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Brexit-Ergebnis:Briten stimmen für den EU-Austritt

Großbritannien verlässt die Europäische Union. Die Brexit-Befürworter setzen sich mit einem Vorsprung von mehr als einer Million Stimmen durch.

Großbritannien verlässt die Europäische Union. 51,9 Prozent der Wähler stimmten für den Austritt. Das antieuropäische Lager hatte mehr als 17 Millionen Stimmen auf sich vereint, und lag damit mit mehr als einer Million Stimmen vor der "Remain"-Kampagne. Am Freitagmorgen kündigte der britische Premierminister David Cameron seinen Rücktritt an. Er werde noch drei Monate im Amt bleiben, sagte Cameron. Austrittsverhandlungen mit der EU sollten anschließend mit einem neuen Premierminister beginnen.

Das britische Pfund stürzte auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren. Am frühen Freitagmorgen fiel die britische Währung erstmals seit 1985 unter die Marke von 1,35 US-Dollar. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,2 Prozent. Die Wahllokale waren bis 22 Uhr geöffnet, das endgültige Endergebnis des Referendums soll am Freitagvormittag in Manchester verkündet werden.

Die Ergebnisse aus den Stimmbezirken zeichnen das Bild eines tief gespaltenen Landes. Der Ausgang des Votums hing lange am seidenen Faden: Umfragen hatten ganz überwiegend ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorausgesagt, zuletzt mit Vorsprung für das "Remain"-Lager. Allerdings gab es erhebliche Unsicherheitsfaktoren: Rund zehn Prozent der Wähler waren bis zuletzt unentschlossen, für welche Seite sie sich entscheiden sollten. Am frühen Freitagmorgen kristallisierte sich der immer deutlichere Vorsprung für die Brexit-Befürworter heraus. Politiker aus der ganzen Welt, der Internationale Währungsfonds (IWF), Wirtschaftsverbände und Banker in London und in Festland-Europa hatten immer wieder vor dem Brexit gewarnt.

Reaktionen auf die Entscheidung

Der Brexit-Wortführer und frühere Bürgermeister von London, Boris Johnson, argumentierte stattdessen, ein Austritt würde Londons Abhängigkeit von Brüssel beenden und dem Land seine Souveränität zurückgeben. Nachdem das Ergebnis des Referendums bekannt wurde, sprach der Anführer der europaskeptischen Ukip, Nigel Farage, von einem "Unabhängigkeitstag" für Großbritannien. Er forderte Premierminister David Cameron auf, zurückzutreten.

In Deutschland wurde die britische Entscheidung mit Unglauben und Enttäuschung aufgenommen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel meldete sich auf Twitter zu Wort. "Damn! Ein schlechter Tag für Europa", schrieb er. "Die Nachrichten aus Großbritannien sind wahrlich ernüchternd", sagte auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Der SPD-Politiker wird am Freitag zu einem EU-Ministertreffen in Luxemburg erwartet, bei dem über die Folgen des Referendums beraten werden soll. Am Samstag kommen in Berlin die Außenminister der sechs EU-Gründerstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien und die Benelux-Länder) zusammen.

Wie es jetzt weitergeht

Großbritannien bleibt zunächst Mitglied der EU, während die Regierung mit Brüssel über die Bedingungen des Austritts und die zukünftigen Beziehungen verhandelt. Das kann mehrere Jahre dauern. Europaparlamentspräsident Martin Schulz wird sich am Freitagmorgen mit den Fraktionschefs im Europäischen Parlament treffen. Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionschef Jean-Claude Juncker kommen zusammen. Vertreter in Brüssel befürchten, dass der Sieg des Brexit-Lagers Populisten in anderen Mitgliedstaaten ermutigen könnte, ähnliche Referenden zu fordern.

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Für Premier Cameron ist das Ergebnis eine schwere Niederlage. Er hat angekündigt, auch nach einem Sieg des Brexit-Lagers im Amt zu bleiben. Beobachter erwarten jedoch, dass schnell weitere Rufe nach seinem Rücktritt laut werden. Seine Konservative Partei und die Regierung waren vor dem Referendum tief gespalten. Prominente Konservative wie Justizminister Michael Gove oder Boris Johnson kämpften für den Austritt. Sie warfen Cameron und dem EU-Lager Lügen und unfaire Tricks vor. Johnson gilt als möglicher Nachfolger des Premiers.