Bürgerversicherung:Die Union sträubt sich gegen Lauterbachs Pläne

Außerhalb der Partei ist der Widerstand nach wie vor groß. Die Union sträubt sich gegen Lauterbachs Pläne, ihre Gesundheitspolitiker warnen vor einer "Bürgerversicherung durch die Hintertür". Und Ärzteverbände wie Versicherungskonzerne protestieren schon mal präventiv. Als möglichen Kompromiss hat der geschäftsführende CDU-Gesundheitsminister Hermann Gröhe angeboten, Landärzten bessere Honorare zu zahlen, um Praxen in abgelegenen Regionen attraktiver zu machen. Doch Lauterbach ist das nicht genug. Ihm geht es um ein neues System.

"Mein Grundantrieb ist die Frage, welche Krankheiten mit sozialen oder anderen vermeidbaren Ursachen zu tun haben, also diejenigen häufiger treffen, denen es materiell schlechter geht", sagt er. "Diese Ungerechtigkeiten will ich beseitigen." Das darf man ihm schon deshalb abnehmen, weil er so konstant bei seinem Anliegen bleibt. Und weil er das Ansehen des Professors mit eigenem Institut gegen den Status eines einfachen Abgeordneten getauscht hat, ohne bislang über den Posten eines stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden hinauszukommen. "Ich bin in die Politik gegangen, weil ich gemerkt habe, dass die Publikationen, die ich zu diesem Thema früher geschrieben habe, keinen Politiker auch nur im Ansatz interessierten", sagt er.

Lauterbach: "Früher bin ich viel arroganter gewesen"

Unterhalb dieser Ebene allerdings ist Lauterbach durchaus variabel in seinen Positionen und Einschätzungen. Man weiß auch nie so genau, ob es die vielen Studien, die er bei jeder Gelegenheit zitiert, tatsächlich alle gibt - oder ob der jeweils zitierte Beleg nicht doch eher dem Kopf des Professors entsprungen ist. Um der rheinischen Faktenkanonade gewachsen zu sein, muss man tief in der Materie stecken, sonst kann es einem gehen wie vor Jahren Kurt Beck. Als der damalige Parteichef in einer SPD-internen Sitzung das Wort "Gesundheitsfond" auf einen Flipchart schrieb, sagte ihm Lauterbach, er solle erst einmal lernen, wie man Fonds richtig schreibe. Also mit s. Heute sagt Lauterbach, so etwas würde er nicht mehr machen. "Früher bin ich viel arroganter gewesen."

Und wenn es diesmal wieder nichts wird? Wenn er der Bürgerversicherung nicht mal ein Schrittchen näherkommt? Dann wird er wohl trotzdem weitermachen - und die Ergebnisse in seinem Sinn zu deuten wissen. "Eigentlich habe ich die halbe Schlacht um die Bürgerversicherung schon gewonnen", sagt er schon mal vorab. "Schließlich steigen die Mitgliederzahlen bei den privaten Versicherungen nicht mehr." So kann man das auch sehen.

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