Brexit und die Konsequenzen:Die Partei ist überrascht - und die Nachfolge offen

Favoritin ist Innenministerin Theresa May. Sie hat angekündigt, dass sie nicht vorhabe, den Austrittswunsch der Briten vor 2017 in Brüssel zu hinterlegen, was im Lager der Brexit-Befürworter für Unruhe sorgt. Ihre Mitbewerberin Andrea Leadsom hat daher am Montag in ihrer offiziellen Bewerbungsrede bekräftigt, sie werde die Austrittsverhandlungen umgehend einleiten, sollte sie am 9. September als neue Premierministerin feststehen.

Farages Rücktritt bedeutet auch, dass nun drei britische Parteien mehr oder weniger führungslos sind. Die Konservativen werden bis September damit beschäftigt sein, die Nachfolge David Camerons zu regeln. In der Labour-Partei tobt ein erbitterter Streit um den Vorsitzenden Jeremy Corbyn, dem drei Viertel der Abgeordneten das Misstrauen ausgesprochen haben. Am Montag verkündete die Abgeordnete Angela Eagle, sie werden gegen Corbyn antreten, falls dieser sich nicht freiwillig zurückziehe.

Wer künftig den Vorsitz der Ukip übernehmen könnte, ist völlig offen. Farage hat die Partei absolutistisch geführt, sodass unter ihm ein Machtvakuum entstanden ist. Dass er erneut vom Rücktritt zurücktritt, gilt jedoch als unwahrscheinlich. In Teilen der Partei herrscht sogar Freude darüber, den Vorsitzenden nach all den Jahren los zu sein. Douglas Carswell, der bis 2014 Mitglied der Konservativen war, bevor er zur Ukip überlief, hatte sich im Wahlkampf mehrmals von Farage distanziert. Besonders übel stieß ihm ein Plakat auf, das der Chef präsentierte. Darauf waren unter der Überschrift "Die Grenze der Belastbarkeit" syrische Flüchtlinge zu sehen. Es wurde insinuiert, dass all diese Flüchtlinge nach Großbritannien kämen, wenn das Land in der EU bleibe. Carswell ist der einzige Abgeordnete der Ukip im Unterhaus. Ob er jetzt Vorsitzender werden wolle, wurde er gefragt. "Die Chancen darauf liegen zwischen null und nichts", sagte er.

Unmittelbar nach Farages Ankündigung hatte Carswell die Welt via Twitter wissen lassen, was er von dem Rücktritt hält. Seine Nachricht war so kurz wie eindeutig: Sie bestand aus einem Smiley.

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