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Birma:Oppositionsführerin Suu Kyi aus Hausarrest entlassen

Hoffnung für eine Hoffnungsträgerin: Fast acht Jahre war sie Gefangene im eigenen Haus - jetzt ist Suu Kyi frei. An den Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende hatte die Trägerin des Friedensnobelpreises noch nicht teilnehmen dürfen.

Birmas berühmte Dissidentin Aung San Suu Kyi ist Angaben der Militärjunta zufolge nach siebeneinhalb Jahren aus dem Hausarrest entlassen worden. Der aktuelle Hausarrest der 65-Jährigen endete offiziell am Samstag.

Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi frei

Friedensnobelpreisträgerin AUng San Suu Kyi begrüßt nach ihrer Entlassung aus dem Hausarrest Tausende Anhänger, die zu dem Anwesen der Dissidentin geeilt sind.

(Foto: dpa)

Schon Stunden vorher hatten sich Tausende Anhänger der Friedensnobelpreisträgerin vor ihrem Haus versammelt. Sie hatte insgesamt 15 der vergangenen 21 Jahre unter Hausarrest oder im Gefängnis verbracht.

Vor der Freilassung hatte ihr die Junta offiziell die Aufhebung ihres Hausarrests verlesen, wie ein Gewährsmann mitteilte. Anschließend zeigte sich Suu Kyi am Tor ihres Grundstücks ihren begeisterten Anhängern. Sie jubelten Suu Kyi zu und sangen die Nationalhymne.

Die 65-Jährige, die mit ihrem Kampf für Demokratie in dem von Unterdrückung geprägten Birma zu einer weltweit bekannten Freiheitsheldin geworden ist, lächelte der Menge zu. Tausende weitere Anhänger zogen daraufhin freudig singend zu dem Anwesen. Die Menge schwoll nach Augenzeugenberichten schnell auf bis zu 5000 Menschen an. Suu Kyi dankte ihren Anhängern und sagte, sie würden sich am Sonntag in der Parteizentrale ihrer oppositionellen Nationalen Liga für Demokratie (NLD) sehen. "Das Volk muss geschlossen zusammenarbeiten; nur so können wir unser Ziel zu erreichen", sagte sie.

Merkel begrüßt Freilassung

Die Freilassung wurde weltweit begrüßt. US-Präsident Barack Obama sagte, Suu Kyi sei seine Heldin. Ob Suu Kyi unter Hausarrest stehe oder in ihrem Land gefangengehalten werde, ändere allerdings nichts an der Tatsache, dass die von ihr vertretene Bewegung "systematisch zum Schweigen gebracht wurde" und der Möglichkeit beraubt worden sei, einen politischen Prozess in Gang zu setzen, der zu einem Wandel in dem südostasiatischen Vielvölkerstaat führen könnte. Obama forderte die Militärjunta in Birma auf, alle politischen Gefangenen freizulassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erfreut und erleichtert. Suu Kyi sei "eine Symbolfigur für den weltweiten Kampf für die Verwirklichung der Menschenrechte", erklärte Merkel in Berlin. "Ihre Gewaltlosigkeit und Unnachgiebigkeit haben sie zu einem bewunderten Vorbild werden lassen." Auch Merkel appellierte an die Militärmachthaber in Birma, auch die weiteren politischen Gefangenen freizulassen. Derzeit sind noch mehr als 2000 Regierungsgegner inhaftiert.

Der britische Premierminister David Cameron erklärte, dieser Schritt sei überfällig. "Aung San Suu Kyi ist eine Inspiration für jeden von uns, der an Redefreiheit, Demokratie und Menschenrechte glaubt", erklärte er.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International rief dazu auf, nach der Freilassung der Regimegegnerin nicht das Schicksal anderer inhaftierter Oppositioneller aus den Augen zu verlieren. "In den Gefängnissen herrschen katastrophale Bedingungen. Folter während Verhören und als Strafmaßnahme gehört zum Alltag", sagte die Generalsekretärin der Organisation in Deutschland, Monika Lüke.

Junta verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Die Junta verschärfte am Samstag die Sicherheitsvorkehrungen in Rangun. An vielen Orten fuhren Lastwagen mit Bereitschaftspolizisten vor, wie oft in Birma während politischer Spannungen.

An den Parlamentswahlen am vergangenen Wochenende hatte Suu Kyi nicht teilnehmen dürfen. Ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte die vorletzten Wahlen vor 20 Jahren gewonnen, die Militärführung des südostasiatischen Landes erkannte den Sieg jedoch nie an. Als Suu Kyi 2002 zuletzt auf freiem Fuß war, versammelten sich bei jedem ihrer öffentlichen Auftritte zahlreiche Menschen.

Seit ihrer erneuten Inhaftierung im Jahr 2003 lebte sie abgeschnitten von der Außenwelt ohne Telefon oder Internetanschluss in ihrem Haus in Rangun. Als vergangenes Jahr ein Ende des Arrests bevorstand, verlängerte die Junta Suu Kyis Freiheitsstrafe um 18 weitere Monate, nachdem ein US-Bürger ungebeten in ihr Haus eingedrungen war.

Die Dissidentin ist seit einem Studentenaufstand 1988 politisch aktiv und fordert Demokratie für das seit vom Militär regierte Birma. Die Machthaber werfen ihr vor, den Frieden im Land zu stören. 1991 wurde sie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Ihre Freilassung wird auch als Versuch der Militärjunta interpretiert, von der jüngsten, weithin als Farce kritisierten Wahl ablenken und sich international zu rehabilitieren.

© sueddeutsche.de/AFP/dpa/Reuters/aho/hgn
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