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Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste:Der Kampf um Abidjan

Laurent Gbagbo gibt nicht auf: Der abgewählte Präsident versteckt sich im Bunker seiner Residenz und bringt Scharfschützen in Position. Die französische Armee hat Japans Botschafter gerettet - und das Fernsehen zeigt "Der Untergang".

Bilder einer Stadt am Abgrund

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Quelle: AP

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Der Kampf um Abidjan ist noch nicht beendet: In der Wirtschaftsmetropole stehen sich die Truppen des gewählten Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, und die Kämpfer seines Vorgängers Laurent Gbagbo weiterhin gegenüber. Die zahlenmäßig überlegenen Anhänger Ouattaras (hier im Bild) versuchen, den im Herbst 2010 abgewählten Gbagbo in seiner Residenz gefangen zu nehmen. "Der Befehl lautet, ihn lebend zu fassen", sagte ein Sprecher Ouattaras.

Outtaras Leute kontrollieren auch das staatliche Fernsehen und nutzen dies für eine wenig subtile Botschaft: Es wurden Ausschnitte aus dem deutschen Spielfilm Der Untergang über die letzten Tage Adolf Hitlers in seinem Bunker in Berlin 1945 gezeigt. Auch der abgewählte Gbagbo soll sich in einem unterirdischen Versteck befinden.

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Quelle: AFP

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Die Soldaten, die für den international anerkannten Präsidenten Ouattara kämpfen, patrouillieren weiterhin durch die Fünf-Millionen-Metropole Abidjan. Gbagbo weigert sich, seine Niederlage anzuerkennen. Er hat offenbar Scharfschützen auf dem Dach seiner Residenz sowie auf angrenzenden Gebäuden postiert, die bisher verhindern, dass Ouattaras Truppen in das Gebäude eindringen können.

Anwohner und Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten am Donnerstagvormittag, es seien vereinzelt Schüsse aus leichten und schweren Waffen zu hören gewesen. Ein Bewohner des Viertels Cocody, in dem sich Gbagbos Residenz befindet, sagte, die Nacht sei relativ ruhig verlaufen, am Morgen seien dann einige schwere Explosionen zu hören gewesen.

Pro-Gbagbo militia men ride in a pick-up truck in Abidjan

Quelle: Reuters

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Offenbar sind es nur noch 150 Kämpfer, darunter auch angolanische Söldner, die mit Gbagbo in seiner Residenz ausharren. Es wird vermutet, dass sich Gbagbo mit seiner Familie in einem unterirdischen Bunker versteckt hält. Bis 2005 war die Residenz des Präsidenten in Abidjan (die offizielle Hauptstadt des Landes ist Yamoussoukro) durch einen Tunnel mit der Residenz des französischen Botschafters verbunden. Diese Verbindung ließ Gbagbo schließen. Er schien zuletzt auf Gespräche mit seinem Rivalen Ouattara zu setzen und erklärte, er wolle nicht als Märtyrer sterben.

ICOAST-FRANCE-PEACE-MILITARY

Quelle: AFP

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In den Konflikt greifen auch französische Truppen ein. Die Zahl der Soldaten der Unterstützungsmission Opération Licorne (Einhorn) für die eigentliche UN-Mission wird mit 1600 angeben.

Die französischen Streitkräfte wurden auch am heutigen Donnerstag zur Hilfe gerufen, nachdem Gbagbo-Truppen die japanische Botschaft in Abidjan gestürmt hätten, erklärte ein Armeesprecher. Japan habe zunächst die UN-Mission in der Elfenbeinküste (ONUCI) um Hilfe gebeten. Da die UN-Truppen vor Ort aber nicht die militärischen Mittel für eine Evakuierung gehabt hätten, seien die französischen Truppen angefragt worden.

(Im Bild: Französische Elitesoldaten der "Force Licorne" bei der Ankunft am Flughafen von Abidjan.)

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Als die Gbagbo-Truppen die Residenz stürmten, verschanzte sich der japanische Botschafter mit sieben Mitarbeitern zunächst in einem Sicherheitsraum, wie der Armeesprecher weiter erklärte. Auf diesem von der französischen Armee verbreiteten Bild ist der japanische Botschafter Okamura Yoshifumi bei seiner Flucht zu sehen.

Mit einem Hubschrauber hätten die französischen Soldaten die Gruppe dann in Sicherheit gebracht. Laut Außenminister Alain Juppé hätten andere Staaten wie Israel Paris gebeten, bei der Evakuierung ihrer Botschaften zu helfen.

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Der Machtkampf zwischen Gbagbo und Outtara, der die einst prosperierende Elfenbeinküste in den Abgrund zu reißen droht, hat eine lange Vorgeschichte.

