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100 Jahre Kommunistische Partei Chinas:"Eine Mauer aus Stahl"

Mit Kampfjets, Salutschüssen und Massenjubel inszeniert Chinas Führung den 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei. Staats- und Parteichef Xi Jinping betont den absoluten Führungsanspruch der KP - auch über die Grenzen des Landes hinaus.

Von Lea Sahay

Kurz nachdem Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping auf den Balkon getreten war, donnerten chinesische Überschall-Kampfjets über den Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum Pekings. Sie zogen blaue, gelbe und rote Farbstreifen hinter sich her. Militärhubschrauber flogen mit herabhängenden Fahnen über das Tor des Himmlischen Friedens am Eingang zur Verbotenen Stadt. Darauf die Parole: "Lange lebe die Kommunistische Partei".

Die Führung der Partei wohnte den Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei (KP) auf dem Balkon des Tores bei, direkt über dem berühmten Porträt von Mao Zedong. Obwohl auch altgediente Kader darunter waren, stellten einige Fernsehübertragungen aus der Ansammlung zunächst nur eine Person namentlich vor: Xi Jinping. Chinas mächtiger Parteichef trug einen grauen Mao-Anzug, lächelte, als er an das Podium mit goldenem Hammer und Sichel trat. Die Inszenierung erinnerte unweigerlich an Mao Zedongs Auftritt, als dieser 1949 an gleicher Stelle die Volksrepublik China ausrief.

Soldaten feuerten 100 Salutschüsse aus 56 Kanonen, entsprechend der Zahl der offiziell anerkannten Ethnien im Land, während eine Ehrengarde im Stechschritt durch die Menge marschierte. Viele der insgesamt 70 000 Zuschauer - darunter Soldaten, Mitarbeiter von Staatsunternehmen und Schüler - schwenkten rote Nationalfähnchen, dazu wehten 100 große Nationalflaggen auf dem Platz. Parteimitglieder legten während der sorgsam inszenierten Feier ihren Parteischwur ab. Dazu spielte eine Militärkapelle Parteilieder. Eine Maske trug keiner der Teilnehmer, auch Abstand wurde nicht gehalten. Nur der wolkenbedeckte Himmel störte am Donnerstag die pompösen Feierlichkeiten.

Monatelang wurde die Geburtstagsfeier vorbereitet. Für die Kommunistische Partei ist es das zentrale politische Ereignis dieses Jahrzehnts. In einer mehr als einstündigen Rede machte Parteichef Xi Jinping den absoluten Führungsanspruch der KP deutlich. Diese hätte Millionen Menschen aus der Armut befreit und auch zur Entwicklung der Welt bedeutend beigetragen. Unumkehrbar sei der Aufstieg Chinas zur Weltmacht, sagte Xi. "Die Wiedergeburt der chinesischen Nation" sei aber nur mit der KP möglich. "Chinas Erfolg hängt von der Partei ab", sagt der Parteichef, ohne die vielen grausamen Ereignisse der 100-jährigen Parteigeschichte zu erwähnen, die Millionen Menschen im vergangenen Jahrhundert das Leben kosteten.

Begehrlichkeiten gegenüber Taiwan

Deutliche Worte richtete Chinas mächtiger Staatschef auch ans Ausland. Einerseits betonte er zwar, dass China keine aggressiven Absichten hege. Darauf folgten aber deutlich nationalistischere Töne. Niemals werde das chinesische Volk zulassen, dass ausländische Kräfte es tyrannisierten, unterdrückten oder versklavten. Diese Zeit sei "für immer vorbei". Jeder, der das versuche, "wird sich auf einem Kollisionskurs mit einer großen Mauer aus Stahl finden, geformt aus dem Fleisch und Blut von 1,4 Milliarden Chinesen". Wörtlich hieß es, wer dies wage, dem werde "der Kopf blutig geschlagen". Ohne die Vereinigten Staaten direkt zu erwähnen, stellte Xi klar: "Wir werden niemals scheinheilige Predigten von jenen akzeptieren, die glauben, sie hätten das Recht, uns zu belehren." Die Rede wurde immer wieder vom lauten Jubel der Zuschauer unterbrochen.

Xi bekräftigte auch das chinesische Vorgehen in Hongkong und die Umsetzung des Staatssicherheitsgesetzes in der früheren britischen Kronkolonie, das faktisch das Ende ihrer Teilautonomie bedeutet. Am Donnerstag jährte sich dort zum 24. Mal der Tag der Übergabe an China. Normalerweise gibt es zu diesem Datum jedes Jahr Proteste in der Stadt. Zum zweiten Mal in Folge blockierten am Donnerstag aber vor allem Polizisten die Straßen, um Demonstrationen zu verhindern. Angeblich aus Pandemiegründen waren Kundgebungen nicht erlaubt.

In seiner Rede am Donnerstag wiederholte Parteichef Xi Jinping auch seine Begehrlichkeiten gegenüber dem Inselstaat Taiwan. Auch wenn die Demokratie vor Chinas Küste nie zur Volksrepublik gehört hat, erhebt die Kommunistische Partei Anspruch auf das Land mit rund 24 Millionen Einwohnern. Xi sprach am Donnerstag zwar von einer "friedlichen Wiedervereinigung".

"Die Verwirklichung der vollständigen Wiedervereinigung des Mutterlandes" sei eine der "unbeirrbaren historischen Aufgaben" der KP und das gemeinsame Bestreben des gesamten chinesischen Volkes. "Alle Söhne und Töchter Chinas, einschließlich der Landsleute auf beiden Seiten der Straße von Taiwan, müssen zusammenarbeiten und solidarisch vorgehen, indem sie jegliche Pläne einer Unabhängigkeit von Taiwan entschlossen zerschlagen." Unverhohlen drohte er, dass niemand die Zielstrebigkeit und die starke Fähigkeit des chinesischen Volkes unterschätzen sollte, die nationale Souveränität und die territoriale Integrität zu verteidigen.

© SZ/dpa/rtr/vgr
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