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Afghanistan:Obama und Karsai beraten über Truppenabzug

Nach Panetta und Clinton trifft der afghanische Präsident Karsai nun auch US-Präsident Obama - mehr als drei Stunden sind dafür eingeplant. Das ist ein klares Signal, dass das Weiße Haus keine einfachen Verhandlungen über den Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan erwartet.

Vor dem anstehenden Treffen von Afghanistans Präsident Hamid Karsai und US-Präsident Barack Obama am Freitag hat Washington Kabul langfristige Unterstützung zugesichert. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte bei einem Gespräch mit Karsai am Donnerstag im Pentagon, die USA würden Afghanistan auch nach dem Abzug der ausländischen Kampftruppen Ende 2014 zur Seite stehen.

Panetta berichtete, es habe bei den Verhandlungen über die Zeit nach 2014 zwar "gute Fortschritte" gegeben. Doch über konkrete Einzelheiten schwieg er sich aus. "Wir haben gemeinsam Opfer erbracht - das hat eine Verbindung geschaffen, die in der Zukunft nicht gebrochen wird", sagte Panetta.

Karsai zeigte sich zuversichtlich, dass ein Abkommen geschlossen werde, das den Sicherheitsinteressen beider Länder diene. Mit Hilfe aus den USA werde Afghanistan seine Bevölkerung und seine Grenzen schützen und die Gefahr des Terrorismus abwehren können. Nach dem Gespräch mit Panetta kam Karsai mit US-Außenministerin Hillary Clinton zu einem Abendessen zusammen.

Obama berät mit Karsai über Truppenabzug

An diesem Freitag empfängt Obama den afghanischen Staatschef im Weißen Haus. Für das Treffen hat das Weiße Haus mehr als drei Stunden eingeplant - ein deutliches Zeichen, dass es Kontroverses zu bereden gibt. Sogar ein gemeinsames Mittagessen steht auf dem Programm. Anschließend wollen beide gemeinsam vor die Presse treten.

Außerdem will Karsai eine Rede zur Zukunft der Beziehungen zwischen Afghanistan und den USA halten. Er dürfte sich dafür einsetzen, dass eine beträchtliche Zahl von US-Soldaten nach 2014 in Afghanistan verbleibt. Weitere Themen sind die Friedensgespräche mit den Taliban und die Finanzhilfen für Kabul.

Kein Zweifel: Der Besuch aus Kabul wird in Washington als einer der Wichtigeren gehandelt - es geht um die Zukunft Afghanistans nach dem Abzug der internationalen Truppen.

Wichtige Punkte wie Truppenstärke noch nicht geklärt

Die USA und ihre NATO-Verbündeten haben mit der afghanischen Regierung vereinbart, dass alle ausländischen Kampftruppen bis Ende 2014 das Land verlassen. Nach der vollständigen Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die einheimischen Kräfte sollen einem zwischen Washington und Kabul geschlossenen Partnerschaftsabkommen zufolge US-Soldaten aber weiterhin afghanische Truppen ausbilden und in den Kampf gegen Extremisten eingreifen.

Wichtige Punkte wie die künftige Truppenstärke und der Schutz von US-Soldaten vor Strafverfolgung durch afghanische Behörden sind aber noch nicht geklärt. Dem Wall Street Journal zufolge erarbeitete das Pentagon auf Wunsch des Weißen Hauses Vorschläge für eine deutlich stärkere Truppenreduzierung als ursprünglich angedacht. Anfang der Woche hatte ein enger Berater Obamas erklärt, dass auch ein vollständiger Abzug nach 2014 nicht ausgeschlossen sei.

Die niedrigen Truppenzahlen stehen in starkem Kontrast zu den Plänen, die vor einem Jahr von der US-Regierung und den Nato-Verbündeten durchgespielt wurden. Damals war eine Präsenz von bis zu 30.000 ausländischen Soldaten nach 2014 im Gespräch gewesen. Derzeit sind noch rund 66.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert. Hinzu kommen etwa 34.000 aus anderen Nato-Ländern, darunter gut 4300 Bundeswehr-Soldaten.

Die radikalislamischen Taliban reagierten positiv auf die Überlegungen zu einem vollständigen Abzug bis Ende 2014. "Wir begrüßen diesen Schritt der amerikanischen Öffentlichkeit und all derjenigen Gesellschaften, die beim Thema Afghanistan Druck auf ihre Regierungen ausüben, diesen ziellosen Krieg zu Ende zu bringen und all ihre Truppen herauszuholen", war auf der Internetseite der Taliban zu lesen.

© AFP/dpa/sebi/jasch

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