Afghanistan UN: Zahl der zivilen Todesopfer in Afghanistan auf neuem Höchststand

Ein afghanischer Polizist überwacht am 14. Februar 2019 von einer Mauer aus eine Valentintagsfeier ziviler Aktivisten.

(Foto: AFP)
  • Auch im vergangenen Jahr hat der Konflikt zwischen Pro-Regierungseinheiten und radikalen Islamisten in Afghanistan tausende zivile Opfer gefordert.
  • Es ist das fünfte Jahr in Folge, in dem die Vereinten Nationaen eine fünfstellige Zahl von Verletzten oder Getöteten verzeichnen.
  • Derzeit führen die USA Gespräche mit den Taliban. Dabei geht es um konkrete Bedingungen für einen Truppenabzug.

Die Zahl der bei Konflikten in Afghanistan getöteten Zivilisten hat den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2009 erreicht. Das vergangene Jahr war somit das fünfte in Folge mit mehr als 10 000 getöteten oder verletzten Zivilisten. Die Zahlen der UN gelten als konservativ, weil die Organisation für jeden registrierten Fall mindestens drei unabhängige Quellen benötigt.

Im Jahr 2018 wurden nach einem am Sonntag veröffentlichten Bericht der UN-Mission in Afghanistan (Unama) und des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte mindestens 3804 Zivilisten getötet. Das sind elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zugleich wurden 7189 Zivilpersonen verletzt, etwa zwei Prozent mehr als 2017.

Die Hauptursachen für den Anstieg sind demnach mehr Selbstmordanschläge und größer angelegte Angriffe, vor allem durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS), sowie eine Zunahme von Opfern durch Luftangriffe und andere militärische Operationen der Regierung und ihrer Verbündeter.

42 Prozent der zivilen Opfer wurden demnach durch Bomben getötet. Durch von Selbstmordattentätern eingesetzte, ferngezündete oder selbstauslösende Sprengsätze kamen 1361 Menschen ums Leben. Fast ein Viertel der getöteten Zivilisten waren Kinder. Mit 927 Todesopfern ist auch dieser Wert der höchste seit Beginn der Aufzeichnungen. Für 37 Prozent der zivilen Opfer macht der UN-Bericht die radikalislamischen Taliban verantwortlich, für ein Fünftel die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). 24 Prozent der zivilen Opfer gehen auf Regierungstruppen und ihre Verbündeten zurück.

Die Vereinten Nationen riefen die Konfliktparteien auf, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen. In den vergangenen zehn Jahren seien mehr als 32 000 Zivilisten getötet und etwa 60 000 verwundet worden. "Es ist Zeit, dieses menschliche Leid und diese Tragödie zu beenden", sagte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto.

Der seit Jahrzehnten anhaltende Konflikt in Afghanistan war auch ein Thema bei der Münchner Sicherheitskonferenz Mitte Februar. Die von den USA angeführte Intervention in Afghanistan dauert inzwischen 17 Jahre. US-Präsident Trump will den Friedensprozess zu einer innerafghanischen Angelegenheit machen. Ein Sondergesandter soll als Vermittler zwischen den Regierungen in Washington und Kabul sowie den Taliban fungieren. Konkret sollen Bedingungen für einen Abzug der USA aus Afghanistan ausgelotet werden. Im Gegenzug sollen die Taliban garantieren, dass Afghanistan nicht wieder Rückzugsgebiet für ausländische Terroristen wird.

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