Diplomatie Wie die USA und Kuba das Ende der Eiszeit feiern

Ob der "Maximo Lider" noch einmal nach Washington kommt? 1959 besuchte Fidel Castro als Premier die Hauptstadt, hier am Jefferson Memorial.

(Foto: AP)
  • Die USA und Kuba haben wieder volle diplomatische Beziehungen aufgenommen.
  • Die Vertretungen beider Länder wurden erstmals seit Anfang der 1960er Jahre wieder zu Botschaften aufgewertet.
  • Beide Regierungen betonten, dies sei nur der erste Schritt in einem "langen Weg zur Normalisierung".
Von Sacha Batthyany, Washington

Ein Haustechniker, der mit einem Schraubenzieher eine Plakette am Eingang der Schweizer Botschaft entfernt - er steht am Ende dieser zum Teil brisanten Rolle, die die Schweiz in den diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Kuba gespielt hat. Eine 56 Jahre dauernde Vermittlung zwischen beiden Ländern, die sich auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges als Erzfeinde bezeichneten und mit militärischer Vergeltung drohten.

Am Montag haben die USA und Kuba wieder volle diplomatische Beziehungen aufgenommen, ihre Interessenvertretungen im anderen Land haben nun wieder den Status von Botschaften. Und es erlosch das Schutzmachtmandat der Eidgenossen, von dem die Messingplakette zeugte. Seit Montag vertritt die Schweiz die Interessen Kubas in den USA nicht mehr, und nicht mehr die der USA in Kuba. Ein Stück Diplomatie-Geschichte geht zu Ende, ohne Fanfaren, ohne Ansprachen.

"Unsere Rolle war die letzten Jahre nur noch formal", sagt der Schweizer Botschafter Martin Dahinden. Unweit der Schweizer Botschaft wurde die Wiedereröffnung der kubanischen Botschaft gefeiert. Der neue Fahnenmast vor dem Gebäude stand schon seit Wochen, die Räumlichkeiten wurden neu gestrichen, in der Nacht von Sonntag auf Montag wurde auch die Flagge gehisst. "Es ist ein wichtiger Moment für uns, weil uns die ganze Geschichte noch einmal bewusst wird: von den Tagen, an dem der Konflikt beinahe eskaliert wäre, bis heute", sagt Jose Ramon Cabañas, Leiter der kubanischen Interessensvertretung, die nun eine Botschaft ist.

An der Hausbar namens Hemingway wurden Mojitos gemixt

In der gut 100-jährigen Villa in Adams Morgan, einem gemischten Quartier in Washington, in dem viele Latinos leben, reihten sich Zeremonien und Reden aneinander. Gemäß Protokoll waren 500 Gäste geladen, darunter die beiden Außenminister Bruno Rodríguez und John Kerry, mehrere Senatoren und Botschafter aus aller Welt. Rodríguez war zum ersten Mal in Washington. Nach mehr als fünf Dekaden politischer Eiszeit reiste wieder ein kubanischer Politiker in die US-Hauptstadt. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar schien - unter Präsident Ronald Reagan galt Kuba als Schurkenstaat und stand auf der Liste der Terrorismus unterstützenden Staaten -, geht jetzt ganz leicht: An der Hausbar namens Hemingway, so war zu vernehmen, wurden Mojitos gemixt, dazu spielte eine kubanische Band.

Die Eröffnung der kubanischen Botschaft markiert das Ende einer von großen Animositäten geprägten Beziehung, die sich seit dem Amtsantritt Barack Obamas laufend entspannte. Dieser entfernte das Land im Mai von der Liste der Schurkenstaaten.

Es gibt Fotos, die Fidel Castro 1959 ein paar Monate nach dem Sieg über den Diktator Fulgencio Batista im selben Haus zeigen, in dem nun gefeiert wurde. Er steht auf den Treppen, ein junger, selbstbewusster Mann, damals wurde er in den USA noch wärmstens empfangen. Nur zwei Jahre später, im Januar 1961, brach Präsident Dwight D. Eisenhower die diplomatischen Beziehungen ab, die Villa wurde geschlossen. Bis 1977, als sich die Beziehungen unter Präsident Jimmy Carter verbesserten und Interessensvertretungen in Havanna und Washington unter der Aufsicht der neutralen Schweiz eröffnet wurden.

Der erste Schritt in einem "langen Weg zur Normalisierung"

Auch wenn es nun wieder Botschaften gibt in beiden Ländern und die kubanische Flagge neu vor dem US-Außenministerium weht, sei dies nur der erste Schritt auf einem "langen Weg zur Normalisierung", wie beide Regierungen betonten. Noch immer würden Differenzen bestehen. Die USA kritisieren die fehlende Einhaltung der Menschenrechte, dringen auf demokratische Reformen und die Auslieferung flüchtiger Straftäter. Kuba besteht auf einer Lösung der Guantánamo-Frage und fordert Reparationsleistungen für Schäden durch das Wirtschaftsembargo.

Ihre Botschafter haben beide Länder noch nicht ernannt. In den USA muss der Entscheid durch den Senat, was eine Weile dauern könnte. "Wir rechnen mit großem Widerstand der Republikaner", sagte ein Sprecher von US-Präsident Obama. Bis auf Weiteres wird Jeffrey deLaurentis, der Leiter der ehemaligen Interessensvertretung, der neuen US-Botschaft in Havanna vorstehen.

Die von Obama angestrebte "Politik der Annäherung" stößt bei Exilkubanern in Miami auf teils heftige Kritik. Sie sprechen von "Kapitulation vor einem erklärten Feind". Die Zahl willkürlich Inhaftierter sei sogar gestiegen, sagte José Daniel Ferrer von der Cuban Patriotic Union, "die Behandlung der sogenannten politischen Häftlinge hat sich verschlechtert". Das Regime in Havanna sei nur auf wirtschaftlichen Profit aus, den es sich von der Aufhebung des Embargos verspricht. Von demokratischeren Strukturen spreche niemand.

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