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Osama bin Laden: Streit um Foto-Beweis:USA halten Leichenfotos von Bin Laden unter Verschluss

Tagelang hat die Regierung beraten, jetzt hat US-Präsident Barack Obama die Entscheidung verkündet: Die Fotos des toten Osama bin Ladens werden nicht veröffentlicht. Skeptiker hatten zuvor erklärt, die Aufnahmen seien "zu grausam" und könnten ein "nationales Sicherheitsrisiko" darstellen.

Das Weiße Haus wird nach Informationen des US-Senders CNN keine Fotos des getöteten Terroristenchefs Osama bin Laden veröffentlichen. Das habe die US-Regierung am Mittwoch entschieden, berichtete der Sender.

Um die Veröffentlichung der Bilder hatte es in den vergangenen zwei Tagen eine heftige Kontroverse gegeben: Einige US-Vertreter lehnten die Freigabe der Fotos ab, weil sie nicht zumutbar und zu grausam seien, andere Politiker sahen die Veröffentlichung als notwendig an, um den Beweis zu erbringen, dass der Al-Qaida-Chef tatsächlich getötet wurde.

So sprach sich CIA-Direktor Leon Panetta im Fernsehsender NBC dafür aus, ein Foto des toten Bin Laden zu veröffentlichen. "Ich denke, wir sollten dem Rest der Welt zeigen, dass wir in der Lage waren, ihn zu stellen und zu töten", sagte er. Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan hatte sogar die Veröffentlichung von Videomaterial nicht ausgeschlossen.

Der US-Abgeordnete Mike Rogers hatte dagegen gefordert, dass die Regierung davon absehen sollte, die Fotos zu veröffentlichen. Sie erschwerten die Arbeit der amerikanischen Truppen im Ausland. "Die Verschwörungstheoretiker würden die Fotos sowieso als Fälschung abtun, und dann ist da das Risiko, dass die Veröffentlichung den Zorn der Bevölkerung im Nahen Osten entfachen könnte", sagte Rogers. "Osama bin Laden ist keine Trophäe", so der Republikaner weiter. "Wie würden die Amerikaner reagieren, wenn al-Qaida einen unserer hochrangigen Militärs töten würde und dann Fotos der Leiche ins Internet stellen würde."

Obama hat tödliche Schüsse nicht live gesehen

Unterdessen gab CIA-Direktor Panetta bekannt, dass US-Präsident Barack Obama die tödlichen Schüsse nicht live verfolgt hat. Während der entscheidenden 20 bis 25 Minuten sei die Übertragung von Informationen ins Lagezentrum des Weißen Hauses unterbrochen gewesen, sagte Panetta dem TV-Sender PBS. Das Weiße Haus hatte ein Foto aus dem abhörsicheren Kontrollraum, dem Situation Room, veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Barack Obama, sein Vize Joe Biden, Außenministerin Hillary Clinton und mehrere Sicherheitsberater mit angespannten Mienen die Geschehnisse verfolgen.

Den Beginn der Kommandoaktion habe Obama in Echtzeit beobachten können. Als die Spezialkräfte aber in das Anwesen eingedrungen seien, "wussten wir nicht wirklich, was passiert", sagte Panetta. "Es gab einige sehr angespannte Momente, als wir auf Informationen gewartet haben."

Panetta verteidigte abermals die tödlichen Schüsse auf Bin Laden, obwohl dieser nach Angaben des Weißen Hauses nicht bewaffnet war. Als die Elitesoldaten der Navy Seals das Gebäude stürmten, seien sie in ein Feuergefecht verwickelt worden. Im Zimmer, in dem sich Bin Laden aufgehalten habe, sei es dann zu "bedrohlichen Bewegungen" gekommen, die eine "klare Gefahr" für die Soldaten dargestellt hätten. Das sei der Grund, warum sie geschossen hätten.

Der CIA-Chef sagte, dass Bin Laden gefangengenommen worden wäre, wenn er sich mit erhobenen Händen ergeben hätte. Das sähen die Einsatzregeln vor. Der TV-Sender CNN zitierte in diesem Zusammenhang einen hochrangigen Regierungsvertreter, wonach der Al-Qaida-Anführer sich den Navy Seals nicht ergeben habe.

Auch Justizminister Eric Holder hat die Tötung von Al-Qaida-Chef Osama bin Laden gerechtfertigt: Die AKtion sei aus Sicht der USA ein "Akt der nationalen Selbstverteidigung" gewesen. Der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA sei ein legitimes militärisches Ziel.

Hohe Zustimmungswerte für den Präsidenten

Auch wenn das Weiße Haus mehrere Details der Darstellung der Kommandoaktion gegen Osama bin Laden revidieren musste - dem Ansehen des US-Präsidenten hat dies nicht geschadet. Im Gegenteil: In der am Mittwoch veröffentlichten monatlichen Umfrage für den Fernsehsender CBS und die Tageszeitung New York Times sprachen 57 Prozent der Befragten dem Staatschef ihr Vertrauen aus.

Die am Montag und Dienstag nach der Erschießung Bin Ladens gemessene Zustimmung stieg damit seit Anfang April um elf Punkte. Meinungsforscher hatten bereits mit einem Anstieg der Beliebtheitswerte gerechnet. Sie wiesen darauf hin, dass dies auch bei Obamas Vorgänger George W. Bush im Dezember 2003 nach der Festnahme des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein der Fall gewesen sei.

© dpa/Reuters/AFP/olkl/hai
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