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Ehemaliger britischer Premier:Das Blairvić-Projekt

Quartet Representative to the Middle East and former British Prime Minister, Tony Blair, speaks during his meeting with Palestinian businessmen in Gaza City,

Tony Blair, ehemaliger britischer Premier und heutiger Gesandter des Nahost-Quartetts, am 15. Februar bei einer Rede in Gaza-Stadt

(Foto: REUTERS)
  • Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair soll neuer Berater des serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vučić werden.
  • Während des Krieges im Kosovo hatte sich Blair 1999 für Luftschläge der NATO gegen Jugoslawien eingesetzt. Vučić war zu dieser Zeit Mitglied der jugoslawischen Regierung unter Präsident Slobodan Milošević.
  • Gerüchten zufolge könnten die Vereinigten Arabischen Emirate für Blairs Honorar aufkommen.

Seit Tony Blair nicht mehr britischer Premierminister ist, verdient er sein Geld wie so mancher ehemalige Politiker als Berater. Er hat sich in der Vergangenheit von Staaten wie Ruanda oder Aserbaidschan für seine Expertise bezahlen lassen. In Zukunft soll Blair dem serbischen Premierminister Aleksandar Vučić dabei helfen, Reformen zu erarbeiten. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor.

Doch für Blair dürfte es kein Job wie jeder andere werden. Im Kosovokrieg 1999 hatte Blair, damals noch britischer Premierminister, sich erfolgreich für Luftangriffe der Nato auf Jugoslawien stark gemacht, um die Kosovo-Albaner im Kampf gegen Serben zu unterstützen. Auf seiner Website präsentiert sich Blair mit kosovarischen Kindern, die ihm zu Ehren den Namen "Tonibler" tragen.

Der heutige serbische Ministerpräsident Aleksandar Vučić war Ende der Neunzigerjahre Informationsminister unter Präsident Slobodan Milošević. Später war er lange Jahre Mitglied der Serbischen Radikalen Partei (SRS). Sein damaliger Parteifreund Vojislav Šešelj veröffentlichte 2005 eine Schmähschrift gegen Tony Blair. Mitherausgeber des Buchs war nach Angaben des Guardian Aleksandar Vučić. Gegen Šešelj läuft derzeit ein Prozess wegen Kriegsverbrechen in Den Haag.

Mit Blick auf die Vorgeschichte eine "bizarre" Wahl

Angesichts dieser Vorgeschichte bezeichnete der serbische Oppositionsführer Borko Stefanović Blair als "bizarre" Wahl, das schreibt der Guardian. "Wie kann man solche Dinge über jemanden sagen und ihn jetzt als den Schlüsselfaktor präsentieren, der die Regierung effizienter machen soll?" sagte Stefanović.

Für Verwirrung sorgt nicht nur die Berufung Blairs zum Berater des serbischen Premiers, sondern auch die Frage, wer Blair bezahlen wird. Weder dessen Firma Tony Blair Associates (TBA) noch die serbische Regierung äußerten sich dazu. Die Nachrichtenagentur AFP zitiert jedoch serbische Regierungskreise mit den Worten: "Uns (in der Regierung, Anmerkung der Redaktion) wurde gesagt, es werde von unseren Freunden in Abu Dhabi bezahlt."

Die Vereinigten Arabischen Emirate planen derzeit der AFP zufolge mehrere Investitionsprojekte in Serbien, etwa im Hafenviertel von Belgrad.

Sollte Tony Blairs Honorar tatsächlich von den Emiraten bezahlt werden, droht ihm ein Interessenskonflikt. Blair ist der offizielle Gesandte des diplomatischen Quartetts aus Vereinten Nationen, USA, Russland und der EU, das sich um Frieden im Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern bemüht. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind einer von 32 UN-Mitgliedsstaaten, die Israel nicht als Staat anerkennen.

Eine Sprecherin von TBA sagte, die Arbeit für Vučić habe keinerlei Auswirkungen auf Blairs Rolle im Nahen Osten.