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Drohneneinsätze am Horn von Afrika:Geheimes Töten ist schrecklich einfach

Angeblich zehn Drohneneinsätze gab es in den vergangenen sechs Jahren in Somalia. Die USA halten das Ausmaß ihres Drohnenkriegs bewusst im Dunkeln. Unklar ist deshalb nicht nur die genaue Zahl der Opfer, sondern auch ob es sich bei den Getöteten tatsächlich um Terroristen handelt.

Drohnen kommen gewöhnlich ganz leise, sie pirschen sich an ihr Ziel und es braucht eine Weile, bis die da unten das Surren hören. Man kann sich sogar an das Geräusch gewöhnen, aber man muss schon Fachmann sein, um die verschiedenen Drohnen-Typen auseinander halten zu können. Die Predator beispielsweise kann 24 Stunden am Himmel bleiben, die Reaper etwa 28 Stunden und die Global Hawk ist in der Lage, bis zu 38 Stunden über Zielpersonen zu kreisen.

Aus Sicht der US-Regierung sind alle Drohnen billig, sie schonen das Leben der eigenen Leute und man muss keine Gefangenen machen, die dann wieder Ärger machen können. Auch in Afrika gibt es, wie früher an anderen Plätzen, inzwischen geheime CIA-Gefängnisse, aber diese Gefangenen muss man irgendwann freilassen oder vor Gericht stellen. Töten ist schrecklich einfach.

Angeblich zehn Drohneneinsätze hat es in den vergangenen sechs Jahren in dem armen Staat am Horn von Afrika gegeben. Vermutlich wurden die meisten Aktionen aus Deutschland auf den Weg gebracht. Die erste Drohne setzten amerikanische Militärs im Januar 2007 in Somalia ein. Es war keine bewaffnete Drohne, sondern nur ein Roboter, der Live-Bilder lieferte, während ein Schlachtflugzeug der US Air Force, eine Lockheed AC-130, mit Kanonen auf eine Truppe von Männern schoss. Acht Menschen starben, drei wurden verwundet. Es soll sich angeblich um schlimmste Terroristen gehandelt haben, aber verifizieren lässt sich das nicht.

Der erste Einsatz einer bewaffneten Drohne soll sich im Juni 2011 im Süden des Landes ereignet haben. Die Zahl der Opfer ist unbekannt. Angeblich wurden islamistische Kämpfer in einem Trainings-Camp von den Raketen einer Drohne getötet. Der stellvertretende somalische Verteidigungsminister erklärte, er kenne die Namen der Toten, wolle sie aber nicht verraten.

Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor

Das erste Opfer, das Namen und Gesicht hatte, war der aus dem Libanon stammende Bilal al-Berjawi, der den Kampfnamen Abu Hafsa hatte. Er hatte zeitweise in England gelebt und 2011 war ihm dann die britische Staatsbürgerschaft entzogen worden. Nach seinem Tod im Januar 2012 wurde er von einer Terrororganisation als Märtyrer gefeiert. Er soll auch mal in Afghanistan gekämpft haben.

Einen Monat später soll eine Drohne den in Ägypten geborenen Mohamed Sakr in einer Region getötet haben, die etwa 60 Kilometer außerhalb von Mogadischu liegt. Sowohl das "Bureau of Investigative Journalism" als auch der arabische Sender al-Dschasira berichten übereinstimmend über den Angriff. Eine offizielle Bestätigung allerdings liegt nicht vor.

Die Zahl der Opfer, das gilt für sämtliche Drohnen-Angriffe in allen Ländern, beruht immer auf Schätzungen. Die einen übertreiben, die anderen mauern. Der amerikanische Präsident Barack Obama hat 2012 in einem "Presidential Letter" an den Kongress den Drohnen-Krieg in Afrika kurz gestreift. Eine begrenzte Zahl von Fällen habe es gegeben, die sich gegen Mitglieder von al-Qaida oder Mitglieder der al-Shabaab gerichtet hätten.

Neulich, in seiner Grundsatzrede, hat Obama betont, die Regierung gehe bei diesem geheimen Krieg "vorsichtig" vor und ziele "präzise" auf Anführer von al-Qaida. Das ist vermutlich eine ungenaue Umschreibung der Realität. Als gesichert gilt in Somalia die Zahl von 14 Toten bei vier Drohneneinsätzen, dazu kommen sechs Angriffe mit vermutlich 15 Toten. Für diese Angriffe gibt es Quellen von hinreichender Glaubwürdigkeit. In diesem Jahr wurde in Somalia noch kein bewaffneter Drohnen-Einsatz registriert. Eine US-Überwachungsdrohne wurde in diesen Tagen von Milizen der al-Shabaab abgeschossen.