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Auslandseinsätze:Wo die Bundeswehr aktiv ist

Deutsche Soldaten sollen in Syrien und im Irak kämpfen. Anderswo ist die Bundeswehr seit Jahren im Einsatz. Ein Überblick über die Missionen.

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Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet

Quelle: Gioia Forster/dpa

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Insgesamt sind derzeit etwa 3000 Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz. Ein Überblick über die Missionen, an denen sich Deutschland derzeit beteiligt:

Mittelmeer: EUNAVFOR MED - Operation Sophia

Seit Juni 2015 beteiligt sich die Bundeswehr an dieser Mission, deren Aufgabe es ist, Menschen aus Seenot zu retten, zur Aufklärung von Schleppernetzwerken beizutragen und auf hoher See auch gegen Boote von Schleppern vorzugehen. Die Mission geht auf einen Sondergipfel der EU vom 18. Mai 2015 zurück, bei dem sich Außen- und Verteidigungsminister auf drei Phasen zur Bekämpfung von Schleuserkriminalität einigten. Der Bundestag beschloss im Oktober 2015, sich mit bis zu 950 Soldaten an EUNAVOR MED zu beteiligen. Derzeit sind 216 Soldaten im Einsatz.

Das Bild zeigt Flüchtlinge, die im September 2015 im Mittelmeer von Bundeswehrsoldaten auf zwei Speedbooten von ihrem Holzboot geholt und anschließend zur Fregatte Schleswig-Holstein gebracht werden. Im Hintergrund ist die britische HMS Enterprise zu sehen.

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen im Irak

Quelle: dpa

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Irak: Ausbildungsunterstützung

Der selbsternannte Islamische Staat (IS) hat weite Teile Syriens und auch des Irak erobert. Widerstand leisten beispielsweise kurdische Peschmerga-Kämpfer. Um sie zu unterstützen und auszubilden, stimmte der Bundestag im Januar 2015 einem Mandat mit einer Obergrenze von 100 deutschen Soldaten zu. Der Einsatz ist zunächst bis zum 31. Januar befristet. Aufgabe der Soldaten ist es etwa, militärische Ausbildungslehrgänge zu leiten oder die Zusammenarbeit zwischen der kurdischen Regierung in Erbil und Bagdad sowie der internationalen Allianz gegen den IS zu koordinieren. Derzeit sind 94 Soldaten im Einsatz.

Das Foto vom Januar zeigt einen Bundeswehrsoldaten, der am 12.01.2015 in der Nähe von Erbil in Kurdistan Peschmerga-Kämpfer an deutschen Maschinengewehren ausbildet.

Verteidigungsministerin  von der Leyen in Mali

Quelle: dpa

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Mali: EU-Ausbildungsmission (EUTM Mali)

Ausbildungshilfe, aber kein Kampfeinsatz: Am 28. Februar 2013 erteilte der Bundestag der Bundeswehr erstmals das Mandat für eine Entsendung von Soldaten nach Mali, die dort die Streitkräfte ausbilden sollen. Die Ausbildung findet im Rahmen einer Trainingsmission der Europäischen Union statt. Etwa ein Jahr später, am 26. Februar 2014 wurde die Mission bis zum 31. Mai 2016 verlängert. Derzeit sind 207 Soldaten in Mali stationiert, die Obergrenze liegt bei 350.

Das westafrikanische Mali wird seit 2012 von einem Bürgerkrieg gebeutelt. Seit einem Militärputsch wird der Norden des Landes quasi von islamistischen Milizen und Tuareg-Separatisten kontrolliert.

UN-Friedensmission Minusma

Gefährlicher als EUTM hingegen ist die Mission der Vereinten Nationen. Diese konzentriert sich auf den Norden des Landes und ist wesentlich größer als der Einsatz im Süden. Seit Juni 2013 gibt es ein Mandat des Bundestages, das zunächst bis zum 30. Juni 2016 geht und eine Obergrenze von 150 deutschen Soldaten beinhaltet. Bislang wurden aber nur zehn Soldaten entsandt. Sie kümmern sich um Logistik und Aufklärung.

Frankreich ist schon länger in dem afrikanischen Krisenland involviert und forderte vor allem nach den Anschlägen vom 13. November in Paris mehr Unterstützung beim Kampf gegen den Terror. Verteidigungsministerin von der Leyen hatte daraufhin angekündigt, den Einsatz aufzustocken. Soll die Zahl der Soldaten erhöht werden und der Einsatz vermehrt im gefährlichen Norden stattfinden, muss der Bundestag erneut zustimmen.

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Quelle: Johannes Eisele/AFP

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Afghanistan/Usbekistan: International Security Assistance Force (ISAF) und Resolute Support

Nach 13 Jahren in der Krisenregion endete der Einsatz der Bundeswehr offiziell am 31. Dezember 2014. Die Beteiligung deutscher Soldaten an der ISAF-Mission in Afghanistan gehörte zu den größten und umstrittensten Auslandseinsätzen in der Geschichte der Bundesrepublik. Deutschland beteiligt sich auch an der Nachfolgemission Resolute Support mit derzeit 996 Soldaten. Sie sind für die Beratung und Ausbildung der afghanischen Streitkräfte zuständig. Das Mandat ist bis zum 31. Dezember 2015 befristet. Daneben beteiligt sich die Bundeswehr mit einem militärischen Berater auch an der UN-Unterstützungsmission für Afghanistan UNAMA.

2002 waren erstmals deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Die internationale Friedenstruppe hatte laut Bundeswehrangaben den Auftrag, die afghanische Regierung bei der Wahrung der Menschenrechte, der Herstellung und Wahrung der inneren Sicherheit, der Auslieferung von Hilfsgütern und der geregelten Rückkehr von Flüchtlingen zu unterstützen. Darüber hinaus sollte sie sicherstellen, dass afghanische sowie internationale Organe in einem sicheren Umfeld arbeiten können.

Der Einsatz war zu Beginn nur auf Kabul beschränkt, wurde aber auf Wunsch der afghanischen Regierung zwischen 2004 und 2006 auf ganz Afghanistan ausgeweitet. Deutschland hatte ab 2006 die Verantwortung für den Norden Afghanistans. Nachdem sich die Sicherheitslage landesweit verschlechtert hatte, wurde die ISAF-Truppenstärke massiv aufgestockt. Inzwischen stehen Aufbau und die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte im Vordergrund, da Armee und Polizei künftig im Land für Sicherheit sorgen sollen. Während der Einsatzzeit von 13 Jahren waren bis zu 5350 Soldaten an der Mission beteiligt.

60 Jahre Bundesrepublik - Bundeswehreinsatz im Kosovo

Quelle: dpa

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Kosovo: Kosovo Force (KFOR)

Seit 1999 ist die Bundeswehr im Kosovo präsent. Das zweitstärkste deutsche Auslandskontingent mit derzeit 907 Soldaten soll auf dem Balkan für ein friedliches Nebeneinander von Kosovo-Albanern und Serben sorgen.

Der Einsatz der Bundeswehr begann 1999 nach dem Ende des Kosovo-Kriegs. Unter Leitung der Nato und nach einem Beschluss der UN sollte ein sicheres Umfeld für die Rückkehr von Flüchtlingen geschaffen werden. Außerdem sollte ein friedlicher Umgang zwischen Serben und Kosovaren gewährleistet und militärisch unterstützt werden. Obwohl sich der Kosovo 2008 für unabhängig erklärte, beschloss die Nato, im Land zu bleiben und neue Aufgaben zu übernehmen. Nach Angaben der Bundeswehr wird sich KFOR zukünftig vorrangig der Entwicklung professioneller, demokratischer und multiethnischer Sicherheitsstrukturen widmen und dabei eng mit lokalen Autoritäten und internationalen Organisationen zusammenarbeiten.

Auswärtiges Amt: EU schließt Übergabe-Abkommen zu Piraten mit Kenia

Quelle: dpa

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Horn von Afrika: European Union Naval Force - Operation Atalanta (EU NAVFOR)

Im Kampf gegen die Piraterie am Horn von Afrika ist die EU-Mission Atalanta seit Ende 2008 unter Beteiligung der Bundeswehr aktiv. Ziel ist der Schutz von Handelsschiffen und Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms der UN, sowie die Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias. An der Anti-Piraterie-Mission Atalanta sind aktuell 162 Bundeswehrsoldaten beteiligt, die Obergrenze liegt bei 950.

Im Bild: die mittlerweile außer Dienst gestellte Fregatte Rheinland-Pfalz im Golf von Aden

Fregatte 'Bayern' kehrt zurück

Quelle: dpa

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Libanon: United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL)

Seit 2006 ist die Beobachtermission UNIFIL vor der Küste Libanons damit beauftragt, Waffenschmuggel zu unterbinden und die Seewege zu kontrollieren. Deutschland stellt derzeit etwa 110 Blauhelmsoldaten. Neben der Kontrolle der Seewege beteiligt sich die Bundeswehr auch an der Ausbildung der libanesischen Marine. Ziel ist es, die libanesischen Streitkräfte zu befähigen, die Seewege eigenständig zu kontrollieren.

Im Bild: die Fregatte Bayern bei der Rückkehr in den Marinestützpunkt Wilhelmshaven

Transport der 'Patriot'-Abwehrraketen in die Türkei beginnt

Quelle: dpa

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Türkei: Operation Active Fence

Im Dezember 2012 erteilte der Bundestag ein Mandat zur Entsendung deutscher bewaffneter Streitkräfte zur Verstärkung der integrierten Luftverteidigung der Nato. Die Türkei hatte um diese Unterstützung gebeten, nachdem in Syrien ein Bürgerkrieg ausbrach und aus Syrien abgefeuerte Granaten auf türkischem Territorium einschlugen. Der Nato zufolge ist die Lage in Syrien eine Bedrohung für die Sicherheit ihres Verbündeten Türkei.

