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Deutschland:Linke entdecken Heimat für sich

Fraktionssitzung - Die Linke

Fraktionschefin Sahra Wagenknecht scheint Probleme mit rechts und links zu haben.

(Foto: dpa)

Teile der Partei erkennen, wie wichtig der Begriff ist und versuchen, ihn weltoffen zu besetzen. Ganz anders als Fraktionschefin Wagenknecht, die Fremdenfeindlichkeit schürt.

Kommentar von Constanze von Bullion

Heimat, das ist so ein Wort, das in links-grünlichen Milieus Unbehagen auslöst seit alters her. Es riecht nach Nationalismus, Vertriebenenmief und Tümelei. Umso erstaunlicher ist es, dass es jetzt Linke sind und Mitstreiter des Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, die ihre Partei ermutigen, Begriffe wie Heimat und Sicherheit sozusagen "links" zu besetzen, also weltoffen - statt national wie Sahra Wagenknecht.

Die Fraktionschefin hat die aktuelle Gewaltserie einer "leichtfertigen" Flüchtlingspolitik der Kanzlerin zugeschrieben. Die Menschen müssten sich wieder sicher fühlen können. Sicher vor Fremden, so war das zu verstehen. Wagenknecht düngt mit Fleiß Xenophobie, und es wird Zeit, dass die Partei ihr Einhalt gebietet.

Weiter als solche Debatten aber führt hier ein Blogbeitrag des Thüringer Kulturministers Benjamin Hoff, der sich der Fremdenfurcht in linken Milieus genähert hat. An der Parteibasis, bei sogenannten kleinen Leuten, hielten viele an nationalen und traditionellen Werten fest. Wolle die Linke dieses Feld nicht Rechtspopulisten überlassen oder selbst rechts abbiegen, müsse sie sich der Angst vor Heimatverlust stellen - und Heimat nicht mehr tümelnd denken, sondern als legitimen Ort verlässlicher Strukturen und Identitäten. Holt euch das Zuhause des Selbstvertrauens zurück, ohne die sich entgrenzende Welt zur Drohkulisse aufzubauen, heißt das. Es gab schon dümmere Ideen.

© SZ vom 28.07.2016/mmm

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