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BKA bittet in Terror-Ermittlungen um Hinweise:Neonazi-Ermittler setzen auf die Schwarmintelligenz

Wer ist den Zwickauer Terroristen begegnet, hat sie zufällig im Urlaub getroffen oder ihr Wohnmobil gesehen? Das Bundeskriminalamt bittet die Bevölkerung um Informationen. Entsprechende Plakate werden aufgehängt, eine Hotline ist eingerichtet. Es gebe noch zu viele "Lücken", sagt BKA-Chef Ziercke. Einen weiteren Verdächtigen haben seine Ermittler aber dennoch im Visier.

Der vielleicht wichtigste Fahndungshelfer ist rot umrandet, rechteckig und mit dicken Lettern bedruckt. Generalbundesanwalt Harald Range und BKA-Chef Jörg Ziercke nehmen ihn zu Beginn ihrer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen in Karlsruhe demonstrativ in die Mitte. Es ist ein Plakat im Format DIN A2, das bald in der gesamten Republik Bürger um sachdienliche Hinweise bitten soll.

Ziercke und Range wollen damit eine neue Phase einläuten. Die Aufklärung der Morde der Zwickauer Neonazi-Zelle, die seit dem Jahr 2000 mindestens zehn Menschen getötet haben soll, war bisher für die deutschen Behörden eine eher blamable Angelegenheit. Mit der "Öffentlichkeitsfahndung", wie Range sie nennt, soll sich das ändern.

Verdächtiger in der Türkei

"Eine Handvoll Verdächtige" habe man derzeit im Visier, sagt Range. Eine Person sei von besonderem Interesse - sie soll der Gruppe ihre Ausweispapiere überlassen haben und sich derzeit in der Türkei aufhalten. Die Beweisführung sei aber nicht einfach, wenn ein Verdächtiger behaupte, seine Pässe verloren zu haben.

Auf dem Plakat sind die drei Mitglieder der Zwickauer Neonazi-Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund abgebildet: Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die sich ihrer Ergreifung durch die Polizei entzogen hatten. Mundlos erschoss Böhnhardt und richtete sich dann selbst. Und Beate Zschäpe, die in Untersuchungshaft sitzt. Sowie ein Wohnmobil der Marke Chausson auf Basis eines Fiat Ducato.

Ostsee als beliebtes Ziel

Wer die abgebildeten Personen, ihre Kontaktpersonen oder ihr Wohmobil gesehen habe, möge sich bitte an das Bundeskriminalamt wenden, appelliert Behördenchef Ziercke. Auch andere Fahrzeuge wie Pkw und Fahrräder seien interessant. Zudem erhoffe sich das BKA Informationen darüber, wo das Trio Fahrzeuge gemietet habe. Bisher sei es gelungen, 56 Fahrzeuganmietungen nachzuvollziehen, davon ein Drittel Wohnmobile. Etliche Mietzeiträume passten mit Tatzeitpunkten zusammen. Orte an der Ostsee seien offenbar ein bevorzugtes Ziel des Trios gewesen.

Das BKA hat für sachdienliche Hinweise eine Hotline eingerichtet. Die Nummer lautet: 0800 - 0130 110. Auch Landeskriminalämter und Polizeidienststellen nehmen Informationen entgegen.

2500 Beweismittel

"Jeder Hinweis ist uns wichtig", sagt Ziercke in Karlsruhe. Die Terroristen seien "zielgerichtet und planvoll" vorgegangen, sie hätten "nichts dem Zufall überlassen". Ihr Taten sollten nun "bis zu den Wurzeln" aufgeklärt werden. Bislang seien lediglich 250 Tipps aus der Bevölkerung eingegangen. Dem stünden 2500 Beweismittel gegenüber, die zum Teil in der zerstörten Wohnung des Trios in Zwickau gefunden worden seien. Die Fahnder arbeiteten mit größer Sorgfalt und unter Hochdruck daran, die Asservaten zu sichten, sagt Ziercke.

Der BKA-Chef muss einräumen, dass es bislang nicht gelungen sei, die Stationen der Terroristen lückenlos nachzuvollziehen. Die Terroristen hätten für ihr Leben im Untergrund zahlreiche Unterstützer gebraucht, die es nun zu finden gelte.