Pandemie:Zeit für neue Maßstäbe

Coronavirus - Intensivstation

Ein Intensivpfleger arbeitet bei einer an Covid-19 erkrankten Patientin.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Warum die Deutsche Krankenhausgesellschaft empfiehlt, weitere Pandemie-Maßnahmen an zwölf Kennzahlen auszurichten statt nur an der Inzidenz.

Von Marlene Weiß

Mit zunehmender Impfquote verändert sich die Rolle der Inzidenz. Aber welche Größen können sie ergänzen? Dazu hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) am Samstag ein Konzept vorgestellt. Demnach sollen der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz in einer Tabelle elf weitere Indikatoren zur Seite gestellt werden, die zusammen die drei Bereiche Infektionslage und Testungen, Impfungen und Hospitalisierung abdecken sollen. Zudem soll jede dieser Kennzahlen nicht nur insgesamt, sondern auch aufgeschlüsselt nach fünf Altersgruppen angegeben werden: Kinder unter zwölf Jahren, Jugendliche, junge Erwachsene bis 35 Jahre, 36- bis 65-Jährige und über 65-Jährige. In einem weiteren Schritt sollten die Indikatoren dann mit wissenschaftlich fundierten Schwellenwerten für ein Ampelsystem verbunden werden, schlägt die DKG vor.

Impfstatus-Daten sollen zeigen, wann eine dritte Impfung nötig wird

Im Bereich "Infektionslage" führt die DKG neben der Inzidenz deren Entwicklung und den Anteil positiver Tests auf. Im Bereich "Impfungen" sollen Impfquote und Impffortschritt ermittelt werden. Am detailreichsten ist der Bereich "Hospitalisierung": Verzeichnet werden tägliche Neuzugänge von Covid-19-Patienten in Krankenhäusern sowie jeweils separat für alle Stationen und nur für die Intensivstationen die Gesamtzahl der Covid-Patienten, der Anteil jener mit vollständigem Impfschutz und die Belegung im Wochenvergleich. Die Zahlen zum Impfstatus sollen dabei etwa Hinweise darauf geben, wann eine dritte Impfung bei Älteren nötig sein könnte.

Eine Strategie niedriger Inzidenzen könnte trotzdem weiter angebracht sein

"Aus unserer Sicht ist es zwingend erforderlich, diese Kennzahlen transparent und öffentlich darzustellen, um die notwendige Akzeptanz für bevorstehende politische Entscheidungen zu erreichen", sagte der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß. "Allein die Inzidenz noch als Maßgabe dafür zu nehmen, wann Beschränkungen von Grundrechten im Herbst erfolgen könnten, ist absolut nicht mehr ausreichend." Alle geforderten Kennzahlen lägen Gesundheitsämtern oder dem Robert-Koch-Institut (RKI) bereits vor.

Seit dem 13. Juli müssen die Krankenhäuser weitere Daten wie Alter und Impfstatus der Covid-Patienten erheben und melden. Da besonders gefährdete Gruppen bereits zum großen Teil durch die Impfung geschützt sind, führen auch recht hohe Infektionszahlen nicht mehr umgehend zu einer Überlastung der Krankenhäuser. RKI-Präsident Lothar Wieler plädierte kürzlich angesichts der vierten Welle jedoch weiter für eine Strategie niedriger Inzidenzen. Laut einer RKI-Modellrechnung könnten die Intensivstationen bei einer Impfquote von 65 Prozent sonst im Herbst und Winter erneut überlastet werden.

© SZ/kia
Zur SZ-Startseite
Demonstration gegen die Corona-Einschränkungen - München

SZ PlusMeinungCorona-Impfung
:Freiheit für alle

Jeder und jede muss frei entscheiden können, sich impfen zu lassen oder nicht. Wer sich nicht impfen lässt, muss aber mit den Konsequenzen leben.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB