USA. Der Wissenschaftler hat früher für die CIA die Eigenarten von Diktatoren erforscht, Gbagbo überrascht ihn nicht: "Solche Führer sehen sich selbst als die Verkörperung der Nation. Dies ist mit Sicherheit so bei Mugabe und bei Gaddafi. Und es trifft auch in gewissem Maße auf Gbabgo zu."

Kampf gegen den Gewaltherrscher: Anhänger des gewählten Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara.

(Foto: AP)

Dieses Selbstverständnis grabe sich im Laufe der Herrschaft tiefer ein, erklärt Post - so tief, dass manche schließlich so denken wie Saddam Hussein, der behauptete: "Ich bin der Irak." Von dem Simbabwer Robert Mugabe sind ähnliche Sätze überliefert. Er herrscht nun schon seit 31 Jahren. Gbagbo ist erst seit elf Jahren an der Macht, aber offenbar reichte auch das aus, um ihn auf ähnliche Weise zu formen. So konnte es für den Ivorer einfach nicht wahr sein, was die Wahlkommission und die Vereinten Nationen nach der Stichwahl im November bestätigten: Dass sein Gegner, Alassane Ouattara, die Wahl gewonnen hatte. Seither stemmt sich Gbagbo gegen den Rest der Welt. Er sitzt im Bunker und anstatt über einen Ausweg zu verhandeln, erklärt er der Welt: "Ich bin der gewählte Präsident der Elfenbeinküste."

Auch der Stress, dem Führer wie Gbagbo jetzt ausgesetzt sind, spielt eine große Rolle. Er kann zu Realitätsverlust führen. Weiß der abgewählte Präsident eigentlich noch, was um ihn herum vorgeht? Und welche Rolle spielen seine Vertrauten? Auch wenn dies in der Verwirrung von Abidjan derzeit nicht im Einzelnen zu durchleuchten ist, weist Post auf ein grundsätzliches Phänomen hin, das bei alternden Machthabern zu beobachten ist: Je länger diese Männer herrschen, desto größer ist oft die Angst der Berater, dem Boss reinen Wein einzuschenken. Der Überbringer schlechter Nachrichten kann schnell seinen Job verlieren oder im Gefängnis landen - wenn ihm nicht noch Schlimmeres droht. "Kritik kann sehr gefährlich sein." Deshalb bekommen Männer wie Gaddafi aus ihrem Umfeld vor allem das zu hören, was sie hören wollen.

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass langjährige Autokraten den Kreis ihrer Günstlinge keinesfalls ignorieren können. Sie treiben ihn, weiter zu regieren. Denn diejenigen, die einen Diktator schützen und abschirmen, sind zugleich die Profiteure seines Regimes. Sie haben sich lukrative Geschäfte unter der Gunst ihres Herrschers gesichert. Sie wollen, dass er weitermacht, weil sonst andere Seilschaften übernehmen, die zuvor drangsaliert wurden. Wenn sie siegen, droht den anderen Rache.

Die Rolle der Ehefrauen wird ebenso häufig unterschätzt, wie die Analyse Posts nahelegt. Als Robert Mugabe nach dem Tod seiner ersten Frau Sally seine Sekretärin Grace heiratete, nahmen seine autoritären Tendenzen erheblich zu, was Insider auch mit der Rolle der First Lady in Verbindung bringen, die als verschwenderisch und konsumsüchtig gilt. Mit Grace an seiner Seite sei Mugabes Politik brutaler und extremer geworden, sagt Post. Eine ganze Reihe von Ehefrauen neigen nach Einschätzung des Wissenschaftlers dazu, "in ihrem eigenen Drang nach Macht" ihre Ehemänner an der Staatsspitze anzutreiben. Dies gilt auch für Simone Gbagbo, die großen politischen Ehrgeiz besitzt und - wie ihr Mann - seit Jahren die Xenophobie schürt. Den Gegner ihres Mannes, Alassane Ouattara, nennt sie den "Chefbanditen", und nur für den französischen Präsidenten findet sie noch härtere Worte. Nicolas Sarkozy gilt ihr als "Teufel".

Auch wenn die Gbagbo-Gattin schon darüber geklagt hat, dass ihr Ehemann nicht genügend auf sie höre, so gilt sie doch als wichtige Einflüsterin. Wie die Frau von Slobodan Milosevic hat man auch Simone Gbagbo mit Shakespeares Lady Macbeth verglichen. Sie ist es, die ihren Mann zum Äußersten treibt.

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