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Coronavirus in den USA:55 000 Neuinfektionen an einem Tag

US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus

US-Präsident Donald Trump schwingt bei einer Veranstaltung im Weißen Haus am 2. Juli einen Baseballschläger.

(Foto: imago images/MediaPunch)

Verdoppelt, verdreifacht, verfünffacht: In den meisten US-Bundesstaaten steigt die Zahl der Infektionen rapide. Viele Gouverneure nehmen Lockerungen zurück, sperren Strände oder führen eine Maskenpflicht ein. Nur der Präsident gibt sich gelassen. Er hat seine eigene Erklärung für den Anstieg.

In der Corona-Pandemie ist in den USA keine Entspannung abzusehen. Innerhalb eines Tages sind in dem Land 55 000 Neuinfektionen nachgewiesen worden - die Hälfte davon in Arizona, Kalifornien, Florida und Texas. In 36 der 50 US-Bundesstaaten nahm der prozentuale Anteil positiver Tests zu. In den vergangenen zwei Wochen verdoppelte sich die Zahl der Neuinfektionen in Georgia, Kansas, Montana, Michigan, Missouri, Tennessee, Mississippi, South Carolina und Ohio. In Nevada verdreifachte sie sich, in Idaho verfünffachte sie sich sogar.

"Was wir gesehen haben, ist eine sehr beunruhigende Woche", sagte Anthony Fauci, der Top-Virologe der USA, in einem Livestream der American Medical Association, einer Vertretung von Ärztinnen und Ärzten sowie Medizinstudierenden. Die Entwicklung wird zum Teil der mangelnden Bereitschaft unter US-Bürgerinnen und -Bürgern zugeschrieben, in der Öffentlichkeit Schutzmasken zu tragen. Außerdem halten sie die Abstandsregeln oft nicht ein. Wenn die Menschen sich nicht daran hielten, "werden wir in große Schwierigkeiten kommen", sagte Fauci.

Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sah sich angesichts des Infektionsgeschehens zu einer Kehrtwende gezwungen und ordnete eine weitreichende Maskenpflicht für alle Bezirke mit 20 oder mehr Corona-Fällen an. Damit könne die Ausbreitung des Virus nicht nur verlangsamt, sondern auch die Wirtschaft am Laufen gehalten werden, erklärte Abbott. Er folgte damit der Linie von mehr als einem Dutzend Bundesstaaten. Der Schritt war dennoch bemerkenswert; Abbott hatte zuvor noch gesagt, Einzelpersonen könnten nicht zum Tragen einer Maske verpflichtet werden.

US-Medien zufolge haben mindestens 20 Bundesstaaten aufgrund der rapide steigenden Infektionszahlen die Maßnahmen gebremst, pausiert oder Lockerungen gar zurückgenommen, die die Wirtschaft ankurbeln sollten.

Trump sieht Fortschritte, wo andere vor Rückschlägen warnen

Der Widerstand von US-Präsident Donald Trump gegen die Schutzmaske scheint ungebrochen. Anders als viele andere Politiker zeigt er sich nicht mit Maske in der Öffentlichkeit und begründet dies immer wieder damit, dass er und die Leute um ihn herum stets auf das Virus getestet würden. Erst am Mittwoch äußerte sich der Republikaner skeptisch über eine landesweite Maskenpflicht. Führende Wirtschaftsvertreter appellierten jedoch an das Weiße Haus, es müssten in Zusammenarbeit mit den Gouverneuren Regelungen für das verpflichtende Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ausgearbeitet werden.

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Den rasanten Anstieg der Fallzahlen erklärt sich Trump damit, dass in den USA besonders viel getestet würde - was großartige Neuigkeiten seien. Mit dieser Hypothese steht der Präsident allerdings ziemlich allein da. Er gibt sich trotz der besorgniserregenden Zahlen sicher, dass die Ausbreitung des Virus bald nachlasse. Fox Business hatte er am Mittwoch gesagt: "Ich denke irgendwann wird es irgendwie einfach verschwinden, hoffe ich." Er legte seinen Fokus auf den Arbeitsmarkt, der sich im Juni den zweiten Monat in Folge erholte. Die Arbeitslosenquote fiel vorerst auf 11,1 Prozent. Bislang liegt die Zahl der Empfänger von Arbeitslosenhilfe weiter bei 19 Millionen.

Feier zum Unabhängigkeitstag mit umstrittenem Feuerwerk

Der US-Präsident soll sich am Freitag auf den Weg nach South Dakota machen, wo er am berühmten Präsidenten-Denkmal von Mount Rushmore an den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag inklusive umstrittenem Feuerwerk teilnimmt. Gouverneurin Kristi Noem hatte die Menschen zum Kommen aufgerufen und gesagt, dass Masken verteilt würden, aber nicht verpflichtend seien. Zur Feier der Unabhängigkeit am 4. Juli sind vielerorts Feste geplant. Viele Gemeinden strichen jedoch Feuerwerke, zu denen sich große Menschenmengen angesammelt hätten. Strände in Kalifornien und Florida wurden gesperrt. Neben Florida machten auch Kalifornien, Texas, Arizona und andere Bundesstaaten Bars, Restaurants, Kinos, Strände und Schwimmbäder wieder dicht.

Insgesamt wurden in den USA seit Beginn der Pandemie mehr als 2,7 Millionen Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen, wie aus Daten der Johns Hopkins University hervorgeht. Fast 130 000 Menschen starben nach einer Erkrankung mit Covid-19. Es ist im weltweiten Vergleich die höchste Zahl.

© SZ.de/ap/jsa/mcs
People protest mask mandates in Austin, Texas

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Von Christian Zaschke, New York

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