Brasilien:Temers Intrige gegen die Präsidentin

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Nach Ansicht seiner politischen Gegner ist Temers Spezialität das Spinnen von Intrigen. Die suspendierte Präsidentin nennt ihn einen "Verräter". Ein Abgeordneter sagte einmal über ihn, er sei der "typische Butler in einem Horrorfilm" - was angesichts wächserner Haut, straff zurückgekämmter, silbriger Haare und schmaler Lippen nicht ganz aus der Luft gegriffen ist.

Für das Image des sinisteren Intriganten spricht die Art, wie der Jurist die Macht in Brasília übernommen hat. Eduardo Cunha, ein mächtiger Parteifreund Temers, brachte unter einem fadenscheinigen Vorwand das Impeachment-Verfahren gegen Rousseff auf den Weg. Sie soll den Haushalt geschönt haben, um damit ihre Wiederwahl 2014 zu sichern. Der Vorwurf reicht nach Ansicht zahlreicher Juristen nicht für eine Amtsenthebung - und ist umso pikanter, da Temers Mitstreiter Cunha vorgeworfen wird, Schmiergelder in Höhe mehrerer Millionen Dollar angenommen zu haben.

Ohne das Impeachment wäre Temer nie Präsident geworden

Als das Verfahren auf den Weg gebracht war, begann Temer, sich immer deutlicher von der Regierungspartnerin zu distanzieren. Klar war: Ohne die Stimmen von seiner Partei PMDB, der stärksten im Parlament, wäre ein Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff nicht zu machen. Ende März ließ Temer dann die Bombe platzen. Der PMDB verkündete den Koalitionsbruch, der Weg für die Amtsenthebung war damit frei.

Nun, da sie vollzogen ist und Temer übernommen hat, jubelt die Wirtschaft. Temer will einige staatliche Maßnahmen der linksgerichteten Rousseff zurückdrehen. Er will die Wirtschaft liberalisieren und das Rentensystem des Landes reformieren. Die brasilianische Börse legte zu seinem Amtsantritt zu.

Durch das Impeachment-Verfahren gegen Rousseff an die Macht zu gelangen, war Temers einzige Chance. In der Bevölkerung ist er unbeliebt. Einer Umfrage zufolge sind 58 Prozent der Brasilianer dafür, auch ihn des Amtes zu entheben. Doch ein solches Verfahren ist nicht in Sicht. Es sieht vielmehr danach aus, als dürfe der neue starke Mann in Brasilien noch die eine oder andere Rede an das Volk halten.

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