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Coronavirus in Deutschland:RKI: Sieben-Tage-Inzidenz steigt deutlich

Coronavirus - Zoo Dresden

Besucher des Dresdner Zoos stehen am Samstag für Corona-Schnelltests vor einem Zelt Schlange. Der Tierpark bietet an den Wochenenden kostenlose Corona-Schnelltests für seine Besucher an.

(Foto: dpa)
  • Laut RKI steigt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz von 120,6 am Samstag auf 129,2.
  • CDU-Chef Armin Laschet will die Impfreihenfolge noch im Frühjahr aufheben.
  • Bundesarbeitsminister Heil will die Corona-Testpflicht für Unternehmen in der nächsten Woche einführen.
  • Die Auslastung der Intensivbetten in Deutschland erreicht den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie.
  • Die aktuellen Meldungen zum Coronavirus weltweit.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 17 855 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 104 neue Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI von Sonntagmorgen hervor. Am Sonntag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Die Zahlen könnten zudem wegen der Schulferien noch nicht mit früheren Werten vergleichbar sein. Vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 12 196 Neuinfektionen und 68 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner lag laut RKI am Samstagmorgen bundesweit bei 129,2. Am Vortag gab das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 120,6 an, vor einer Woche lag sie bei 127. Der Inzidenzwert ist momentan noch mit Vorsicht zu genießen und dürfte wegen weniger Tests und Meldungen über Ostern zu niedrig ausfallen. Das RKI erwartet, dass der Wert im Laufe der kommenden Woche wieder belastbar sein wird.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 2 998 268 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 2 671 200 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 78 353.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Samstag bei 1,02 (Vortag: 0,90). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 102 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert sei wieder deutlich gestiegen, schreibt das RKI.

Laschet will Impfreihenfolge im Frühjahr aufheben

CDU-Chef Armin Laschet unterstützt die Aufhebung der Impfreihenfolge im Frühjahr. "Wenn zum Ende des Frühjahrs die großen Impfstoffmengen kommen, sollten die Impfprioritäten fallen und die Impfungen für alle Menschen geöffnet werden", sagte Laschet in Bild am Sonntag einem Vorabbericht zufolge. "Das wäre ein wichtiger Baustein für die Brücke zu einem Sommer mit viel mehr Freiheit." Die bisherige strenge Impfreihenfolge sei jedoch notwendig gewesen, so Laschet. "Mit der strikten Priorisierung am Anfang haben wir eine Schutzmauer für die Alten und Pflegebedürftigen errichtet. So haben wir unzählige Leben gerettet."

Heil für Einführung der Testpflicht für Unternehmen

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Corona-Testpflicht für Unternehmen in der nächsten Woche einführen. "Wir müssen die Wirtschaft verpflichten, den Beschäftigten unbürokratisch Testangebote zu machen", sagt Heil gegenüber der Bild am Sonntag. Denn Testen schützte die Beschäftigten und halte die Betriebe offen. "Ich will, dass wir das am Dienstag in der Bundesregierung beschließen." Derzeit bekämen 40 Prozent der Beschäftigten keine Testangebote vom Arbeitgeber, erklärte der Minister weiter. Laut Bild am Sonntag plant Heil dafür eine Verschärfung der Arbeitsschutzverordnung. Demnach sollen alle Mitarbeiter, die nicht im Homeoffice sind, das Recht auf einen Corona-Test pro Woche bekommen. Wer viel Kundenkontakt hat oder mit Lebensmitteln arbeitet, soll Anspruch auf zwei Tests pro Woche haben. Eine Bescheinigungspflicht soll es nicht geben. Damit reicht es, wenn der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Selbsttests zur Verfügung stellt. Für Tests mit Zertifikat sollen Kooperationen zwischen den Betrieben und Apotheken, die Schnelltests anbieten, möglich sein.

Intensivstationen auf bisher höchster Auslastung

Die Auslastung der Intensivbetten in Deutschland erreicht nach Angaben des Verbands DGIIN den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie. Zugleich breche das Personal weg, twittert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), Christian Karagiannidis. Es müsse sofort gehandelt werden. "Selbst wenn es zu einem harten Lockdown kommt, steigen die Zahlen weiter für 10-14 Tage."

