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Drohung von Sepp Blatter:Beckenbauers erstaunliches Statement

Schon seine Ankündigung einer Kommission für Profifußball war ein Angriff auf die Uefa, die dies mit der ertragreichen Champions League als ihr Hoheitsgebiet ansieht. Auch die Momente nach der Wahl zeigten das frostige Verhältnis: Demonstrativ blieb Michel Platini als einziger auf dem Podium sitzen. Als Blatter auf seiner Gratulationstour an seinem früheren Freund vorbeikam, entstand ein kleiner peinlicher Moment, bevor sich beide für einen jugendlichen Handschlag auf Brusthöhe entschieden.

Franz Beckenbauers Reaktion fiel unterdessen deutlich euphorischer aus. Er lobte Blatter nach dessen Wiederwahl und bescheinigte den Gegenspielern des Schweizers eine schlechte Strategie "Blatter ist ohne Zweifel eine starke Persönlichkeit, die ein gewaltiges Standing in der Welt besitzt", sagte der Fußball-Kaiser in einem Interview der Thüringer Allgemeinen.

Die europäischen Widersacher Blatters kritisierte Beckenbauer. "Die Uefa hat ja noch nicht einmal einen eigenen Kandidaten vorzuweisen. Wenn ich etwas ändern will, dann muss ich eine Alternative anbieten", sagte das frühere Exekutivkomitee-Mitglied des Fußball-Weltverbandes. Blatter habe letztlich leichtes Spiel gehabt. "Er hat ja im Grunde immer nur die Europäer gegen sich, sofern die überhaupt in der Lage sind, geschlossen aufzutreten."

Neues gibt es derweil von einem ehemaligen Weggefährten Blatters. Der frühere Fifa-Vizepräsident Jack Warner (Trinidad und Tobago) hat die Vorwürfe gegen seine Person wegen Korruption im Zusammenhang mit Fußball-Geschäften zurückgewiesen. Auf einer Pressekonferenz in Port of Spain bezeichnete der nach einem Haftbefehl aus den USA gegen Kaution freigelassene Ex-Minister die Ermittlungen der US-Behörden als Vergeltungsmaßnahme für die Niederlage bei der Bewerbung um die WM-Endrunde 2022 gegen Katar.

Warner, der 2011 wegen Verstößen gegen den Fifa-Ethikcode aus dem Fußball-Weltverband ausgeschlossen wurde, zeigte drei Tage nach seiner vorübergehenden Festnahme keinerlei Anzeichen für Bereitschaft zur Kooperation mit den US-Ermittlern: "Als sie mich ins Gefängnis steckten, dachten sie, sie würden mich brechen, aber im Gegenteil: Sie haben mich nur stärker gemacht."

Warner hatte sich am vergangenen Mittwoch nach den von den USA beantragten Festnahmen mehrerer seiner Ex-Funktionärskollegen vor dem Fifa-Kongress in Zürich in seiner Heimat der Polizei gestellt. Gegen eine Kaution von umgerechnet 360.000 Euro konnte der frühere Ticket- und Fernsehrechtehändler das Gefängnis wieder verlassen. Über Warners Auslieferung an die USA, wo die Justiz dem früheren Boss des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) Betrug und Geldwäsche zur Last legt, soll voraussichtlich im Juli eine Entscheidung fallen.

Die US-Ermittlungen, sagte Warner auf der Pressekonferenz, "sind praktisch etwas Persönliches. Seit die USA 2010 die WM-Endrunde 2022 nicht bekommen haben, versuchen sie, ihren Schmerz auf die Fifa und die entscheidenden Personen bei der Wahl abzuwälzen". Warner gehörte viele Jahre zu den engsten Vertrauten Blatters. Im Zuge zwielichtiger Vereinbarungen erhielt Warner mehrfach wertvolle TV-Rechte an WM-Turnieren für seinen Einflussbereich für einen symbolischen Preis von einem Dollar und konnte dadurch aus dem Weiterverkauf der Senderechte Millionen-Gewinne erzielen. 2011 überwarf sich Warner mit Blatter, machte seine damalige Androhung von explosiven Enthüllungen bislang allerdings nicht wahr.

Einen ersten Verdrossenen haben die aktuellen Entwicklungen auch schon hervorgebracht: Der Engländer David Gill, früherer Club-Direktor von Manchester United, hat seinen sofortigen Rückzug aus dem Fifa-Exekutivkomitee erklärt. "Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, aber die fürchterlich beschädigenden Ereignisse der letzten drei Tage haben mich überzeugt, dass es nicht angemessen ist, unter der aktuellen Führung ein Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees zu sein", sagte Gill am Samstag in Zürich.

Er hatte den Platz als Fifa-Vizepräsident übernehmen sollen, der laut Statuten für die vier britischen Verbände reserviert ist. Wer sein Nachfolger werden soll, steht noch nicht fest. Gill galt gemeinsam mit Wolfgang Niersbach als europäische Speerspitze in dem Fifa-Gremium gegen Blatter. Niersbach hat noch nicht endgültig entschieden, ob er sein Mandat ausüben wird. Erste Anzeichen deuten jedoch daraufhin, dass der 64-Jährige nicht aus dem Gremium austreten wird.

© Süddeutsche.de/dpa/sid/jbe
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