Briten und Amerikaner Mays Hoffnungen ruhen auf Trump

Die britische Premierministerin wird an diesem Freitag in Washington empfangen. Ihre Absicht: Donald Trump bei Laune zu halten. Sie braucht ihn - und Trump wird das nutzen.

Kommentar von Christian Zaschke

Wenn Theresa May an diesem Freitag in Washington empfangen wird, hat sie Geschenke im Gepäck. Melania Trump erhält einen Picknickkorb, in dem sich Apfelsaft, Marmelade und weiße Schokolade befinden. Für Präsident Donald Trump hat die britische Premierministerin einen gravierten Quaich dabei. Dies ist ein schottisches Trinkgefäß mit zwei Henkeln, das vor allem zum Verzehr von Whisky benutzt wird. Womöglich hatte sich noch nicht bis zu Mays Londoner Amtssitz in der Downing Street herumgesprochen, dass Trump keinen Alkohol trinkt.

Ebendort, in der Downing Street, herrschte zuletzt Verunsicherung, nachdem Barack Obama in seinen letzten Tagen als Präsident gesagt hatte, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sei seine wichtigste Partnerin in Europa gewesen. In London findet man, dass diese Rolle traditionell dem Vereinigten Königreich zufalle. Wieder und wieder haben die Konservativen zuletzt die special relationship beschworen, die besondere Beziehung zu den USA. Es war May daher ausgesprochen wichtig, als erste Regierungschefin nach Trumps Amtseinführung empfangen zu werden.

USA USA und Mexiko: Eskalation im Eiltempo
Grenzmauer

USA und Mexiko: Eskalation im Eiltempo

Neue Runde im Streit um die Grenzmauer: Das Treffen der Präsidenten Trump und Peña Nieto ist abgesagt, das Weiße Haus droht mit einer Importsteuer - und der nächste Konflikt ist bereits abzusehen.   Von Beate Wild, New Orleans

Durch den Austritt aus der EU bekommt die Beziehung zu den USA eine noch größere Bedeutung. Für May ist es essenziell zu zeigen, dass Großbritannien auch nach dem Brexit mächtige Verbündete hat. Deshalb wollte sie rasch nach Washington, und deshalb wird sie dort alles tun, um Trump bei Laune zu halten. Ins Manuskript für ihre erste Rede in den USA hat May geschrieben, die britische Entscheidung für den Brexit und die amerikanische für Trump habe beide Länder erneuert. Sie hätten nun ein gestärktes Selbstbewusstsein und die Pflicht, auf der Weltbühne gemeinsam zu führen.

In diesem Zusammenhang ist es interessant zu wissen, dass May gegen den Brexit war. Und von Trump hat sie vor dessen Wahlsieg auch nicht viel gehalten. May sagt, die enge Beziehung zu den USA zeige die neue Stärke des "globalen Großbritannien", das sie vor gut einer Woche ausgerufen hat. In Wahrheit aber ist selten ein Premier in einer schwächeren Position nach Washington gereist.

Ob der dünnhäutige Trump weiß, wie man in Westminster bis vor Kurzem über ihn gesprochen hat? May nannte einige seiner Äußerungen "polarisierend, nicht förderlich und falsch". Ihre engste Beraterin sprach von Trump stets als einem "chump", einem Dummkopf. Außenminister Boris Johnson nannte Trump einen Ignoranten, andere Tories hatten noch ganz andere Beschreibungen parat, von denen "strohdummer Trottel" zu den freundlicheren gehörte. Noch vor einem Jahr debattierten die Parlamentarier darüber, ob man Trump die Einreise nach Großbritannien verbieten müsse. Auf dieser Basis soll nun also die special relationship erneuert werden.

Theresa May läuft Gefahr, Donald Trumps Schoßhund zu werden

Winston Churchill hat den Begriff 1946 erstmals benutzt. Seither hat die Beziehung einige Krisen überstanden. Dass die Briten 1956 in der Suez-Krise Ägypten angriffen, ohne die Vereinigten Staaten zu informieren, war eine echte Belastung. Dass die USA wiederum 1983 in Grenada einmarschierten, einem Mitglied des Commonwealth, erzürnte Premierministerin Margaret Thatcher sehr. Dennoch gilt ihr freundschaftliches Verhältnis zu Ronald Reagan als beispielhaft für die Verbundenheit zwischen beiden Staaten.

Tony Blair war die special relationship so wichtig, dass er an der Seite George W. Bushs in den Irakkrieg zog, was ihm den Spitznamen "Bushs Pudel" einbrachte. In Washington und in London entstand der Eindruck, dass dies nicht länger eine Beziehung unter ebenbürtigen Partnern sei. Das änderte sich erst wieder, als Barack Obama und David Cameron einen fast lässigen Umgang entwickelten, was sich unter anderem in Bildern ausdrückte, die beide Männer Hotdogs essend bei einem Basketball-Spiel zeigten.

Dass Trump und May Freunde werden, ist nicht sonderlich wahrscheinlich. Hier der impulsive, aufbrausende Präsident, der sich als Macher stilisiert. Dort die wägende, stets prüfende Premierministerin. Als Problem für May könnte sich herausstellen, dass Trump weiß, dass sie ihn braucht. Dieses Wissen wird er in Verhandlungen über ein Handelsabkommen genüsslich zum Einsatz bringen. Doch May hat keine Wahl, durch den Brexit kann sie es sich nicht erlauben, Trump zu verprellen.

Theresa May kann hart und bestimmt sein, und Angst hat sie vor dem Präsidenten sicherlich nicht. Dennoch besteht die sehr reale Möglichkeit, dass sie in Tony Blairs Fußstapfen tritt und zu Trumps Schoßhündchen wird. So oder so ist klar, dass die Beziehung zwischen diesen beiden Politikern eine ganz besondere wird.

Donald Trump Trump-Berater über US-Medien: Ihr seid die Opposition
Neuer US-Präsident

Trump-Berater über US-Medien: Ihr seid die Opposition

Steve Bannon macht klar, dass er Journalisten als Feinde ansieht. Der frühere Breitbart-Chef sagt der "New York Times": "Haltet den Mund und hört zu." Damit positioniert sich Bannon im internen Machtkampf.   Von Matthias Kolb, Washington