Bosnien-Repräsentant Schmidt:"Unsinn, völliger Unsinn"

Lesezeit: 1 min

Bosnien-Repräsentant Schmidt: Christian Schmidt bei einer Rede in Sarajevo

Christian Schmidt bei einer Rede in Sarajevo

(Foto: IMAGO/Armin Durgut/PIXSELL/IMAGO/Pixsell)

Christian Schmidt, CSU-Mitglied und ehemaliger Bundeslandwirtschaftsminister, arbeitet mittlerweile in Osteuropa. Nun macht er mit einem Wutausbruch über dortige Politiker Schlagzeilen.

Der ehemalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat in seinem heutigen Arbeitsgebiet Bosnien-Herzegowina mit einem Wutausbruch für Aufsehen gesorgt. Bei einem Besuch in der Kleinstadt Gorazde polterte der 64-Jährige am Mittwoch in englischer Sprache: "Rubbish, full rubish. I am rid of this." (in etwa: "Unsinn, völliger Unsinn. Ich habe genug davon.")

Schmidt - heute Hoher Repräsentant der Internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina - fuhr fort: "Ich habe diese Situation satt. Jeder gibt jedem die Schuld. Freunde, so kommt man nicht nach Europa!"

Aufnahmen des Auftritts machten im Internet die Runde. Schmidt hatte auf die Frage einer Journalistin reagiert, ob er bereit sei, Änderungen des Wahlgesetzes durchzusetzen, da es keine politische Einigung gebe. Der CSU-Politiker sagte dazu in eher undiplomatischem Ton: "Die Leute hier verdienen es, dass die Politiker, die sie gewählt haben, arbeiten und sich nicht nur beschweren! Das ist das Kernproblem!"

"Täglich begegnen mir seit meinem Amtsantritt individuelle Haltungen gepaart mit Schuldzuweisungen, die andere diskreditieren, um persönliche Vorteile zu generieren" erklärte Schmidt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Ich hoffe, die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Politik endlich wachgerüttelt zu haben. Hier wird ein Stück Zukunft eines Landes im Herzen Europas verspielt, wenn das so weitergeht."

"Südosteuropa leert sich"

Die im Oktober anstehenden Wahlen böten die Gelegenheit, die politischen Blockaden aufzulösen, so Schmidt. Dringend notwendig sei eine Politik, die die Abwanderung junger Menschen verhindere. "Alleine im Jahr 2021 haben etwa 170 000 Bürger Bosnien und Herzegowina den Rücken gekehrt. Davon profitiert die EU; Südosteuropa leert sich jedoch", sagte Schmidt weiter.

Der langjährige CSU-Bundestagsabgeordnete ist seit gut einem Jahr internationaler Repräsentant in der Hauptstadt Sarajevo. Zu seinen Aufgaben gehört die Umsetzung des Dayton-Abkommens von 1995, das den Krieg beendet hatte, durch den sich Bosnien-Herzegowina vom damaligen Jugoslawien abgespalten hatte.

Zur SZ-Startseite

Westbalkan und die EU
:Nur auf halbem Weg nach Europa

In ihrer Hoffnung auf einen EU-Beitritt sind die Menschen in den westlichen Balkanstaaten oft enttäuscht worden. Das hat den Einfluss Moskaus in der Region gestärkt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB