Die Linke und "Focus":Wagenknecht und das irische Domizil

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Der Artikel im Münchner Magazin gehört zu einem langen Stück über die Probleme der Linken, deren interner Machtkampf das Sommerloch füllt. Der Titel: "Hummer und Sichel." Auf sechs Seiten wird die bekannte Debatte ausgebreitet: Ernsts Ärger mit der Basis, weil er nach eigenen Angaben etwa 5000 Euro netto im Monat verdient - eine Summe, von der ein Hartz-IV-Empfänger nur träumen kann. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Ernst, weil er angeblich auf Kosten des Bundestags zu Gewerkschaftstreffen geflogen ist. Auch ein unscharfes Foto von Ernst auf der Motorhaube seines Porsche 911 ist zu sehen - in Seitengröße.

Klaus Ernst Sommerinterview ZDF

Klaus Ernst im ZDF-Sommerinterview: "Hier hört man keine Motoren, hier hört man vielleicht mal eine Kuh."

(Foto: ZDF)

Hinzu kommen gut abgehangene Vorwürfe gegen die "Salonkommunistin" Sahra Wagenknecht, die einmal beim "Hummer-Schlemmen" mit dem früheren Linken-Chef Lothar Bisky erwischt worden sei. Wenn es um ihren "bourgeoisen Lebensstil" ginge, sei Wagenknecht kleinlaut, denn das sei, so wird sie zitiert, "reine Privatsache".

Den Focus hat das aber nicht davon abgehalten, ein Foto des irischen Landhauses zu veröffentlichen, in dem ihr angeblicher Lebensgefährte lebt. Das Magazin schreibt dazu: "Um das Bild der aufrechten Linken nicht zu trüben, versichert die 41-Jährige, dass sie dort nur ihren Urlaub verbringe, ansonsten fern des Geliebten in Düsseldorf lebe."

Das sommerlöcherne Linken-Bashing der Hummer-und-Sichel-Spezialisten hat damit einen Höhepunkt erreicht. Schon vor der Veröffentlichung des Focus-Artikels nannte der Spitzenlinke Bodo Ramelow die Debatte "seltsam und befremdlich". In dem Magazin wird er mit den Worten zitiert, die Ernst-Kritiker sollten "erst mal das Gehirn einschalten".

Eine Pressekonferenz in Berlin hat Ernst kurzfristig abgesagt. Eigentlich war erwartet worden, dass er dort zu den Vorwürfen in Bezug auf sein hohes Salär Stellung nimmt. Doch dann erklärte eine Parteisprecherin, Ernst sei wegen unaufschiebbarer Termine verhindert. Ohne nähere Angaben zu machen.

Parteivize Heinz Bierbaum, der Ernst auf der Pressekonferenz vertrat, hob hervor, die Debatte über die Bezüge des Parteichefs werde bei der Linken nicht so hart geführt wie mitunter dargestellt. "Im Grunde ist das eine Geschichte, die so viel Aufhebens gar nicht wert ist."

Damit hätte er den vermeintlichen Hütten-Schwindel meinen können.

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