Der 69-jährige Alassane Ouattara war Ende 2010 gegen Gbagbo bei der Präsidentenwahl angetreten. Die internationale Gemeinschaft sieht Ouattara als rechtmäßigen Präsidenten an. Allerdings hat das Image des rechtmäßigen Staatsoberhaupts einige Kratzer bekommen.

Die Frankfurter Rundschau nannte ihn einen "mittelprächtigen Guten": Der Ökonom diente dem Autokraten Félix Houphouët-Boigny Anfang der neunziger Jahre als Premier. Die sozialistische Opposition, zu der auch Gbagbo gehörte, wurde verfolgt und blutig unterdrückt, woran auch Outtara beteiligt gewesen sein soll.

Nachdem der Autokrat Houphouët-Boigny 1993 verstorben war, wurde Henri Konan Bédié, Kandidat der von Houphouët-Boigny gegründeten Einheitspartei  "Parti Democratique de Côte d'Ivoire" (PDCI) Präsident.

Bédié wurde jedoch im Dezember 1999 in einem unblutigen Putsch vom Militär gestürzt und im Jahre 2000 sicherte sich dann Gbagbo die Macht. Er gewann die Präsidentschaftswahlen - von denen Outtara ausgeschlossen wurde. Gbagbo versuchte Outtara als Konkurrenten zu eliminieren - und zog die rassistische Karte: Da Outtaras Vater aus Burkina Faso stammt, sei der Ökonom ein Ausländer und könne nicht Präsident werden. Diese ausländerfeidliche Politik führte zu einem aufgeheizten Klima im Land. Outtara arbeitete mehrere Jahre für den Internationalen Währungsfonds und ist mit einer Französin verheiratet, die er 1990 in Paris-Neuilly heiratete. Die Zeremonie leitete damals ein gewisser Nicolas Sarkozy.

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Laurent Gbagbo, jener Mann, der die Macht nicht abgeben will, ist studierter Historiker. Er war seit 2000 im Amt und erhielt bei der letzten Wahl immerhin noch 45 Prozent der Stimmen.

Kurz nach seinem Amtsantritt versuchte er bald, sein von einem Bürgerkrieg zerrissenes Land im Hass gegen Frankreich zu einen. 2004 kam es zu Gefechten zwischen Franzosen und Ivorern. Ein Mob machte in Abidjan Jagd auf französische Bürger. Mehr als 8000 Franzosen flohen aus dem Land.

Neben seiner Präsidentengarde stützt sich Gbagbo auf die Jeunes Patriotes, eine Gruppe aus mehreren tausend fanatischen und aufgestachelten Jungnationalisten. Rund um die Uhr peitschten die Gbagbo-treuen Medien Botschaften wie "Tut eure Pflicht! Tötet die Invasoren" durch das Land, wie die Zeit berichtet.

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Wie schwierig der Weg der Elfenbeinküste in Richtung Frieden und Stabilität sein wird, zeigen die schrecklichen Geschehnisse in Duékoué. Bei der Eroberung der Stadt  durch Truppen Ouattaras hatte es Ende März Hunderte Tote gegeben. Vor ihrem Abzug aus der Stadt hatten die Anhänger des bisherigen Staatschefs Laurent Gbagbo offenbar ebenfalls ein Massaker an Zivilisten verübt. Nun patrouillieren UN-Blauhelme durch die Stadt.

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs will nun Ermittlungen zu den Massakern in der Elfenbeinküste einleiten. Sein Büro führe Vorermittlungen über die Lage in dem westafrikanischen Land und werde anschließend einen Antrag auf eine Untersuchung wegen "systematisch oder flächendeckend begangener Massaker" stellen, sagte Luis Moreno Ocampo.

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Beobachter befürchten, dass es nach den Gewaltexzessen und bewaffneten Kämpfen der vergangenen Tage und Wochen zu weiteren Racheakten kommen könnte, etwa von Ivorern, deren Angehörige getötet worden sind. Hier führen Ouattara-Truppen Männer zu einem Checkpoint.

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Dort müssen sie ausharren, bis sich geklärt hat, was ihnen vorgeworfen wird.

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Über die Aktionen des Westens und insbesondere der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich ist das Land mit seinen gut 20 Millionen Einwohnern ebenfalls gespalten: Anhänger von Outtara fordern ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft analog zum Vorgehen in Libyen.

Dieser Anhänger von Laurent Gbagbo ist da ganz anderer Meinung: Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Notfall! Sarkozy tötet in der Elfenbeinküste."

© sueddeutsche.de/mati/woja

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