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Guido Westerwelle in Afghanistan:Feldzug in eigenem Interesse

Es ist Afghanistan-Saison in der deutschen Politik: Nach der Kanzlerin und dem Verteidigungsminister hat sich auch Guido Westerwelle im Feldlager der Bundeswehr in Kundus gezeigt.

Der Bundesaußenminister ist zu Besuch, und angetreten zur Begrüßung ist ein Fallschirmjäger-Zug aus Seedorf in Niedersachsen. In den nächsten zwei, drei Wochen würden die Männer zurück nach Deutschland verlegt, erfährt Guido Westerwelle, dann muss er ein paar Worte sagen. Er dankt den Soldaten für ihre Arbeit in Afghanistan, die "gefährlich und entbehrungsreich" sei und spricht davon, dass man stolz sei auf sie.

Westerwellen in Kundus

Außenminister Guido Westerwelle im Gespräch mit einem Soldaten: In Kundus betont Westerwelle, dass er 2014 die Sicherheitsverantwortung an die Afghanen übergeben wolle.

(Foto: dpa)

"Jetzt will ich Sie gerne noch fragen, wie Sie die Lage so sehen", sagt Westerwelle. Ob jemand mutig genug sei, hakt der Minister nach, trotz der anwesenden Journalisten. Schweigen. "Das kann ich gut verstehen", teilt Westerwelle mit, dann setze man das Gespräch eben fort, wenn die "Vertreter der vierten Gewalt ihre Arbeit unterbrechen".

Als vor ein paar Wochen die Kanzlerin in hier in Kundus war, da hatte sie sich viel mit Soldaten unterhalten, gerne auch vor Reportern. Westerwelle wusste, dass es Zeit war, sich im deutschen Feldlager zu zeigen. Sich hier unbefangen zu bewegen, versteht Westerwelle aber nicht: Er trägt einen dunklen Anzug und eine violette Krawatte. Westerwelle war als Außenminister bisher dreimal in Afghanistan, in Kundus ist er aber zum ersten Mal.

An diesem Mittwoch will die Bundesregierung die Verlängerung des Einsatzes in Afghanistan beschließen. Am 28. Januar wird darüber im Bundestag abgestimmt. Es ist deshalb Afghanistan-Saison in der deutschen Politik. Vor Weihnachten besuchte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Truppe gleich zwei Mal, einmal an der Seite seiner Gattin, einmal an der Seite der Kanzlerin. Westerwelle ist der jüngste, aber vermutlich nicht der letzte Berliner Besuch vor der Mandatsverlängerung.

Er hoffe auf eine große überparteiliche Mehrheit, sagt Westerwelle. "Ich glaube, dass die Männer und Frauen der Bundeswehr ein Recht darauf haben, dass sie eine große Rückendeckung bekommen vom Parlament", fügt er hinzu. Mit der kann er von Seiten der Opposition auch rechnen, zumindest was die SPD betrifft. Sie hat Zustimmung signalisiert für den Fall, dass ein Beginn des Rückzugs noch 2011 angepeilt wird. Der in der Bundesregierung ausgehandelte Mandatstext nimmt Rücksicht auf diese Forderung, wenn auch verklausuliert. In Kundus spricht Westerwelle von einer "Rückführung des Kontingents" und auch vom Ziel, die "Sicherheitsverantwortung" 2014 vollständig an die Afghanen zu übergeben. Er gibt aber auch zu, wie schwierig die Lage derzeit ist.

Westerwelle in Afghanistan

Guidobild mit Truppe