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Statistisches Bundesamt:Jeder zweite Deutsche ist älter als 45

Senioren

Der Anteil der Senioren in Deutschland wird immer größer - daran wird wohl auch die Zuwanderung nichts ändern.

(Foto: Bernd Wüstneck/dpa)
  • Deutschlands Bevölkerung ist dank der Einwanderer marginal gewachsen, zugleich wird sie im Schnitt immer älter.
  • Schon jetzt ist jede zweite Person älter als 45, jede fünfte Person älter als 66 Jahre.
  • Immer weniger Erwerbsfähige müssen immer mehr Senioren versorgen, denn in den kommenden Jahren geht die Babyboomer-Generation in Rente.

Deutschlands Bevölkerung ist 2018 weiter gewachsen. Mit etwa 227 000 Menschen mehr als im Jahr davor liegt der Zuwachs allerdings nur bei 0,3 Prozent. Und verursacht hat die Zunahme lediglich die Zuwanderung, sagt Sabine Bechtold vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden bei der Vorstellung der jüngsten " Bevölkerungsvorausberechnung" der demografischen Entwicklung.

Zwar, so Bechtold, steigen die Geburtenzahlen seit 2012. Aber es sterben immer noch mehr Menschen als zur Welt kommen. Immerhin sind mehr Personen zu- als abgewandert. Für die Zukunft gehen die Fachleute auch davon aus, dass die Bevölkerung noch bis mindestens 2024 leicht zunehmen wird. Spätestens ab 2040 aber dürfte sich der Trend umkehren.

Zugleich, und das ist die wichtigste Nachricht der Experten, wird die Zahl der Menschen im Erwerbsalter in den kommenden Jahren stark sinken, weil viel mehr altersbedingt aufhören zu arbeiten als nachkommen. Darauf wird Bechtold zufolge in den kommenden 15 bis 20 Jahren auch die Zuwanderung nur einen relativ geringen Einfluss haben.

530 000 Migranten jährlich, um die Erwerbstätigen auszugleichen

"Die Alterung der Gesellschaft ist schon weit fortgeschritten", stellt Bechtold fest. 2018 lebten noch 51,8 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren in Deutschland. Doch "jede zweite Person in Deutschland ist heute älter als 45 und jede fünfte Person älter als 66 Jahre". Und in 30 Jahren wird etwa jede zehnte Person mindestens 80 Jahre alt sein. Gerade in den kommenden Jahren wird außerdem ein großer Teil der geburtsstarken sogenannten Babyboomer-Generation aus dem Arbeitsleben ausscheiden. Die "Versorgungslast" der Bevölkerung im Erwerbsalter wird also auf jeden Fall deutlich zunehmen. Während 100 Erwerbsfähigen 2018 schon 60 potenzielle Leistungsempfänger gegenüberstanden, werden es 2038 schon 80 sein und könnte bis 2060 auf 83 bis 88 steigen.

Um 4,4 bis sechs Millionen wird die Zahl der Erwerbstätigen bis 2035 demnach abnehmen. Und bis 2060 werden voraussichtlich nur noch zwischen 40 und 46 Millionen Menschen im erwerbstätigen Alter sein. Würden diejenigen, die in Rente gehen, nicht wenigstens zum Teil durch Zuwanderer ersetzt, würde die Zahl der Erwerbstätigen bis 2035 sogar um neun Millionen schrumpfen. Vollständig ließen sich die "Verluste" dem Statistischen Bundesamt zufolge allerdings nur abfangen, wenn bis zu diesem Jahr jährlich 530 000 erwerbsfähige Menschen einwandern würden - mehr als jeweils in den Jahren 2016 bis 2018. Doch ausgehend von den bisherigen Erfahrungen ist es unwahrscheinlich, dass es dazu kommt.

"Der demografische Wandel zu einer alten Bevölkerung wird durch die Zuwanderung nicht gestoppt, höchstens abgemildert", sagt Bechtold. Das liegt Olga Pötzsch zufolge auch daran, dass Ost- und Südeuropa selbst ebenfalls eine starke Alterung erleben. Noch, erklärt die Expertin des Bundesamtes, kommen die meisten Zuwanderer von dort aus nach Deutschland, insbesondere aus Rumänien, Polen, Bulgarien sowie den Staaten des Westbalkans. Doch während weltweit Krisen auch in Zukunft dazu führen werden, dass Menschen hier Schutz suchen, wächst der Bedarf an jungen Arbeitskräften in Ost- und Südeuropa selbst. Die Zuwanderung durch Menschen im erwerbsfähigen Alter dürfte demnach deutlich nachlassen.

83 Junge und Alte auf 100 Versorger

Die Geburtenrate wird dieser Entwicklung kaum entgegenwirken. Zwar ist die Zahl der Kinder zwischen 2014 und 2018 durch mehr Geburten und die Zuwanderung seit Jahren wieder gestiegen und wird das bis Anfang der 2030er Jahre auch weiterhin tun. Für die Zeit danach rechnen die Fachleute aber höchstens mit einer Stabilisierung. Folge dieser Entwicklungen ist voraussichtlich, dass sich das Verhältnis von jungen Menschen unter 20 Jahren und im erwerbsfähigen Alter bis 66 Jahren gegenüber den Alten (mindestens 67) deutlich verschiebt.

Für 2060 etwa berechnet das Bundesamt bei einer moderaten Entwicklung bei Geburten, Zuwanderung und Lebenserwartung, dass auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter insgesamt 83 junge oder alte Personen kommen.

Deutliche Unterschiede sehen die Fachleute zwischen alten und neuen Bundesländern. Bis 2060 wird die Bevölkerungszahl im Westen voraussichtlich um vier Prozent, im Osten dagegen um 18 Prozent abnehmen - zumindest bei einer moderaten Entwicklung von Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Nettozuwanderung. In den Stadtstaaten dagegen erwarten sie eine Zunahme von zehn Prozent. Überall aber sinkt in diesem Zeitraum die Zahl der erwerbsfähigen Personen.

"Die amtlichen Bevölkerungsvorausberechnungen erheben keinen Anspruch, die Zukunft vorherzusagen", betonen die Fachleute des Bundesamtes in ihrem Bericht. "Sie helfen zu verstehen, wie sich die Bevölkerungszahl und die Bevölkerungsstruktur unter bestimmten demografischen Voraussetzungen entwickeln würden." Damit ist nun wieder die Politik am Zug.

(Um die Entwicklung der Alterspyramide in Deutschland zu veranschaulichen, hat das Statistische Bundesamt hier eine Infografik veröffentlicht.)

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