bedeckt München 30°

Coronavirus:Hongkong riegelt Großteil der Grenzübergänge nach China ab

Hong Kong Chief Executive Carrie Lam speaks during a news conference, in Hong Kong

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam beugt sich dem Druck der Demonstranten und kündigt am Montag weitere Grenzschließungen an.

(Foto: REUTERS)
  • Hongkong schließt zehn von 13 Grenzübergängen nach Festlandchina.
  • Zuvor hatten Krankenhausmitarbeiter ihre Arbeit niedergelegt, um für eine Schließung aller Grenzübergänge zu demonstrieren.
  • Laut Angaben der Gewerkschaft nahmen am Montag bereits 2400 Mitglieder an dem Ausstand teil.
  • Der Streik soll fünf Tage dauern. Das Personal fürchtet eine Überforderung durch den Zustrom von Patienten.

Die Finanzmetropole Hongkong riegelt einen Großteil der Grenzübergänge zum chinesischen Festland ab, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Zehn von 13 Grenzübergängen würden geschlossen, teilte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam mit. Geöffnet bleiben sollen nur der Flughafen, die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke sowie die Shenzhen-Bay-Brücke.

Damit reagiert Lam auf den hohen öffentlichen Druck, der seit Tagen auf ihr lastet. Am Montag hatten Tausende medizinische Facharbeiter in Hongkong ihre Arbeit niedergelegt, um für die Schließung der Grenzen zu Festlandchina zu demonstrieren. Nach Angaben der Krankenhausgewerkschaft Hospital Authority Employees Alliance nahmen am Mittag bereits mehr als 2400 Mitglieder an dem Streik teil. Der Ausstand soll fünf Tage dauern und bis zu 9000 Teilnehmer auf die Straße bringen. Regierungschefin Lam forderte die Einwohner laut South China Morning Post auf, die Proteste einzustellen. Zugleich erklärte sie, die Maßnahmen entsprächen der bisherigen Regierungsstrategie und hätten nichts mit dem Gewerkschaftsstreik zu tun.

Die Krankenhausgesellschaft fürchtet eine Ausbreitung des in China ausgebrochenen Coronavirus. Das Gesundheitssystem werde "bald völlig ausgelaugt sein, da weiterhin ein endloser Strom" von Menschen, die keine Einwohner Hongkongs seien, in die Stadt komme, um medizinisch behandelt zu werden, warnte die Gewerkschaft. In Hongkong wurden bislang 15 Coronavirus-Fälle gemeldet.

Der grenzüberschreitende Zug- und Fährenverkehr ist bereits ausgesetzt. Verhandlungen über weitere Grenzschließungen, wie sie die Krankenhausgewerkschaft forderte, waren gescheitert, weil Lam nicht an den Gesprächen teilnehmen wollte.

Notfälle würden weiterhin normal behandelt, so ein Behördensprecher

Die Krankenhausbehörde teilte mit, dass Notfälle auch weiterhin normal behandelt würden. Ein Sprecher erklärte im lokalen Radiosender, man habe ein Kontrollzentrum eingerichtet, um die Lage zu überwachen. Die Auswirkungen auf die Rettungsdienste schienen am Montag begrenzt zu sein.

In China ist die Zahl der Toten und Infizierten durch das neuartige Virus unterdessen erneut stark gestiegen. 361 Menschen seien in der Volksrepublik bisher daran gestorben, die Zahl der Infizierten nahm innerhalb von 24 Stunden um 2829 zu und beläuft sich auf 17 205 Fälle, wie die chinesische Gesundheitskommission am Montagmorgen (Ortszeit) mitteilte.

Die Regierung wirft einigen Ländern vor, im Zusammenhang mit dem Coronavirus überzureagieren. Das gelte vor allem für die USA, erklärte das Außenministerium in Peking. Die Regierung in Washington habe China keine substanzielle Hilfe angeboten, sondern vielmehr ununterbrochen Panik verbreitet. China hoffe, dass die Länder vernünftig, besonnen und auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse reagierten.

Innerhalb von zehn Tagen stellte China in Wuhan, wo das Virus ausgebrochen war, ein Krankenhaus mit 1000 Betten für Infizierte fertig. Es eröffnete am Montag. Ein zweites mit 1500 Betten soll kurz darauf öffnen. Schulen in der Provinz Hubei bleiben nach den Feiertagen zum chinesischen Neujahr weiterhin geschlossen. In der ostchinesischen Stadt Wenzhou wurden die Vorsichtsmaßnahmen angezogen: Nur einem Familienmitglied wurde erlaubt, jeden zweiten Tag das Haus zu verlassen, um Lebensmittel einzukaufen. Auch in Huanggang wurden am Samstag ähnliche Maßnahmen eingeführt.

© SZ.de/dpa/BLO/rtr/thba/mkoh
Coronavirus - Indonesien

SZ Plus
Coronavirus
:Zwischen Rassismus und Hysterie

Während in Europa alte Ressentiments wieder aufbrechen, spaltet das Virus Gesellschaften, die schon vorher mit ethnischen Spannungen zu kämpfen hatten.

Von Lea Deuber, Peking, Nadia Pantel, Paris, und Arne Perras, Singapur

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite