Anschlag in Stockholm Islamische Bewegung Usbekistans rekrutiert in Deutschland

Edward James Lemon, Forscher an der Columbia-Universität in New York, vermutete in der Zeitung Der Standard, dass die große Mehrheit der Rekrutierungen von Zentralasiaten in Russland stattfinde. "Usbekistan und Tadschikistan zählen zu den weltweiten Spitzenreitern, was Arbeitsmigration betrifft", mehr als eine Millionen Bürger beider Staaten lebten in Russland. Lemon führt aus: "Das sind meist junge Männer, die weit weg von zu Hause leben, mit niedrigen Löhnen." Das mache sie für den IS oder für die al-Nusra-Front zu leichten Zielen.

Dazu ist die "Islamische Bewegung Usbekistans" (IBU) eine der aktivsten Extremisten-Gruppen in Zentralasien. Sie operiert schon seit den neunziger Jahren und hatte zunächst gegen den Despoten Karimow gekämpft, gegen den Alltag aus staatlicher Willkür und Korruption. Den globalen Dschihad hatte sie zunächst nicht im Sinn.

Nachdem die IBU lange die Taliban im Nachbarland Afghanistan unterstützt hatte und auch in Pakistan aktiv war, legte sie 2015 den Treueeid auf den IS ab. Der Bundesnachrichtendienst schreibt zur IBU: "Sie unterhält in mehreren Ländern Informations- und Unterstützernetzwerke und war in der Vergangenheit Anlaufstelle auch für deutsche Dschihadisten." Sie konnte mehrere Mitglieder der deutschen Salafisten-Szene für sich gewinnen, die anschließend mit Video-Botschaften im Internet in deutscher Sprache für den bewaffneten Krieg warben.

Harte Linie gegen den Islam

Im Prozess um den gescheiterten Sprengstoffanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof gegen vier Islamisten, in dem Anfang April das Urteil gesprochen wurde, kam das Gericht zu der Überzeugung: Die vier Männer seien unter anderem durch eine Audiobotschaft des IBU beeinflusst worden mit dem Titel "Tod der Pro NRW". Daraufhin hätten sie den Entschluss gefasst, Mitglieder der rechten Partei zu töten.

Kritiker halten Usbekistan sowie den meisten Nachbarländern vor, die Terrorbedrohung vor allem als Vorwand zu nutzen, um hart gegen die Opposition vorgehen zu können. Gemäßigte islamische Parteien sind verboten, Moscheen werden oft streng kontrolliert, in Tadschikistan mussten vor einem Jahr Hunderte Frauen den Hidschab abnehmen und die Polizei stutzte mehr als 10 000 Männern zwangsweise den Bart. Das nannte sich "Anti-Radikalisierungskampagne".

Mit dem neuen Präsidenten Schwakat Mirsijajew dürfte sich der generelle politische Kurs in Usbekistan kaum verändern. Mirsijajew war schon unter Vorgänger Karimow 13 Jahre lang Regierungschef und wurde im vergangenen Jahr mit fast 89 Prozent der Stimmen gewählt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisierte die mangelnde Transparenz der Abstimmung.

Schweden macht sich keine Illusionen

Vielen Deutschen galt das Land lange als Idyll. Dort sieht man die Lage aber schon lange nüchtern. Das dürfte auch nach dem Anschlag so bleiben. Von Thomas Steinfeld mehr...