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Coronavirus:Altenheime sind dem Virus schutzlos ausgeliefert

Coronavirus - Magdeburg

Ein Mitarbeiter des Sozialministeriums Sachsen-Anhalt stapelt eingelagerte Kartons mit Atemmasken, Test-Kits und OP-Handschuhen.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)
  • In deutschen Pflegeheimen werden immer mehr Corona-Infektionen gemeldet.
  • Experten und Betroffene fordern stärkere Anstrengungen der Politik, für eine angemessene Ausstattung in der Altenpflege zu sorgen.
  • Schutzausrüstung wie etwa Atemschutzmasken ist für Pflegepersonal vielerorts kaum zu bekommen.

Der Mangel an Schutzausrüstung macht sich in der Altenpflege immer stärker bemerkbar. Angesichts einer ansteigenden Zahl von Corona-Krankheitsfällen in Alten- und Pflegeheimen fordern Patientenschützer, Pflegeheimbetreiber und Verbände von Pflegekräften daher unisono weitaus stärkere Anstrengungen der Politik, für eine angemessene Ausstattung in der Altenpflege zu sorgen. "Die Pflegeeinrichtungen müssen stärker in den Fokus gerückt werden", sagte der Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP), Friedhelm Fiedler, der Süddeutschen Zeitung.

Auch andere Verbände sehen sich im Hintertreffen gegenüber Ärzten und Kliniken. "Dort, wo potenzielle Krankenhausfälle verhindert werden können - in der ambulanten und stationären Langzeitpflege - lässt man die Pflegenden allein und ohne ausreichende Schutzausstattung", kritisiert der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Die Ängste der Altenheimbewohner, ihrer Angehörigen und der Pflegekräfte waren zuletzt angesichts zahlreicher Todesfälle in einem Würzburger Altenheim stark gestiegen. Dort sind zehn Menschen nach einer Corona-Infektion gestorben.

Die Pflegeunternehmen bemühten sich "überall, beim Katastrophenschutz, bei der Bundeswehr, auf dem freien Markt", Schutzmaterial zu erstehen, sagt AGVP-Vizepräsident Fiedler. Doch vor allem Atemschutzmasken seien kaum zu bekommen. Dabei habe der Präsident des Robert-Koch-Instituts die Pflegeheime ausdrücklich aufgefordert, dass ihre Mitarbeiter Schutzmasken tragen sollen. Doch woher nehmen? "Früher bekamen Sie solche Masken für winzige Beträge, heute kosten sie bis zu fünf Euro oder mehr."

Zudem seien Riesenkontingente an Schutzmasken offenbar auf dem Transportweg verschwunden. Die daraus folgende "Preisexplosion" zu stoppen, ist laut Fiedler Aufgabe der Politik. Er sieht Bund und Länder in der Pflicht, die Pflegebetriebe zu unterstützen. "Wir fordern mit Nachdruck eine bessere und schnellere Versorgung mit Atemmasken und Schutzanzügen." Der AGVP vertritt die privatwirtschaftlichen Unternehmen in der Pflege.

Auch bei der Volkssolidarität, einem der größten Träger im Bereich ambulantes Wohnen für ältere Menschen in den ostdeutschen Bundesländern, wird die Verknappung beklagt. Präsident Wolfram Friedersdorff warnte, wenn Pflegerinnen und Pfleger nicht ausreichend geschützt seien, gefährde dies sowohl das betreuende Personal als auch die betreuten Personen.

Dem müsse durch eine entsprechende Berücksichtigung der Altenpflege bei der Verteilung von Schutzausrüstung Rechnung getragen werden. Dass man von offizieller Seite auf Nachfrage keine konkrete Unterstützung, sondern Anleitungen zur Herstellung von improvisierten Atemschutzmasken aus Stofftüchern erhalte, sei ein handfester Skandal.

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