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Bundeswehr in Afghanistan:Verletzte Soldaten bleiben in Istanbul

Wegen des Flugverbots sind die Soldaten, die an Bord der Maschine von Minister Guttenberg in die Heimat gebracht werden sollten, weiterhin in einer Istanbuler Klinik.

Wegen des Flugverbots in Deutschland sitzen die fünf in Afghanistan verletzten Bundeswehrsoldaten weiter in Istanbul fest. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der mit den Verletzten von Afghanistan nach Istanbul geflogen war, machte sich seinem Ministerium zufolge am Samstagnachmittag auf den Rückweg nach Deutschland. "Der Gesundheitszustand der am Donnerstag in der Nähe der nordafghanischen Stadt Baghlan verletzten Soldaten sei weiterhin "stabil".

Die Deutsche Flugsicherung hat den Luftraum über Deutschland wegen der Vulkanasche aus Island bis auf weiteres gesperrt. Die deutschen Soldaten waren in der Nacht zum Samstag an Bord des Minister-Flugzeugs aus Masar-i-Sharif ausgeflogen worden und waren in Istanbul gelandet. Dort wurden sie ins Amerikanische Krankenhaus am Bosporus gebracht. Das Verteidigungsministerium in Berlin machte keine Angaben darüber, ob die Verletzten in Istanbul operiert wurden.

Die Männer waren am Donnerstag bei Gefechten in Nordafghanistan verwundet worden. Die Überführung der vier getöteten Soldaten verschiebt sich ebenfalls wegen der Aschewolke über Europa vermutlich auf Montag. Das Flugzeug, das die Toten und Generalinspekteur Volker Wieker abholen solle, könne wahrscheinlich erst am Sonntag starten, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Die Trauerfeier in Masar-i-Scharif für die Gefallenen werde daher wohl ebenfalls erst am Montag stattfinden.

Afghanistan-Debatte in Deutschland geht weiter

Die politische Diskussion um den Einsatz in Afghanistan geht unterdessen weiter. Als einer der ersten führenden SPD-Politiker hat der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, nach den tödlichen Anschlägen auf die Bundeswehr einen baldigen Abzug der deutschen Soldaten gefordert. "Aus meiner Sicht sollten wir aus Afghanistan so schnell wie nur irgend möglich raus", sagte der SPD-Politiker am Samstag in NDR Info. Der Einsatz dort habe sich gewandelt.

"Es ist Krieg. Das wird ja jetzt auch deutlich beim Namen genannt. Man mag das völkerrechtlich anders einordnen, aber es ist Krieg. Es fallen deutsche Soldaten", sagte Sellering. Er wolle sich nicht daran gewöhnen, und er wolle auch nicht, dass sich die Deutschen daran gewöhnen müssten, Nachrichten von im Kriege gefallenen Soldaten zu hören.

Es müsse der Tatsache Rechnung getragen werden, dass sich der Einsatz gewandelt habe. "Es hat keine Abstimmung darüber gegeben, keine klare Entscheidung in Deutschland, ob wir diesen Krieg führen wollen oder nicht" kritisierte der SPD-Politiker: "Wir sind in einen anderen Einsatz gegangen, der sich jetzt zum Krieg gewandelt hat." Nun müsse diese politische Entscheidung gefällt werden, forderte der Ministerpräsident.

Diese Entscheidung müssten die Deutschen für sich allein treffen, unabhängig von den Diskussionen in den Isaf-Partner-Ländern. Sellering betonte: "Ich möchte diesen Krieg nicht, und ich nehme wahr, dass die Mehrheit der Deutschen ihn auch nicht will."

Dagegen hatte zuletzt der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier trotz der neuen Todesfälle in Afghanistan für eine vorläufige Fortsetzung des Bundeswehr-Einsatzes plädiert. Allerdings sei die Politik verpflichtet, das Engagement und die Dauer des Einsatzes immer wieder zu überdenken, sagte der frühere Außenminister.