Anschläge in Norwegen Angefeuert durch viele andere

Gerade der Multikulturalismus aber hängt ihm zufolge mit einem kulturellen Marxismus zusammen - und dieser wiederum zeigt sich in der "political correctness", die sich in den vergangenen 50 Jahren ausgebreitet hat. Für den norwegischen Massenmörder hat die Verschwörung, gegen die er zu kämpfen meint, deshalb ihre Wurzeln auch in Deutschland.

Von dort aus hätten Wissenschaftler der sogenannten Frankfurter Schule, einer Gruppe von Wissenschaftlern wie Erich Fromm, Theodor Adorno und Herbert Marcuse, unter dem Deckmantel der Menschlichkeit daran gearbeitet, die europäische Identität, Tradition, Kultur und sogar die Nationalstaaten abzubauen. Und obwohl Angela Merkel Breivik zufolge noch "die am wenigsten schlechte Führerin der größeren Nationen" Europas sei, müsse sie von ihrem Posten entfernt werden.

Danach sieht es dem Norweger zufolge aber vorerst nicht aus, denn die politische Korrektheit, die es den Menschen verbieten würde, zu sagen, was sie denken, "hat beide politische Flügel, links und rechts, übernommen". Als Beleg führt er unter anderem das Verbot einer antiislamischen Demonstration in Köln 2008 an: "Das war ein schändlicher Akt der Feigheit und Beschwichtigungspolitik der Nazis unserer Zeit."

Überhaupt verfüge Deutschland "über keine einzige Partei mit einer kulturell konservativen/antiislamischen Haltung", klagt Breivik. Vielmehr betrachtet er sie alle als "kulturelle Marxisten / selbstmörderische Humanisten / kapitalistische Globalisten". Ähnlich sieht es seiner Meinung nach auch in den anderen europäischen Ländern aus. Und während er schließlich verkündet, er habe nichts gegen einzelne Muslime, versteigt er sich zu einem pathetischen Aufruf zum bewaffneten Kampf im Namen einer "Pan-Europäischen Patriotischen Widerstandsbewegung".

"Bewaffneter Kampf ist der einzige vernünftige Weg", verkündet der selbsternannte Kommandeur der Tempelritter Europas, der sich selbst als toleranten und sensiblen Menschen charakterisiert. "Wir, die freien, unabhängigen Menschen Europas, erklären hiermit allen kultur-marxistischen und multikulturistischen Eliten Westeuropas den Präventivkrieg", schreibt Breivik. Später bezeichnet er diese Eliten, zu denen auch die politischen Führer wie Angela Merkel und Nicolas Sarkozy gehören, als "Marionetten und Werkzeuge der islamischen Weltgemeinschaft", und droht: "Wir wissen, wer ihr seid, wo ihr wohnt und wir werden euch kriegen. Wenn nicht heute, dann morgen, wenn nicht in zehn Jahren, dann in 50 Jahren."

Bis 2083 sei der Krieg gewonnen, prophezeit er. Und dann schiebt der Massenmörder seinen Opfern auch noch die Schuld an seinem Verbrechen zu: "Wir wollten das nicht, aber wir haben keine Wahl mehr."

Was Anders Behring Breivik motiviert hat, sich selbst zum Vertreter einer angeblichen Mehrheit der Europäer aufzuschwingen, ist unklar. Breiviks "Wir" gibt es nur in seiner Phantasie. Vieles spricht allerdings dafür, dass er sich bestätigt und bestärkt fühlte durch die antiislamische Hetze, den Rassismus und den Nationalismus diverser Parteien, Organisationen und Gruppierungen in Europa. Was noch dahintersteckt, werden weitere Untersuchungen der Ermittler, Gerichte - und Psychiater - zeigen.