Beto O'Rourke Trump macht sich lustig - O'Rourke wird berühmt

Bühne frei: Beto O'Rourke im Beancounter Coffeehouse in Burlington, Iowa. Der 46-jährige könnte für die Demokraten wichtige Wählergruppen erschließen: Frauen, junge Wähler, gut ausgebildete.

(Foto: REUTERS)

O'Rourkes bisher größter Erfolg besteht darin, eine Wahl nur knapp verloren zu haben. Aber keiner der Kandidaten für die US-Präsidentschaft hat bisher so einen Hype ausgelöst wie er.

Von Alan Cassidy, Washington

Es geht jetzt in Amerika wieder um Hände. Nicht mehr um die kleinen von Donald Trump, über die sie im letzten Wahlkampf redeten, sondern um jene des Mannes, der Trump aus dem Weißen Haus verdrängen will. Am Donnerstag kündigte Beto O'Rourke an, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Er tat es in einer Videobotschaft, von der dem aktuellen Präsidenten nur eines in Erinnerung blieb: die Art und Weise, wie O'Rourke dabei gestikulierte, von links nach rechts, von oben nach unten. "Ich habe noch nie solche Handbewegungen gesehen", sagte Trump zu Journalisten, "ist er verrückt oder tut er nur so?" Das war als Stichelei gemeint, aber es verstärkte natürlich nur die mediale Aufmerksamkeit, die O'Rourke seit seiner Ankündigung erhält.

Mehr als ein Dutzend Demokraten sind es jetzt schon, die ihre Bewerbung für die Nominierung der Partei bekannt gegeben haben. Keiner der anderen Kandidaten hat dabei einen derartigen Hype ausgelöst wie O'Rourke, der 46-jährige frühere Kongressabgeordnete aus El Paso. Das begann schon Anfang des Jahres, als sich O'Rourke in ein Auto setzte und einen Roadtrip durch Amerikas Südwesten unternahm, den er live auf Facebook übertrug, wobei er darüber sinnierte, ob er nun antreten solle oder nicht. Es ging weiter mit einem Auftritt beim Hipster-Festival South-by-Southwest in Austin, wo er zur Premiere eines wohlwollenden Dokumentarfilms über seinen letzten Wahlkampf in Texas erschien, der ihn in den Senat hätte führen sollen.

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Und die Aufregung setzte sich diese Woche fort mit einer Titelgeschichte im Magazin Vanity Fair, für welche die Starfotografin Annie Leibovitz die Bilder schoss. O'Rourke beim Pfannkuchenbraten in seiner Küche, O'Rourke beim Musizieren mit seinen Kindern, O'Rourke auf einer staubigen Straße in Texas, die Hände in den Gesäßtaschen seiner Bluejeans. Nach seinen Absichten für die Präsidentenwahl 2020 gefragt, sagte er: "Mann, ich bin dazu geboren, dabei zu sein." Niemand war also mehr überrascht, als O'Rourke am Donnerstag in einem Café im Vorwahlstaat Iowa offiziell seine Kandidatur ankündigte. Und sogleich feierten linksliberale Zeitungen wie die New York Times wieder die "Rockstar-Instinkte" des ehemaligen Schlagzeugers und Bassisten.

All dies bleibt erstaunlich für einen wie O'Rourke, dessen bisher größter politischer Erfolg darin besteht, eine Senatswahl nur knapp verloren zu haben. Zuvor hatte er sechs Jahre als Abgeordneter im Repräsentantenhaus verbracht, die sich bestenfalls als unauffällig beschreiben lassen. Was die Führungserfahrung betreffe, erschöpfe sich seine Bilanz im Vorsitz eines Unterausschusses im Ausschuss für Veteranen-Angelegenheiten, bemerkte das Magazin The Atlantic. Unscharf blieb O'Rourkes Profil auch nach den Medienauftritten dieser Woche. Im Gegensatz zu seinen demokratischen Konkurrenten verzichtete er auf konkrete politische Forderungen, er blieb inhaltlich vage, vielleicht auch, um seinen Ruf als Moderater nicht zu gefährden.

Genau in diesem Ungefähren liegt aber womöglich seine Stärke. Schon in seinem Senatswahlkampf bestand seine Botschaft vor allem aus einem hochfliegenden, optimistischen Appell: Lasst uns an das Gute in Amerika glauben, lasst uns den politischen Gegner wieder respektieren. "Wenn du Republikaner bist, bist du hier am richtigen Ort", sagte O'Rourke bei seinen Auftritten oft. "Wenn du Demokrat bist, bist du am richtigen Ort. Alles, was zählt, ist, dass wir gemeinsam hier sind." Das waren natürlich floskelhafte Sätze, aber in Zeiten, in denen im Weißen Haus einer sitzt, der alles und jeden mit Wut und Spott überzieht, klingen sie für viele Amerikaner wohltuend anders.

Für O'Rourkes Kandidatur spricht zudem nach Ansicht vieler Demokraten, dass er in der Hauptwahl gegen Trump bei entscheidenden Wählergruppen gut abschneiden könnte. In Texas holte er überdurchschnittlich viele Stimmen bei Frauen, bei gut ausgebildeten Wählern in den Vororten und bei jungen Wählern. Als weißer Mann, so ein weiteres Kalkül, wäre er zudem auch gut positioniert, um zumindest einen Teil jener Trump-Anhänger zurückzugewinnen, die den Demokraten beim letzten Mal in den Bundesstaaten des Mittleren Westens davongelaufen sind.

O'Rourke ist unbekannt - genau wie seine erfolgreichen Vorgänger

Bei den Republikanern glaubt man, die größte Schwachstelle O'Rourkes bereits ausfindig gemacht zu haben: seine Haltung zum Grenzschutz. Er sei nicht nur gegen den Bau neuer Mauerabschnitte, sagte O'Rourke vor einigen Wochen bei einer Kundgebung, er sei darüber hinaus auch dafür, bestehende Mauern abzureißen. Seither ist er für Trump und seine Partei ein "Extremist".

Wahrer sei, schrieb hingegen das konservative Wall Street Journal, dass man schlicht überhaupt nicht wisse, wofür O'Rourke stehe. "Wer ist Beto?", fragte deshalb die Zeitung in einem Leitartikel. Die Antwort gab sie gleich selbst: einer wie Jimmy Carter, Bill Clinton und Barack Obama. Schon die letzten drei Präsidenten der Demokraten waren politische Unbekannte, Projektionsflächen für die Hoffnungen ihrer Anhänger. Bei allen reichte das für den Einzug ins Weiße Haus. Vielleicht sei O'Rourke nun der nächste.

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