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Anschlag auf dem Breitscheidplatz:BND besitzt bislang unbekanntes Amri-Video

Gedenken an Opfer des Terroranschlags in Berlin 2016

Der Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Hier tötete Anis Amri am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen.

(Foto: dpa)
  • Der BND ist nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR im Besitz eines bislang unbekannten Videos des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri.
  • Darauf droht Amri bereits einige Wochen vor dem Anschlag mit Gewalt.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin vor fast drei Jahren ist ein neues Video aufgetaucht, in dem der Attentäter Anis Amri bereits einige Wochen vor der Tat mit Gewalt drohte. Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR im Besitz dieses Videos.

Das Video ist bislang nicht in die Ermittlungsakte des Bundeskriminalamts (BKA) gelangt, das den Terroranschlag und seine Hintergründe aufklären soll. Dies geschah auf Wunsch eines ausländischen Geheimdienstes. Auch die Untersuchungsausschüsse verschiedener Parlamente, die seit geraumer Zeit an der Aufklärung des Falles arbeiten, haben dieses Video offenbar nicht gezeigt bekommen.

Das Video soll von einem ausländischen Geheimdienst stammen

Die etwa elf Sekunden lange Aufnahme soll im November 2016 entstanden sein, Wochen bevor der Attentäter am 19. Dezember 2016 in Berlin zuschlug, zwölf Menschen tötete und Dutzende verletzte. In dem Video, das wohl mit einem Mobiltelefon aufgenommen wurde, sagt Amri auf Arabisch: "Oh Allah! Diese Schweine, kommen wir zu ihnen, um sie zu enthaupten!" Er hält dabei eine Pistole in der Hand, bei der es sich nach Einschätzung des BND um jene Waffe handeln soll, mit der Amri später einen polnischen Lkw-Fahrer erschoss, um dessen Fahrzeug zu rauben.

Der BND soll das Amri-Video von einem ausländischen Geheimdienst erhalten haben. Um welchen Dienst es sich handelt und wie dieser an die Aufnahme gelangte, dazu wollte sich der BND nicht äußern. Der BND hatte die Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) zwar bereits im März 2017 über die Existenz der Aufnahme informiert. Jedoch erklärten die Agenten damals, die Information dürfe nicht verwendet werden, weil sie von einem ausländischen Geheimdienst stamme, dem man zur Vertraulichkeit verpflichtet sei.

Eine Sprecherin des BND teilte auf Nachfrage mit, dass man sich zu "operativen Aspekten" der Geheidienst-Arbeit und Erkenntnissen "grundsätzlich nur gegenüber der Bundesregierung und den zuständigen geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages" äußere.

Benutzte Amri noch weitere Telefone?

Zu dem Zeitpunkt, als dieses Video aufgenommen wurde, galt Amri den deutschen Behörden nicht mehr als akut gefährlich. Der spätere Attentäter verkehrte zunehmend im Drogenmilieu und besuchte nur noch unregelmäßig die Moschee. Bislang deutet nichts darauf hin, dass deutsche Stellen schon damals die Videoaufnahme von November 2016 kannten.

Die Ermittler der Polizei haben nach der Tat zwei Mobiltelefone von Anis Amri ausgewertet und darauf mehr als 12.000 Dateien sichergestellt. Das besagte Video soll aber nicht dabei gewesen sein. So stellt sich die Frage, ob Amri womöglich noch andere Geräte benutzte, von denen die Ermittler der Polizei bislang nichts wussten.

Bislang war bekannt gewesen, dass Anis Amri ein Bekennervideo auf einer Brücke im Berliner Nordhafen aufgenommen hatte, offenbar zwischen dem 31. Oktober und dem 1. November 2016. Darin hatte Amri dem Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue geschworen und ein Attentat angekündigt. Dieses Video hatte der IS einige Tage nach der Tat im Internet veröffentlicht.

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