Air Berlin Die Wahrheit ist: Niemand braucht Air Berlin

Air Berlin hat anderen, gesünderen und besser geführten Konkurrenten den Platz weggenommen. Auch deshalb ist es wichtig, dass es über die aktuellen Staatshilfen hinaus keine weiteren gibt.

Kommentar von Jens Flottau

Air Berlin ist pleite. An dieser Neuigkeit ist, wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre in Erinnerung ruft, eigentlich nur ein Aspekt überraschend: Dass es so lange gedauert hat. Immer wieder ist es dem Unternehmen aber gelungen, irgendwo Geld aufzutreiben und das Siechtum zu verlängern. Dass es eines Tages so enden würde, war lange klar. Die Frage war nur: wann genau?

Dass Air Berlin pleite ist, hat nicht viel mit äußeren Einflüssen zu tun. Der Branche insgesamt geht es trotz Terroranschlägen, Reiseangst oder Türkeikrise hervorragend. Gerade hat die Lufthansa einen riesigen Gewinn für das erste Halbjahr verkündet. Das Scheitern der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft ist zurückzuführen auf das Versagen des stets wechselnden Managements über viele Jahre hinweg - im Unternehmen selbst und beim größten Anteilseigner Etihad, der staatlichen Fluggesellschaft Abu Dhabis.

Versagt hat jeder Konzernlenker auf seine Weise. Unternehmensgründer Joachim Hunold, weil er es nach dem Börsengang vor zehn Jahren plötzlich mit den ganz Großen aufnehmen wollte, statt Air Berlin in ihrer Nische, dem Ferienfluggeschäft, zu belassen; Wolfgang Prock-Schauer, weil er zu langsam umbaute; Stefan Pichler, weil er nur tat, was Etihad wollte; Hartmut Mehdorn hat es immerhin geschafft, mit Etihad einen zahlungskräftigen Anteilseigner an Bord zu holen, ohne dessen Überweisungen Air Berlin wohl schon seit fünf Jahren nicht mehr geflogen wäre. Für die Realität war Etihad freilich zu lange blind. Dem aktuellen Chef Thomas Winkelmann fehlte für die Rettung schlicht die Zeit, denn Etihad will nicht mehr zahlen.

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Die Fluglinie ist am schlechten Management gescheitert

Air Berlins Grundproblem war, dass das Unternehmen keiner klaren Strategie folgte. Etihad zwang die deutsche Tochter dazu, sich auf Geschäftsreisende zu konzentrieren, ein Segment, in dem Air Berlin gegen Lufthansa und all die Allianzen keine Chance hatte. Gleichzeitig vernachlässigte Air Berlin den Bereich, in dem sie groß geworden ist, die Ferienfliegerei. Den Privatreisemarkt beherrschen Ryanair, Easyjet und die anderen Billig-Flieger, weil sie günstiger produzieren und Geschäftsmodelle verfolgen, die auch funktionieren.

Die Wahrheit ist: Niemand braucht Air Berlin. So verständlich es ist, dass die Bundesregierung nun einen Überbrückungskredit bereitstellt, damit die Flugzeuge nicht stehen bleiben und wenigstens die vielen Urlauber in den nächsten Wochen nach Hause fliegen können, so wichtig ist es auch, dass es keine weiteren Staatshilfen gibt. Im deutschen Markt wird zwar die Dominanz von Lufthansa und ihrem Ableger Eurowings größer. Reste von Air Berlin und deren Mitarbeiter werden dann bald für sie fliegen. Doch Air Berlin hat auch anderen, gesünderen und besser geführten Konkurrenten den Platz weggenommen. Diese Lücke wird nun nicht nur von Eurowings gefüllt, sondern vielen anderen: Ryanair, Easyjet oder Condor. Die Erfahrung aus anderen Fällen lehrt, dass die Flugbranche nicht lange braucht, um solche Ausfälle zu kompensieren.

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