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Terror:Anschlag auf Istanbuler Flughafen - Türkische Regierung vermutet IS als Drahtzieher

Türkischer Polizist am Flughafen in Istanbul.

(Foto: AFP)
  • Bei einem Anschlag am Atatürk-Flughafen von Istanbul sind 36 Menschen getötet und mehr als 140 verletzt worden.
  • Die Regierung spricht von drei Selbstmordattentätern, die allesamt tot seien.
  • Premierminister Yıldırım verdächtigt die Terrormiliz "Islamischer Staat".
  • Der Flugverkehr wurde wieder aufgenommen.

Bei einem Attentat auf den Atatürk-Flughafen von Istanbul sind am Dienstagabend 36 Menschen getötet und mehr als 140 verletzt worden. Diese Zahlen bestätigte Ministerpräsident Binali Yıldırım am frühen Mittwochmorgen bei einem Besuch am Tatort. Die drei getöteten Selbstmordattentäter seien in der Zahl 36 nicht enthalten.

Die türkische Regierung verdächtigt laut Yıldırım die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Erste Hinweise deuteten auf den IS als Urheber hin, sagte der Premier.

Nach bisherigen Erkenntnissen seien die Angreifer mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Zwei von ihnen hätten den Ankunftsbereich betreten, wo die Sicherheitsvorkehrungen weniger streng seien und dort mit Kalaschnikows um sich geschossen, bevor sie sich in die Luft gesprengt hätten. Der dritte Mann habe die eigene Explosion auf einem Parkplatz ausgelöst.

Yıldırım sagte, sowohl Türken als auch Ausländer seien unter den Opfern. Es gebe eine Vielzahl an Verletzten. Justizminister Bekir Bozdağ hatte kurz zuvor von 147 Verletzten gesprochen. Angaben über die Nationalitäten der ausländischen Opfer lagen zunächst nicht vor. Dem Auswärtigen Amt in Berlin lagen nach Angaben einer Sprecherin keine Hinweise auf deutsche Opfer vor.

Erdoğan: Attacke soll Türkei destabilisieren

Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen zielt nach Ansicht von Präsident Recep Tayyip Erdoğan darauf, die Türkei zu untergraben. "Es ist eindeutig, dass dieser Angriff keinen anderen Zweck hat, als Propaganda gegen unser Land zu betreiben", erklärte Erdoğan in der Nacht. Dazu werde das Blut unschuldiger Menschen vergossen und Angst verbreitet.

Er erwarte, dass die Weltgemeinschaft eine "entschlossene Haltung" gegenüber Terrorgruppen einnehme, hieß es in einer Erklärung. Der Präsident versprach, dass sein Land die Bemühungen gegen terroristische Vereinigungen aufrechterhalten werde: "Die Türkei hat die Kraft, Entschlossenheit und Kapazität, um den Kampf gegen Terrorismus bis zum Ende fortzusetzen."

Der Atatürk-Flughafen ist der größte der Türkei und ein wichtiges Drehkreuz für Reisende aus aller Welt. Die US-Luftfahrtbehörde FAA setzte nach dem Anschlag alle Flüge zwischen den USA und dem Atatürk-Flughafen aus.

Ankunfts- und Abflugbereich des größten Flughafens der Türkei wurden kurzfristig vollständig gesperrt, sämtliche Flüge gestrichen. Fotos vom Anschlagsort zeigten ein Bild der Verwüstung außerhalb des Ankunftsterminals, wo Passagiere gewöhnlich auf Taxis warten. Auf Bildern sind zahlreiche Krankenwagen vor dem Flughafen zu sehen. Videos aus dem Inneren des Flughafens zeigen, wie Sicherheitspersonal die Menschen auffordert, aus dem Gebäude zu rennen. Mängel an den Sicherheitsvorkehrungen des Flughafens bestritt der türkische Premier Yıldırım.

Flugverkehr wieder aufgenommen

Der Luftverkehr ist am Mittwoch wieder aufgenommen worden. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. 340 Flüge wurden allerdings gestrichen.

Entgegen erster Angaben ist auch ein Flug von Berlin nach Istanbul gestartet. Ob weitere starten oder abgesagt werden, obliegt der Fluggesellschaft so der Flughafensprecher.

USA verurteilen Anschlag, Steinmeier "entsetzt"

Die US-Regierung hat den Terroranschlag auf das Schärfste verurteilt. "Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Getöteten, und wir wünschen den Verletzten eine baldige Genesung", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, in einer Mitteilung. Die USA stünden fest an der Seite der Türkei und man werde den Kampf gegen die terroristische Bedrohung fortsetzen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich "entsetzt" über die Nachrichten aus Istanbul. "Unsere Gedanken gelten in diesen Stunden den Menschen in der Türkei", schrieb er auf Twitter. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Ich möchte dem ganzen türkischen Volk aber sagen, dass wir uns im Kampf gegen den Terrorismus vereint sehen und uns gegenseitig unterstützen werden."

In den vergangenen Monaten hatte es bereits mehrere Anschläge in der Türkei gegeben. Dazu bekannt hatten sich Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat und kurdische Extremisten. Allein in Istanbul hat es in den ersten sechs Monaten des Jahres vier schwere Terror-Attacken gegeben.

© SZ.de/Reuters/dpa/AP/mati/ewid/lalse
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