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Immunitätsausweis:Spahns Plan ist zu simpel gedacht

Spahn während der Vorstellung seiner Pläne am Mittwoch.

(Foto: AFP)

Wer welche Krankheit hat, geht bisher nur Arzt oder Patienten etwas an. So sollte es auch in der Corona-Krise bleiben.

Kommentar von Kristiana Ludwig, Berlin

Ein Gedanke, wie ihn Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) formuliert hat, mag pragmatisch sein: Wer eine Corona-Infektion überstanden hat, kann wieder gefahrlos arbeiten und vor allem gefahrlos helfen. Für Ärzte oder Polizisten wäre eine solche Erkenntnis besonders wichtig. Doch warum dann kein Testverfahren genügt, das lediglich den systemrelevanten Berufen dient, warum es gleich ein Immunitätsdokument für die ganze Bevölkerung sein soll - das lässt sich nur durch einen zweiten Gedanken erklären. Auf diese Weise könnte man den Bürgern wieder Schritt für Schritt erlauben, sich zu treffen und zu konsumieren. Ein Einkaufsbummel in der überfüllten Innenstadt? Mit Immunitätspass kein Problem. Ein Besuch im Konzerthaus? Wer immun ist, der kann das.

Das Bild, das durch eine solche Zukunftsvision entsteht, ist erschreckend. Nicht nur, weil es die Gesellschaft spaltete in jene, die es hinter sich haben, und jene, die noch auf ihre Freiheiten verzichten müssen. Sondern auch, weil der hier gesetzte Anreiz fatal ist: Wenn ein Immunitätspass zum Freifahrtschein wird, werden sich viele Menschen bewusst anstecken wollen. Das aber widerspricht der bisherigen Strategie, die Pandemie so stark wie möglich zu verlangsamen.

Nicht zuletzt birgt ein digitaler Immunitätsausweis auch ein Datenschutzproblem. Wer welche Krankheit hat, geht bisher nur Arzt oder Patienten etwas an. So sollte es auch während der Corona-Krise bleiben.

© SZ vom 30.04.2020/bix
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