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CDU und SPD nach der Saarland-Wahl:Strahlende Siegerin mit gedemütigtem Juniorpartner

Die CDU hat gewonnen. Annegret Kramp-Karrenbauer hat alles richtig gemacht und einen deutlichen Sieg eingefahren. Sie wird aller Voraussicht nach erneut Ministerpräsidentin. SPD-Mann Heiko Maas bleibt nur die Rolle des Juniorpartners und die Erkenntnis, dass die Saarländer ihn selbst dann nicht zum Regierungschef wählen, wenn die äußeren Bedingungen beinahe optimal sind.

Jetzt ist sie die Heldin. Jetzt hat sie alles richtig gemacht. Jetzt spricht einer ihrer engsten Mitarbeiter vom "besten Plakat aller Zeiten", nämlich dem, das zu Beginn der Kampagne intern besonders umstritten war: eine Frontalaufnahme, auf der sie ziemlich hart erschien. Jetzt kann sie es ja aussprechen, was sie all die Wochen empfand: "Hoffnung", sagt Annegret Kramp-Karrenbauer. Nicht Zuversicht.

Der Wahlkampf hatte ganz generell nicht gut begonnen für sie. Als sie am Dreikönigstag die Koalition mit der FDP und den Grünen aufkündigte, wurde ja auch das Scheitern dieses Experiments offenbar - und mit dem Makel des Gescheiterten hat man es normalerweise schwer in einem Wahlkampf.

Die CDU lag in den Umfragen lange hinter der SPD, nicht deutlich, aber es war ein Rückstand, und das, nachdem sie bei der Wahl 2009 noch um zehn Prozentpunkte vorne gelegen war. Würde Annegret Kramp-Karrenbauer, die von sich selbst sagt, ein auf Sicherheit bedachter Mensch zu sein - würde diese Frau als jene Politikerin in die Geschichte der saarländischen CDU eingehen, die nach einem halben Jahr ihr Amt verzockt hat?

Sie ist ein ganz anderer Typ als ihr Vorgänger. Peter Müller war ein Ministerpräsident, der für Wahlkämpfe wie geboren war. Mit dröhnendem Lachen zog er durch die Fußgängerzonen und über Volksfeste, keine Schulter war vor seiner Pranke sicher.

Bei der CDU: Halle voll - bei der SPD: noch freie Plätze

Kramp-Karrenbauer dagegen? Bei einem ihrer letzten Wahlkampfeinsätze am Samstag durchmaß sie die Saarbrücker Fußgängerzone in knapp 30 Minuten, Müller hätte sich dafür zwei Stunden genommen, mindestens. Mal ging sie auf Leute zu, meistens aber waren es die Leute, die auf sie zukamen - wenn sie sie denn erkannten. Es gab auch die Szene, in der eine Mountain-Bikerin ihr Rad an der Ministerpräsidentin vorbei schob, sich mit einem bestimmten "Vorsicht!" Platz verschaffte, die Ministerpräsidentin sagte "Tschuldigung", die Radlerin nur: "Kein Problem." Annegret Kramp-Karrenbauer geht also, umgeben von einem Tross, durch die Landeshauptstadt - und fällt nicht auf. Wollte man es Parteikollegen verübeln, dass denen da doch ein wenig mulmig war?

Nun sagen sie alle, dass sie gespürt hätten, wie sich die Stimmung in den letzten zehn, vierzehn Tagen gedreht habe. Roland Theis, der Generalsekretär der Saar-CDU, sagt, ihm sei es spätestens nach den Abschlusskundgebungen klar geworden. Bei der CDU - die Halle brechend voll. Bei der SPD - noch freie Plätze. Mit anderen Worten, diese Wahl wurde entschieden wie jede andere auch: darüber, wem es am besten gelingt, zu mobilisieren.

Peter Jacoby ist seit 13 Jahren Finanzminister in dem Bundesland, es gibt vermutlich Jobs, die heiterer sind, aber Jacoby hat ein Gemüt, das nicht zur Verdrießlichkeit neigt. Nun steht er fein lächelnd auf der Wahlparty der CDU und hat eine ziemlich plausible These, warum die CDU besser mobilisieren konnte als die SPD: "Weil wir es waren, die die große Koalition ins Gespräch gebracht haben. Dadurch wurde sie zu einem Projekt, das die Leute mehr mit uns als mit den anderen verbunden haben."