Bund legt Vorschlag für Corona-Gesetz vor

Die Bundesregierung hat einen Entwurf für das geplante Gesetz mit bundeseinheitlichen Maßnahmen gegen die dritte Coronawelle vorgelegt. Vorgeschlagen werden demnach unter anderem Ausgangsbeschränkungen von 21 Uhr abends bis 5 Uhr morgens. Das geht aus einer Formulierungshilfe mit Stand vom Samstag, 12.50 Uhr, hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und die an die Bundestagsfraktionen und Länder geschickt wurde. Das Gesundheitsministerium bat die Fraktionen nach dpa-Informationen um Anregungen zu dem Entwurf bis Sonntag, 12 Uhr.

Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern sollen den Vorschlägen zufolge strenge Kontaktregeln gelten: Gestattet wären dann nur private Treffen eines Haushaltes mit einer weiteren Person und von maximal fünf Personen; Kinder zählen nicht mit. Für die Ausgangsbeschränkungen könnte es nur wenige Ausnahmen geben, etwa für medizinische Notfälle und den Weg zur Arbeit, nicht aber für abendliche Spaziergänge alleine. Die Öffnung von Läden soll mit Ausnahme von Supermärkten, Drogerien, Apotheken, aber auch Buchhandel, Blumenläden und Gartenmärkten untersagt werden, ebenso Sport in der Gruppe.

Für Schülerinnen und Schüler ist eine Testpflicht vorgesehen. Ab einer Inzidenz von 200 an drei aufeinanderfolgenden Tagen sollen Schulen schließen. Es darf aber eine Notbetreuung geben und Abschlussklassen können von der Schließung ausgenommen werden.

Montgomery prophezeit Triage-Anwendung

Angesichts steigender Patientenzahlen in der dritten Corona-Welle hat der Vorsitzende des Weltärztebundes vor einer Zuspitzung der Lage in den deutschen Krankenhäusern gewarnt. "Wir werden in den Kliniken jetzt eingeholt von den Infektionen, die vor vier Wochen stattgefunden haben", sagte Frank Ulrich Montgomery der Passauer Neuen Presse.

Auch die Triage werde "mit Sicherheit" wieder im Raum stehen. Triage bedeutet, dass Mediziner aufgrund von knappen Ressourcen entscheiden müssen, wem sie zuerst helfen. "Wir waren sehr dankbar, dass sie in den ersten beiden Wellen nicht gebraucht wurde. Es ist vorstellbar, dass es zu Situationen kommt, in denen sie angewendet wird." Es sei deshalb richtig, dass sich die Kliniken auf einen Ansturm einstellen, sagte Montgomery.

Europas größte Uniklinik, die Berliner Charité, hatte angekündigt, in der kommenden Woche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder vermehrt in Covid-19-Bereichen einzusetzen und planbare Eingriffe zurückzufahren.

Bisher 42 Verdachtsfälle von Sinusvenenthrombose nach Astra-Zeneca-Impfung

In Deutschland sind bislang 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astra Zeneca bekannt. Das berichtete das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Freitagabend. Die 42 Fälle der speziellen Form sehr seltener Hirnvenenthrombosen seien bis zum 2. April gemeldet worden, in 23 Fällen sei zusätzlich eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) gemeldet worden.

Mit Ausnahme von sieben Fällen seien Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen gewesen. Allerdings seien Frauen nach den Angaben des Robert-Koch-Instituts auch häufiger als Männer mit dem Produkt geimpft worden. Die Männer seien 24 bis 58 Jahre alt gewesen. Acht Betroffene starben, fünf Frauen und drei Männer, wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtete. Für Frauen zwischen 20 und 59 Jahren seien deutlich mehr Fälle beobachtet worden, als erwartbar gewesen sei. Inzwischen wird der Impfstoff in Deutschland in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren verwendet.

Sieben Fälle einer Sinusvenenthrombose wurden den Angaben zufolge nach Impfung mit dem Biontech-Impfstoff gemeldet, drei Frauen im Alter von 34 bis 81 Jahren und vier Männer im Alter von 81 bis 86 Jahren seien betroffen gewesen. In keinem Fall wurde eine Thrombozytopenie berichtet. Die Zahl der gemeldeten Fälle sei jedoch unter Berücksichtigung der verimpften Dosen im Vergleich zur gewöhnlich erwarteten Zahl dieser Thrombosen nicht erhöht.

