Carles Puigdemont:Die EU warnt vor der Erklärung der Unabhängigkeit

In seiner Rede warf Puigdemont dem König vor, mit seiner Wortwahl nicht zu einer Befriedung des Konflikts beizutragen. In Madrid war zuvor bekannt geworden, dass die Rede Felipes im Detail mit der Regierung unter Mariano Rajoy abgesprochen worden war. In der Tat wiederholte Felipe sinngemäß die unversöhnliche Rede, die Rajoy am Sonntagabend nach dem Referendum gehalten hatte.

Puigdemont dagegen erklärte seine Bereitschaft, mit der Führung in Madrid über Auswege aus der Krise und über Kompromisse zu verhandeln. Nach dem Stand der Dinge aber habe Barcelona keinen Anlass, von seinem Vorhaben abzurücken, einseitig die Unabhängigkeit von Spanien zu erklären. Nicht nur Madrid, sondern auch die EU in Brüssel warnten ihn erneut eindringlich vor diesem Schritt.

Kurz nach der Rede Puigdemonts ließ die spanische Regierung allerdings verlauten, dass sie eine Vermittlung im Streit um die Unabhänigkeit Kataloniens ablehne: "Die Regierung wird über nichts Illegales verhandeln und wird keine Erpressung hinnehmen", erklärte Rajoys Büro. Gespräche werde es erst geben, wenn der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont die Unabhängigkeitsbestrebungen aufgebe.

Parlamentsdebatte am Montag

Für Montag ist die Zusammenkunft des Parlaments in Barcelona vorgesehen. Auf der Tagesordnung steht eine Debatte über das Referendum. Die neomarxistische Oppositionspartei CUP, von deren Unterstützung die Regierungsmehrheit im Parlament abhängt, hat die sofortige Ausrufung der Unabhängigkeit gefordert. Puigdemont aber gab zu verstehen, dass er auch mit Vertretern der EU über eine Lösung beraten möchte.

König Felipe aber, so hieß es in einem Kommentar des katalanischen Fernsehsenders 3/24, habe sich als Brückenbauer in dem Konflikt disqualifiziert. Bei seinen letzten Auftritten in Katalonien, vor allem im Camp Nou, dem Stadion des FC Barcelona, hatte er Pfeifkonzerte über sich ergehen lassen müssen.

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