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Ahmadinedschad im Libanon:Der iranische Hetzer reist an die Front

Mahmud Ahmadinedschad ist ein Meister der Provokation. Das beweist er auch beim Staatsbesuch im Libanon und besucht den Ort, an dem sich Israel und die Hisbollah 2006 am härtesten bekämpften.

Für Abu Hussain ist er beides: "ein Vater und ein Führer". Also kann sich Mahmud Ahmadinedschad zu Hause fühlen in Kana, sozusagen im Kreis der Familie und in dem seiner Gefolgsleute. Abu Hussain ist nur einer von vielen, die den iranischen Präsidenten willkommen heißen im Südlibanon. Das Ehrenmal von Kana wird gerade hergerichtet für den Besuch, eine Bühne gezimmert, der Parkplatz schnell noch frisch asphaltiert.

Zu Besuch im Libanon gibt sich Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad einerseits staatsmännisch, andererseits volksnah.

(Foto: AFP)

Der 42-jährige Abu Hussain ist so etwas wie der Hausmeister am Ehrenmal, das Monument erinnert an die mindestens 130 Menschen, die 1996 und 2006 bei zwei Massakern der israelischen Armee an libanesischen Zivilisten starben. Er selbst hat 1996 den Angriff überlebt, aber er hat ihn nicht vergessen. Für ihn, das hat er mit dem iranischen Staatsgast gemein, ist Israel der erbarmungslose Feind, der bis zum Sieg bekämpft werden muss.

Ahmadinedschads Besuch im Südlibanon ist eine politische Bombe. Der Mann aus Teheran mischt sich mit seinen Auftritten in den Städten Bint Jbeil und Kana dank seines Schulterschlusses mit der Hisbollah offen in die libanesische Innenpolitik ein. Und er provoziert die Israelis. Bint Jbeil, die "Hauptstadt des islamischen Widerstands", war Ort der härtesten Kämpfe zwischen Hisbollah und der israelischen Armee im Krieg 2006. Von Bint Jbeil sind es weniger als zehn Kilometer bis an die libanesisch-israelische Grenze.

Die zwei Gesichter des Ahmadinedschad

Schon in Beirut hatte der Besuch des Persers eine merkwürdige Doppelgesichtigkeit gezeigt: Einerseits die offiziellen Termine mit dem libanesischen Präsidenten und den Regierungsvertretern. Dann die Auftritte bei der Hisbollah. Bei seiner Rede in der Hisbollah-Hochburg Dachija im Süden von Beirut am Mittwochabend hatte der Perser sein von Panzerglas ummanteltes Rednerpult links liegenlassen und sich hinter ein offenes Pult gestellt.

Im Nahen Osten lebt die öffentliche Politik noch mehr als anderswo von Symbolen. Vor allem von denen der Stärke, der Unerschrockenheit. Auch der Besuch an der libanesisch-israelischen Grenze war solch ein Symbol: Ahmadinedschad fürchtet keinen, außer Gott. Schon gar nicht die Israelis. Deren Kampfflugzeuge überfliegen den Libanon nach Belieben. Ungehindert von der libanesischen Luftwaffe, deren Maschinen bestenfalls im Technikmuseum Eindruck machen können. Ungehindert auch von der Unifil, jener UN-Blauhelmtruppe, die an der Grenze für Ruhe sorgen soll, es aber nur in sehr bescheidenem Maße tut.

Ein rechtsgerichteter israelischer Abgeordneter tat das Seine, dem Perser seinen Propagandacoup zu erleichtern: "Wenn sich Ahmadinedschad, und sei es nur für einen einzigen Moment, im Visier eines Soldaten der israelischen Armee befindet, muss man unbedingt verhindern, dass er lebend nach Hause zurückkehrt", hatte er verkündet, obwohl selbst die bekannt hemdsärmlige Regierung in Jerusalem an diesem Nachmittag wohl nicht einmal im Traum darauf käme, den ausländischen Staatschef beim Staatsbesuch in einem Nachbarland anzugreifen.

Es zählen die Bilder, es zählt die Symbolik. Anders als viele arabische Staatsführer, die in den bequemen Sesseln der Regierungspaläste und an den überladenen Banketttischen vom Widerstand gegen den Judenstaat reden, fährt der Iraner Ahmadinedschad sozusagen an die Front. Er schaut also dem zionistischen Gegner ins Auge.