Ärzte sowie andere Angehörige der Gesundheitsberufe sollten auf die Anzeichen und Symptome einer Thromboembolie und/oder Thrombozytopenie achten, erklärte das Institut. Die Geimpften sollten bei Symptomen wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen oder anhaltenden Bauchschmerzen sofort einen Arzt aufsuchen. Das Gleiche gelte bei neurologischen Symptomen, wie schweren oder anhaltenden Kopfschmerzen, verschwommenem Sehen oder punktförmigen Hautblutungen. Es lägen keine Daten zum Risiko bei der Zweitimpfung vor.

Bis zum 2. April seien in Deutschland insgesamt rund 14,38 Millionen Impfungen durchgeführt worden. Dem Institut wurden 407 Todesfälle "in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung" gemeldet bei Menschen im Alter zwischen 24 und 102 Jahren. Der Abstand habe zwischen weniger als einer Stunde und 40 Tagen betragen. Bei der überwiegenden Mehrzahl hätten zum Teil multiple Vorerkrankungen bestanden, die vermutlich todesursächlich gewesen seien. In einzelnen Verdachtsfällen seien weitere Informationen angefordert worden.

Ramelow verärgert über Absage von Bund-Länder-Treffen

Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) hat empört auf die Absage der für Montag geplanten Bund-Länder-Konferenz zur Corona-Eindämmung reagiert. "Damit zerstört man das Ansehen der Ministerpräsidentenkonferenz in der Öffentlichkeit. So kann man mit diesem Entscheidungsgremium nicht umgehen", sagte Ramelow. "Das macht mich nur noch fassungslos."

Er habe von der Entscheidung, die vor Ostern vereinbarte nächste Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten ausfallen zu lassen, zunächst nur aus den Medien gehört, sagte der einzige Ministerpräsident, den die Linke stellt. "Wenn wir zur Staffage werden für ein Schauspiel, dass sich offenbar innerhalb der Union abspielt, ist das für die Pandemiebekämpfung ein Bärendienst." Er habe den Verdacht, dass es im unionsgeführten Lager keine gemeinsame Linie mehr gibt. Seit dem Scheitern der Osterruhe sei das Kanzleramt aus seiner Sicht "damit beschäftigt, Unruhe zu stiften".

Auch bei der jetzt im Eilverfahren geplanten Nachschärfung des Infektionsschutzgesetz würden die Bundesländer gebraucht, so Ramelow. "Zu glauben, dass man das gegen die Länder durchsetzen kann, macht keinen Sinn." Thüringens Regierungschef bekräftigte seine Haltung, dass es bei der Pandemie-Bekämpfung bundeseinheitliche Regelungen geben müsse. "Seit Februar schuldet uns das Kanzleramt einen einheitlichen Stufenplan für Deutschland." Thüringen ist seit Monaten das Bundesland mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz bei Corona-Neuinfektionen.

Spahn: "Ich kann mich über manche Äußerung nur wundern"

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet an diesem Freitag bundesweit 25 464 Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden. Intensivmediziner warnen vor einer Überlastung der Krankenhäuser: Steige die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter, könnten mancherorts bald keine freien Intensivbetten mehr zur Verfügung stehen.

Derweil streiten Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder darüber, ob es eine neuerliche Verschärfung der Corona-Maßnahmen geben soll, und wie diese beschlossen werden sollen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich angesichts der Diskussionen irritiert. "Ich kann mich über manche Äußerung nur wundern", sagte Spahn auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Der CDU-Politiker sprach sich für "konsequente und möglichst bundeseinheitliche Maßnahmen" aus, um die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 zu drücken. "Wir diskutieren seit Tagen über das Wie, aber das Was und das Wann wäre wichtiger", sagte Spahn. Er selbst sei im Zweifel für die schnellstmögliche Variante.

"Wenn manche schon die Einschätzung der Lage nicht teilen, dann wird es natürlich schwierig", kritisierte Spahn. Der Bundesgesundheitsminister appelliert dafür, parteipolitische Interessen in der Pandemie-Bekämpfung hintanzustellen: "Ich empfehle uns allen, den Parteienstreit - Wahljahr hin oder her - herunterzufahren und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Bekämpfung der Pandemie."

Die Bürgerinnen und Bürger schätzten den Ernst der Lage realistisch ein und befürworteten strengere Regeln, so Spahn. Es brauche einen Lockdown, um dauerhaft und stabil auf eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 kommen. Dazu sei es notwendig, die Mobilität herunterzufahren, private Treffen einzuschränken und sowohl Kita- und Schulkinder als auch Arbeitnehmer in Betrieben, in denen kein Home-Office möglich ist, zwei Mal die Woche zu testen.

