Diplomatie:Neuer Rat für die Kanzlerin

Kabinettssitzung

Der ehemalige Richter Jan Hecker war seit 2017 außenpolitischer Berater der Bundeskanzlerin. Sein neuer Arbeitsort ist Peking.

(Foto: Michael Kappeler/picture alliance/dpa)

Kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit verzichtet Angela Merkel vorzeitig auf ihren wichtigsten Berater für die Außenpolitik. Zwei erfahrene Diplomaten sollen die Lücke füllen.

Von Nico Fried, Berlin

Mit dem Debakel in Afghanistan hat Angela Merkel schon gut zu tun, trotzdem sucht die Kanzlerin für ihre letzten Tage im Amt anscheinend noch ein bisschen außenpolitische Arbeit zusätzlich. Bei ihrem Besuch in Kiew verkündete sie am Sonntag, ein weiteres Treffen im sogenannten Normandie-Format anzustreben, mit den Präsidenten Russlands, der Ukraine, Frankreichs und "mit mir". Die Agenda für den Gipfel sollten, so Merkel, "die Berater" ausarbeiten. Klingt einfacher, als es ist.

Denn eigentlich hat Merkel keinen außenpolitischen Berater mehr. Der bisherige Leiter der Abteilung 2 im Kanzleramt, Jan Hecker, hat jüngst seinen neuen Posten als Botschafter in China angetreten. Ursprünglich war vorgesehen, dass Hecker Ende August noch einmal zurückkehrt, um Merkel bis Anfang Oktober weiter zu beraten. Das aber hat die Kanzlerin jetzt anders entschieden: Hecker soll in Peking bleiben, seine Arbeit in Berlin werden sich bis zum Abschied Merkels aus dem Kanzleramt zwei Diplomaten teilen, die schon bisher in der Abteilung für Außenpolitik gearbeitet haben.

Zur Begründung heißt es im Kanzleramt, dass der "Reiseverkehr zwischen Europa und China durch die Entwicklung der pandemischen Lage schwieriger geworden ist". Außerdem sei es der Kanzlerin "unter dem Eindruck jüngster außenpolitischer Entwicklungen wichtig, dass die Leitung der deutschen Botschaft in Peking voll arbeitsfähig ist". Das dürfte sich auf die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan beziehen, die wiederum gute Drähte nach China haben.

Auf der Reise nach Kiew wurde Merkel bereits von Christina Beinhoff begleitet, der bisherigen Stellvertreterin Heckers. Auch Beinhoff hat eigentlich bereits zum 10. August den Posten der Botschafterin in Schweden übernommen, kommt nun aber vorübergehend zurück nach Berlin. Auch der künftige Botschafter in Rumänien, Peer Gebauer, bisher Leiter der Gruppe im Kanzleramt, die sich vor allem mit Subsahara-Afrika und Migrationsfragen beschäftigt hat, verschiebt seinen Amtsantritt in Bukarest. In Stockholm jedenfalls entsteht keine Lücke, weil Beinhoff und ihr Mann sich den Botschafterposten ohnehin in einem Job-Sharing-Modell teilen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB