bedeckt München 31°

Corona-Tests:Zwang ist legitim

Coronavirus: Reisende am Flughafen von Paris

Covid-19 Tests am Flughafen Charles de Gaulle in Paris Roissy, Frankreich.

(Foto: Alexis Sciard/IP3press/imago images)

Eine Test-Verpflichtung für Reiserückkehrer ist trotz des unbestreitbaren Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte richtig. Sie kann die Allgemeinheit schützen und ein deutliches Signal setzen.

Kommentar von Christina Berndt

Es ist wieder einiges los an der Covid-19-Front, die Zahl der Infizierten ist in den vergangenen Tagen erheblich gestiegen. Das war so vorhersehbar, wie es beunruhigend ist. Auch wenn manche Leute das Gefühl haben, Corona sei vorbei, zeigen die Neuinfektionen unmissverständlich: Das Virus wartet nur - auf die Fehler der Menschen.

Und Fehler werden derzeit jede Menge gemacht, gerade auch von Urlaubern. Deshalb ist es richtig, Rückkehrer aus besonders gefährdeten Gebieten zum Schutz der Gesamtbevölkerung genau in Augenschein zu nehmen, auch unter Zwang.

Zurückgekehrte Urlauber machen - neben den Arbeitern in manchen Branchen - einen zunehmenden Anteil an den Neuinfizierten aus, mittlerweile sind es zehn Prozent. Sie bringen das Virus aus den Ferien mit - manche, obwohl sie sich sehr vorsichtig verhalten; andere weil sie in engen Flugzeugen mit vielen anderen Reisenden zusammensitzen oder weil sie fernab der Alltagssorgen die Pandemie vergessen. Die Gefahr wächst, wenn Urlauber ausgerechnet jene Länder besuchen, die wegen ihrer hohen Viruslast oder des mäßigen Umgangs mit den Gefahren als Risikogebiete gelten.

Es ist deshalb richtig, dass die Gesundheitsministerkonferenz schon am Freitag allen Reiserückkehrern die Gelegenheit gegeben hat, sich binnen 72 Stunden auf Sars-CoV-2 testen zu lassen. Wer diese Chance ausschlägt und aus einem Risikogebiet zurückkehrt, muss sich zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben.

Risiken nicht nur für die Reisenden selbst

Doch das reicht nicht. Denn es darf bezweifelt werden, dass jene Menschen, die einen Test ablehnen, obwohl sie in einem Risikogebiet geurlaubt haben, in der Mehrheit zu den umsichtigsten Zeitgenossen gehören und sich brav in Quarantäne fügen.

Zweifelsohne mag die Entscheidung für eine Reise in ein Risikogebiet im Einzelfall gute Gründe haben. Die Familie endlich wiederzusehen, alte oder kranke Angehörige zu besuchen oder schmerzendes Fernweh - das sind alles verständliche Gründe, um eine Reise anzutreten und Risiken in Kauf zu nehmen.

Doch es sind Risiken nicht nur für die Reisenden selbst, sondern auch und vor allem für die Allgemeinheit. Jeder einzelne kann eine Kette von Infektionen auslösen, die am Ende solche Menschen trifft, die Covid-19 nicht überleben werden. Eine Verpflichtung zum Test ist deshalb trotz des unbestreitbaren Eingriffs in die Persönlichkeitsrechte legitim, und sie kann die Allgemeinheit schützen und ein deutliches Signal setzen: Der Besuch eines Risikogebiets bedeutet ein Risiko.

Ohne Zweifel: Absolute Sicherheit bietet auch das Testen von Reiserückkehrern nicht. Zum einen ist effektives Testen vor allem an Flug- und Seehäfen möglich; wer mit der Bahn oder mit dem Auto einreist, ist nur schwer zu erfassen. Zum zweiten zeigt ein Test eine sehr kurz zurückliegende Infektion nicht an, deshalb wäre ein Folgetest nach ein paar Tagen ratsam.

Selbst mit der Verpflichtung zum Test bleibt es somit dabei: Ein negatives Ergebnis gibt nur für den Moment Entwarnung. Umsichtiges Verhalten bleibt unverzichtbar. Die Pandemie ist ein Weckruf für die Vernunft der Menschen. Nur mit Verstand und Solidarität wird es gelingen, Covid-19 in Schach zu halten.

© SZ vom 28.07.2020

Coronavirus weltweit
:Kosovos Ministerpräsident Hoti mit Coronavirus infiziert

In dem Balkan-Staat waren die Covid-19-Zahlen zuletzt stark angestiegen - Hotis Regierung wurde vorgeworfen, nicht genug dagegen zu tun. Großbritannien setzt im Kampf gegen die Pandemie auf Schnelltests.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite