Zeremonie in Kabul Nato beendet Isaf-Mission in Afghanistan

US-General John Campbell (4. v.li.) holt die Fahne Isaf ein während der Zeremonie in Kabul.

(Foto: AFP)
  • Mit einer feierlichen Zeremonie hat die Nato nach 13 Jahren den Isaf-Einsatz in Afghanistan beendet.
  • Seit 2001 starben etwa 3500 Nato-Soldaten - allein 2014 wurden 3188 afghanische Zvilisten getötet.
  • Eine Umfrage besagt, dass die meisten Deutschen den Afghanistan-Einsatz nicht für lohnenswert hielten.

Nato-Truppe Isaf beendet Einsatz in Afghanistan nach 13 Jahren

Mit einer feierlichen Zeremonie hat die Nato nach 13 Jahren ihren Kampfeinsatz in Afghanistan offiziell abgeschlossen. "Der heutige Tag markiert das Ende einer Ära - und den Beginn einer neuen", sagte der Kommandeur der internationalen Truppen in Afghanistan, US-General John Campbell, am Sonntag bei einer Übergabezeremonie in Kabul.

Die bisherige Kampfmission Isaf wird durch den neuen Ausbildungseinsatz "Resolute Support" (Entschlossene Unterstützung) ersetzt. Über dem Hauptquartier weht nun die neue Flagge. Rechtlich gesehen erfolgt der Übergang zur neuen Mission aber erst zum Jahreswechsel.

3500 Nato-Soldaten seit 2001 gestorben

Die Mission hatte 2001 begonnen in der Folge der Terroranschläge vom 11. September. Die Nato war in den vergangenen 13 Jahren zeitweise mit 140.000 Soldaten in Afghanistan, unter ihnen mehr als 5000 Deutsche. 55 deutsche Soldaten ließen dort ihr Leben. Insgesamt wurden etwa 3500 Isaf-Soldaten in den Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban und bei Anschlägen getötet.

Für die neue Mission zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte sollen 12.000 Soldaten im Land bleiben, unter ihnen 850 Deutsche. Obwohl sie keinen Kampfauftrag mehr haben, bleibt es gefährlich. "Es gibt kein Zurück zu den dunklen Tagen der Vergangenheit", sagte General Campbell dennoch.

3188 afghanische Zivilisten starben bislang allein 2014

Für die afghanische Regierung bedankte sich Sicherheitsberater Hanif Atmar bei den internationalen Truppen. Aus der Nato-Kommandozentrale im niederländischen Brunssum reiste der Bundeswehr-General Hans-Lothar Domröse an. "Es ist nun Zeit, ein neues Kapitel in unserer Geschichte aufzuschlagen", sagte er.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in diesem Jahr verschlechtert. In den ersten elf Monaten zählten die Vereinten Nationen alleine 3188 getöteten Zivilisten - 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Zuletzt wurden drei Nomaden bei einem Luftschlag der Nato in der Provinz Logar getötet. Die Isaf hatte sie fälschlicherweise für Aufständische gehalten und sie aus der Luft beschossen.

Umfrage: Meiste Deutsche fanden Afghanistan-Einsatz nicht lohnenswert

In Afghanistan stößt das Ende der Kampfmission auf Kritik. "Wir haben die Aufstockung der Soldaten 2009 nicht verstanden, und wir verstehen jetzt den Rückzug nicht", sagte die Leiterin der afghanischen Menschenrechtskommission in Kabul, Sima Samar. Die internationale Gemeinschaft sei sehr oberflächlich an Afghanistan herangegangen. "Vielleicht hätten wir mehr erreicht und weniger Opfer zu beklagen, wenn wir die Lage besser analysiert hätten", sagte die Trägerin des Alternativen Nobelpreises.

In der deutschen Bevölkerung herrscht die Meinung vor, dass sich der Einsatz nicht gelohnt hat. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov vertraten 60 Prozent der Teilnehmer diese Auffassung.