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Brexit:Labour-Chef verliert fast die Hälfte seines Schattenkabinetts

Jeremy Corbyn

Labour-Chef Jeremy Corbyn muss sich Kritik aus der eigenen Partei gefallen lassen.

(Foto: AP)
  • Unmittelbar nach dem Brexit-Votum steht die Oppositionspartei Labour vor einer Zerreißprobe.
  • Medienberichten zufolge will fast die Hälfte des Schattenkabinetts von Parteichef Corbyn zurücktreten, elf von ihnen haben den Schritt bereits vollzogen.
  • Corbyn hat bereits neue Namen als mögliche Nachfolger genannt.

Zwei Tage nachdem die Briten sich dazu entschieden haben, die Europäische Union zu verlassen, ist in der Oppositionspartei Labour eine Revolte gegen den Vorsitzenden Jeremy Corbyn ausgebrochen. Nach Informationen von BBC und Guardian haben bereits elf Mitglieder seines Schattenkabinetts ihren Rücktritt erklärt. Insgesamt soll die Hälfte der etwa 25 Schattenminister zu diesem Schritt bereit sein. Ziel sei, dass Corbyn das Amt des Parteichefs niederlege. Ihm wird vorgeworfen, er sei für den Brexit mitverantwortlich.

Zunächst hatte der Oppositionsführer in der Nacht zum Sonntag einen prominenten Politiker aus seinem Schattenkabinett gestrichen: Hilary Benn. Corbyn habe "kein Vertrauen" mehr zu ihm, zitierte die BBC einen Parteisprecher. Im Falle eines Wahlerfolgs war Benn als Außenminister vorgesehen. Daraufhin traten zunächst zwei weitere Mitglieder des Schattenkabinetts zurück, Gloria de Piero und Ian Murray.

De Piero war als Schattenministerin unter anderem für Jugendpolitik zuständig, Murray war für Schottland zuständig. Inzwischen sind den beiden einige weitere hochrangige Labour-Politiker gefolgt: Unter anderem Heidi Alexander (Schattenministerin für Gesundheit), Lillian Greenwood (Transport), Lucy Powell (Bildung), Kerry McCarthy (Umwelt), Seema Malhotra (Finanzen), Karl Turner (Justiz) und Charles Falconer (Justiz), Yvonne Fovargue (Verbraucherschutz und Wissenschaft).

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Corbyn: "Ich bin kein Liebhaber der Europäischen Union"

Corbyn soll nach dem Willen der Labour-Politiker die Konsequenzen aus der Brexit-Entscheidung der Briten ziehen. Der Parteichef hatte vor dem Referendum an der Seite von Premierminister David Cameron für den Verbleib in der Europäischen Union geworben.

Wahlanalysen hatten ergeben, dass viele Labour-Hochburgen vor allem in Nordengland für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hatten. Corbyn hatte den Ausstieg aus der EU nur halbherzig bekämpft. Wenige Tage vor dem Referendum sagte er bei einem TV-Auftritt: "Ich bin kein Liebhaber der Europäischen Union", er plädiere aber für "Drinbleiben". Corbyn fügte hinzu: "Wenn wir in der EU bleiben, muss sie sich dramatisch ändern." Beim britischen Referendum über die Mitgliedschaft in der EU-Vorläufer-Organisation, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), hatte Corbyn 1975 für den Austritt gestimmt.

Kritiker werfen ihm vor, die Labour-Stammwählerschaft aus einfachen Arbeitern nicht ausreichend für den Verbleib in der EU mobilisiert zu haben und deshalb für die Niederlage des EU-Lagers beim Referendum am Donnerstag mitverantwortlich zu sein. Zwei Labour-Abgeordnete legten am Samstag bereits einen Misstrauensantrag gegen Corbyn vor.

Corbyn nennt neue Namen für sein Schattenkabinett II

Die Gesundheits-Schattenministerin Heidi Alexander schrieb in einem Brief an Corbyn: "So sehr ich Sie als einen Mann der Prinzipien respektiere, glaube ich nicht, dass Sie die Fähigkeit haben, die Antworten zu finden, die unser Land braucht". Corbyn hat bereits neue Kandidaten für sein Schattenkabinett genannt: Diane Abbott soll demnach Heidi Alexanders Nachfolgerin für Gesundheitsfragen werden. Weitere Namen sind Emily Thornberry als Außenministerin und Pat Glass für das Bildungswesen.

Das Schattenkabinett ist eine Gruppe von Abgeordneten der Opposition im britischen Parlament. Seine Mitglieder fungieren als inoffizielle Kontrolleure zu den tatsächlichen Ministern der Regierung. Im Falle eines Regierungswechsels übernehmen sie oft, aber nicht immer die entsprechenden Ministerposten.

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