Im Februar 2013 verschiffte die Bundeswehr Flugabwehrsysteme des Typs Patriot in die Türkei. Diese sollen mögliche Raktenangriffe aus Syrien an der türkisch-syrischen Grenze abwehren. Der Einsatzort der Bundeswehr befindet sich in Kahramanmaraş etwa 100 Kilometer nördlich der Grenze zu Syrien. Derzeit sind dort etwa 251 deutsche Soldaten stationiert. Der Einsatz hat eine Laufzeit bis zum 31. Januar 2016.

Im Bild: Patriot-Abwehrraketen der Flugabwehrraketengruppe 21 aus dem mecklenburgischen Sanitz auf dem Weg nach Travemünde zur Verschiffung in die Türkei

UNMIS handout shows military observer from Namibia serving with the international peacekeeping operation during a patrol in the region of Abyei

Quelle: Reuters

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Südsudan: United Nations Mission in South Sudan (UNMISS)

Seit Sommer 2011 unterstützt die Bundeswehr die UN-Mission im Südsudan, der sich damals für unabhängig erklärt hatte. Kernauftrag der von den Vereinten Nationen geführten Friedensmission ist die Unterstützung beim Staats- und Institutionsaufbau, Hilfe bei der weiteren friedlichen Entwicklung im Südsudan und dem Schutz von Zivilisten. Aktuell sind 19 Bundeswehrsoldaten im Südsudan stationiert.

UNAMID peacekeepers patrol through Nyoro, Sudan.

Quelle: SVEN TORFINN/The New York Times/

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Sudan: United Nations African Union Hybrid Mission in Darfur (UNAMID)

Kernauftrag von UNAMID ist der Schutz von Zivilisten, humanitäre Hilfeleistung und die Unterstützung des politischen Friedensprozess in der Konfliktregion Darfur. Seit Beginn 2007 beteiligt sich die Bundeswehr an dem Einsatz, dem ein langes diplomatisches Ringen zwischen der UN, der sudanesischen Regierung und Deutschland vorausgegangen war. Im Oktober 2015 hat der Deutsche Bundestag die Verlängerung der Beteiligung an UNAMID bis Ende 2016 beschlossen. Aktuell sind sieben Bundeswehrsoldaten an der Friedensmission beteiligt. Das Bild zeigt Friedenssoldaten auf Patrouille in Nyoro, Sudan, im Februar 2012.

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Quelle: AFP

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Uganda/Somalia: European Training Mission for Somalia (EUTM SOM)

Eine der eher wenig beachteten Einsätze ist die Trainingsmission für Somalia, an der auch andere europäische Nationen beteiligt sind (im Bild: ein spanischer Ausbilder). Sie wurde im April 2010 ins Leben gerufen und soll dazu dienen, das Land am Horn von Afrika zu stabilisieren und somalische Sicherheitskräfte auszubilden. Inhalte sind Minenkunde, Kampf in bebautem Gelände, Sanitätswesen und Fernmeldewesen. Die Ausbildung fand bis Ende 2013 in Militäreinrichtungen in Uganda statt und erfolgt in Kooperation mit der Afrikanischen Union. Insgesamt sollen etwa 100 Ausbilder und 40 Personen an Unterstützungspersonal 2000 somalische Rekruten binnen eines Jahres ausbilden. Deutschland beteiligt sich an der nunmehr nach Mogadischu verlegten Mission mit zwölf Soldaten.

POLISARIO FRONT SOLDIERS STAND DURING CELEBRATIONS FOR THE 25TH ANNIVERSARY OF THE SELF-PROCLAIMED SAHRAWI ARAB DEMOCRATIC REPUBLIC

Quelle: REUTERS

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Westsahara: Unterstützungsmission MINURSO

Seit Ende 2013 engagiert sich Deutschland in der Westsahara. Die "Frente Polisario", eine militärische und politische Organisation, hatte dort 1976 die Unabhängigkeit von Marokko ausgerufen. Fakt ist aber, dass 80 Prozent des Landes nach wie vor von Marokko kontrolliert werden. Die Bundeswehr soll den Waffenstillstand zwischen Marokko und der "Frente Polisario" überwachen. Vier deutsche Soldaten sind dafür im Einsatz. Das Bild zeigt Mitglieder der "Frente Polisario" bei einer Unabhängigkeitsparade imJahr 2001.

ENTWAFFNUNG KINDERSOLDAT IN LIBERIA

Quelle: DPA/DPAWEB

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Liberia: UNMIL

Die UN-Mission im afrikanischen Liberia besteht seit September 2003. Am 21. Mai 2015 stimmte der Bundestag der Entsendung deutscher Soldaten zu. Drei deutsche Soldaten bilden im Moment liberianischen Einsatzkräfte aus. Auch die deutsche Polizei ist seit Jahren an der Mission beteiligt. In Liberia tobten jahrzehntelange Bürgerkriege, der berüchtigte Ex-Präsident des Landes, Charles Taylor, wurde vom Sondergerichtshof für Sierra Leone wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen verurteilt. Zuletzt war die UNMIL-Mission vor allem dazu da, das Land im Kampf gegen die Ebola-Epidemie zu unterstützen. Auf dem Foto aus dem Jahr 2003 übergibt ein Kindersoldat seine Waffe an einen Soldaten der UNMIL-Mission.

© Süddeutsche.de/esp/dayk/joku/ewid/ghe

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