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Amerikanischer Präsidentschaftskandidat in Europa:Romneys simples Weltbild

Stolz, stark, großartig: Das ist das Bild, das Mitt Romney von Amerika hat und stärken will. Nato, Europäische Union, internationale Allianzen und globale Strategien - all das spielt keine Rolle in Romneys Welt. Die Ansichten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten sind inzwischen selbst Parteifreund Henry Kissinger peinlich.

Vielleicht ist der alte Mann müde. Noch vor ein paar Jahren jedenfalls hätte sich kein republikanischer Präsidentschaftskandidat getraut, ohne den Segen des außenpolitischen Doyens seiner Partei, Henry Kissinger, in die Schlacht ums Weiße Haus zu ziehen. Und Kissinger, fast 90 Jahre alt, aber von seiner weltpolitischen Bedeutung immer noch felsenfest überzeugt, hätte es sich nicht nehmen lassen, seinen Segen vor aller Augen zu erteilen. Diesmal ist das anders. Abgesehen von einem einzigen Spendenempfang hat Kissinger bisher keine Wahlkampfhilfe für Romney geleistet.

Mitt Romney

Der amerikanische Präsidentschaftskandidat in London vor Downing Street No. 10. Romneys Amerika ist immer noch das der Vierziger: mächtig und unbezwingbar.

(Foto: AP)

Das kann sich noch ändern. Aber man kann das Schweigen des Granden durchaus auch als eine Art Protest sehen. Für jemanden, der Amerikas Außenpolitik jahrzehntelang intellektuell und praktisch geprägt hat, muss das, was sein Parteifreund Romney auf diesem Feld zu bieten hat, deprimierend sein.

Romneys Amerika

Romneys Weltbild, so wie er es jüngst in einer Rede vor Kriegsveteranen dargelegt hat, ist eine seltsame Mischung. Da ist Amerika: stolz, stark, großartig, eine Macht, deren "Schicksal" es ist, die freie Welt zu führen und Gutes zu tun. Und da sind die "Gegner". Russland gehört irgendwie immer noch in diese Gruppe, Iran sowieso, islamische Terroristen und China, das aber nicht so richtig, denn das Riesenreich ist ja zugleich einer der wichtigsten Handelspartner und der größte Gläubiger der USA.

In Romneys Vorstellung ist Amerika immer noch das Amerika der späten vierziger Jahre, das Adolf Hitler besiegt hat und Josef Stalin die Stirn bietet. Und die Welt ist eine, in der die Schurken nicht mehr nur in Moskau sitzen, sondern auch in Teheran. Sonst hat sich eigentlich nichts verändert.

Obama schwächt die Stärke des Landes

Aus Romneys Sicht ist Amerika jedoch in Gefahr, seine herausragende Stellung zu verlieren. Und das liegt, natürlich, am demokratischen Amtsinhaber Barack Obama. Dieser habe die Wirtschaft ruiniert - das Fundament amerikanischer Stärke -, und werde, sofern man ihn nicht aus dem Weißen Haus vertreibe, auch noch das Militär kaputtsparen - das Instrument amerikanischer Stärke. Am Ende dieser kruden Diagnose steht bei Romney ein realitätsfernes Versprechen: Ich werde Amerikas Stärke erhalten, weil ich fest an Amerikas Stärke glaube.

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