Die an diesem Freitag vom RKI gemeldeten fast 25 000 Corona-Neuinfektionen seien zu viel für das Gesundheitssystem, sagte der Bundesgesundheitsminister. Auch wenn die Zahlen des RKI wegen der Osterfeiertage das Infektionsgeschehen höchstwahrscheinlich nicht akkurat widerspiegeln, zeige sich in den Krankenhäusern, wie ernst die Lage sei.

Auch RKI-Präsident Wieler wies auf die angespannte Lage in den Krankenhäusern hin. Die Intensivstationen füllten sich rasant. Allein in der vergangenen Woche seien 700 Patienten dazugekommen, das sei ein Zuwachs von 20 Prozent. Es sei zu beobachten, dass jüngere Patienten länger auf Intensivstationen blieben als ältere Patienten. Wieler warnte, es gehe bei der Diskussion nicht nur darum, dass Betten oder Geräte belegt seien, sondern auch darum, dass Ärzte und Pflege überlastet seien. Es sei deshalb in der Verantwortung aller, Neuinfektionen zu vermeiden. "Jede Infektion, die wir verhindern, ist ein Erfolg." Dazu bräuchte es einen konsequenten Lockdown für zwei bis vier Wochen.

Im Hinblick auf die Aussagekraft der gemeldeten Neuinfektionen rechnet Wieler ab Mitte kommender Woche wieder mit verlässlicheren Daten zur Pandemie. Der RKI-Präsident kritisierte auch die Öffnungspläne einzelner Bundesländer. Diese verhinderten keine Neuinfektionen. "Lockerungen bedeuten, dass Verantwortungsträger die Pandemiebewältigung an den Einzelnen zurückgeben."

Mit Bezug auf die Impfkampagne sagte Bundesgesundheitsminister Spahn, diese sei auf einem guten Weg. Seit dieser Woche seien mehr Impfstoffe verfügbar und seit Beginn der Woche impften auch die Hausärztinnen und Hausärzte mit. Etwa 17 Millionen Dosen seien bereits verimpft, 12,4 Millionen Deutsche haben nach Aussagen Spahns eine Erstimpfung erhalten. Damit wären knapp 15 Prozent der Deutschen bereits zum ersten Mal geimpft. Nach Angaben der Bundesregierung sind am Donnerstag 719 927 Impfdosen verabreicht worden - die höchste Anzahl bisher. Am Tag zuvor waren rund 656 000 Dosen verabreicht worden.

Intensivmediziner unterstreichen Forderung nach hartem Lockdown

Die Intensivmediziner in Deutschland fordern einen harten Lockdown von zwei bis drei Wochen, um die weitere Überlastung der Intensivstationen zu verhindern. Aktuell seien 4474 Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern mit Covid-19-Patienten belegt, sagte Gernot Marx, der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Schon jetzt sei - egal, was passiere - nicht mehr abzuwenden, dass die Intensivmediziner bis Ende April mehr als 5000 Patienten zu versorgen haben werden. Wenn nichts geschehe, werde die Zahl der Intensivpatienten höher steigen als während der zweiten Welle. Auf deren Höhepunkt, Anfang Januar, wurden fast 5800 Covid-Fällen auf Intensivstationen erreicht. Derzeit seien nur noch rund 2000 sogenannte High-Care-Betten frei. Diese werden aber nicht nur für Covid-19-Patienten benötigt, sondern auch für andere Notfälle wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Verkehrsunfälle. Die Intensivmediziner in Deutschland fordern einen harten Lockdown von zwei bis drei Wochen, um die weitere Überlastung der Intensivstationen zu verhindern.

Christian Karagiannidis, Leiter des Divi-Intensivregisters, warnte davor, die schwindende Reserve zu unterschätzen. Im Schnitt habe eine Klinik in Deutschland zwölf Intensivbetten. Ein Bett müsste immer frei bleiben, für den unerwarteten Notfall, der jederzeit eintreten könne. Dies entspreche acht Prozent aller Intensivbetten. Wird diese Notfallreserve permanent ausgeschöpft, seien die Kliniken nicht mehr aufnahmefähig.

© SZ.de/dpa/rtr/epd/jsa/jael/aner/bix/dwue/saul/hij/berj/cku
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