Anträge zur Abspaltung von den USA Zwischen Spaß-Guerilla und Rassisten

Mehr Sympathie äußert Ron Paul, der libertäre Kauz, der noch bis Januar 2013 den 14. Wahlbezirk in Texas vertritt: Auf seiner Abgeordneten-Website nennt er das Recht auf Abspaltung ein "zutiefst amerikanisches Prinzip". Schließlich sei das Land erst durch die Lossagung von England entstanden.

Paul, der viele Anhänger unter jungen Amerikanern hat, ist überzeugt, dass es weder "verräterisch" noch "unpatriotisch" sei, sich eine Bundesregierung zu wünschen, die stärker auf die Wünsche der Bürger eingehe. Wie es jedes Kind in der Schule lernt, weiß Paul auch, dass die USA als ein Bund aus Einzelstaaten entstanden ist (deswegen gelten ja auch bis heute 50 verschiedene Wahlgesetze). In der Tradition dieses Gedankens stehe für ihn fest: Wenn ein Staat und dessen Bürger nicht das Recht haben, sich von einem Unterdrücker-Regime loszusagen, dann sind diese nicht frei.

Christian Lammert, Amerikanistik-Professor der Freien Universität Berlin, vermutet im Programm von Deutschlandradio Kultur, dass die Bewegungen teils aus einer "Spaß-Guerilla" und teils aus Rassisten und Neonazis bestehe, zu denen außerdem "frustrierte Bürger, die ihre Häuser verloren haben, die arbeitslos geworden sind und die die Schuld jetzt eben auf Washington schieben" kommen.

Lammert verweist auf zwei weitere wichtige Punkte: Einerseits sei es leicht, seine Unterstützung mit einem Mausklick zu zeigen. Andererseits falle auf, dass die Sezessionsbestrebungen genau in jenen Südstaaten am größten seien, wo die "gesellschaftlichen Veränderungsprozesse, also gerade die Einwanderung von Hispanics" am deutlichsten zu spüren zu sei. Eins ist klar: Ein Zeichen für eine Annäherung der polarisierten Ränder der US-Gesellschaft sind die Online-Anträge nicht.

Allerdings hat der Antrag des Texaners Micah H. nicht nur Nachahmer unter frustrierten Konservativen in anderen US-Staaten gefunden. Auf petitions.whitehouse.gov finden sich auch Anträge, die eine etwas andere Loslösung fordern: So sollen sich etwa die Metropolen Atlanta und Austin von Georgia und Texas abspalten. Und Teil der USA bleiben.

Der Autor twittert unter @matikolb.

Linktipp: Das Radio-Interview mit Amerikanistik-Professor Christian Lammert ist hier nachzuhören. Politico hat "zehn Fakten zur Sezession" zusammengestellt.

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