Buch über Obamas Kriege:Die psychischen Probleme von Hamid Karsai

"Ich bin damit fertig", habe Obama verärgert festgestellt. "2010 werden wir nicht mehr darüber sprechen, wie mehr getan werden kann", habe Obama seinen Militärs an den Kopf geworfen, so Woodward. "Ich will nicht hören: Wir machen unsere Sache gut, Mr. Präsident, aber es ginge besser, wenn wir mehr tun würden."

Besonders pikant: Nicht einmal Obamas Afghanistan-Beauftragter Holbrooke glaubt an den Erfolg der Strategie. Woodward zitiert ihn mit den Worten: "Das kann nicht funktionieren." Auch Petraeus, so zitiert die Post aus Woodwards Buch, betrachte Obamas Verhalten als Zurückweisung. Man könne den Krieg nicht gewinnen, erklärte Petraeus dem Journalisten eigenen Aussagen zufolge. "Es ist tatsächlich ein wenig wie Irak ... Es gibt natürlich enorme Fortschritte im Irak. Aber es finden dort noch immer furchtbare Angriffe statt und wir müssen wachsam sein. Wir müssen dran bleiben. Das ist die Art von Kampf, den wir für den Rest unseres Lebens führen müssen - und unsere Kinder wahrscheinlich ebenfalls."

Und natürlich hat auch Petraeus große Vorbehalte gegen enge Mitarbeiter Obamas. Mit dessen ranghöchstem Berater, David Axelrod, spreche er nicht gerne, weil er ihn für einen "totalen PR-Mann" ("Spin Doctor") halte.

Psychische Probleme bei Afghanistans Präsident Karsai

Die Strategie der Amerikaner in Afghanistan hängt ab vom Verhalten der Afghanen - doch deren Präsident, so berichtet Woodward, leide an einer bipolaren (manisch-depressiven) Störung und nehme dem US-Botschafter Eikenberry nach seine Medikamente nicht immer.

Und Mike McConnell, oberster Geheimdienstkoordinator, erklärte Obama angeblich, Afghanistans Nachbar Pakistan sei ein unzuverlässiger Partner, der Teile seines Geheimdienstes nicht daran hindern kann oder will, die afghanischen Taliban zu unterstützen.

"Wir müssen den Leuten klarmachen, dass der Krebs Pakistan befallen hat", zitiert die Reporterlegende den US-Präsidenten. Man müsse verhindern, dass sich der Krebs nach Afghanistan ausbreitet. Helfen soll dabei Woodward zufolge eine von der CIA kontrollierte geheime paramilitärische Truppe von 3000 Afghanen, gutausgebildete Elite-Einheiten, die heimlich in Pakistan gegen Kämpfer der al-Qaida und der Taliban vorgehen.

Während das Buch offenbar kein gutes Licht auf die Zusammenarbeit der Mitglieder im National Security Team wirft, "beschreibt es einen professionellen Präsidenten, der seinen Beratern Hausaufgaben aufgab und sich wehrte gegen Versuche der Militärs, ihn zu einer Entscheidung zu zwingen, mit der er sich nicht wohl fühlte", schreibt die New York Times. So kritisch und investigativ Woodwards Buch also zu sein scheint - dramatische Neuigkeiten über die US-Regierung scheint er nicht zu bieten. Und Obama selbst dürfte wenig Grund haben, sich zu beschweren.

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